Monacofritzchen

Auf meiner Reise nach Südfrankreich habe ich auch eine paar Leute getroffen, die in Monaco wohnen und arbeiten. Sie sind dort angestellt bei sogenannte „Family-Offices“, das heißt Firmen, die das Geld eines sehr reichen Menschen verwalten.

Katharina Ohana, Psychologin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Es gibt also hinter dem Monaco, wie es sich für Touristen zeigt (mit Casinoplatz und Schlossbesuch), ein anderes Monaco, wo Menschen aus aller Welt leben und arbeiten und zwar nicht nur um ab und zu Wasserhähne aufzudrehen und Lichter an und auszuknipsen, damit der Eindruck entsteht, der Besitzer der Wohnung wäre wirklich in Monaco und habe deshalb einen Steuervorteil verdient.

Die wirklich reichen Leute (und in diese Gruppe gehört man erst ab rund 500 Millionen Euro) haben dort ihre eigene Finanzverwaltungsfirma und müssen nicht auf Hausmeister zurück greifen, die mal ein paar Liter Wasser durch ihre Zähler laufen lassen.

Die Finanzverwalter und Kunstsammlungsankäuferinnen, die mit dem Geld der sehr reichen Menschen arbeiten, treffen sich, da alle ja erst mal fremd sind in Monaco, regelmäßig zum Beispiel immer Donnerstags in einer Hotellobby und lernen sich so alle schnell kennen. Wenn man mit ihnen durch Monaco läuft grüßen sie nach rechts und links, als würden sie durch die Fußgängerzone von Bad Tölz laufen, wo sie groß geworden wären. Es sind sehr gut ausgebildete, sehr weltgewandte und offene Menschen, die an einer Schnittstelle unserer globalen Gesellschaft sitzen und einen Einblick in eine Welt erhalten, in die kaum jemand wirklich sonst hinein schauen kann: Die Welt der Richtigreichen. 

Die Finanzverwalter selbst verdienen sicher nicht schlecht, doch der Umgang mit den riesigen Geldmengen ihrer Chefs macht sie entweder sehr bescheiden und nachdenklich oder sehr sehnsüchtig (??einmal mit den großen Hunden, einmal so viel Neid von anderen Männern, so viel Respekt??). Sie sind hin und wieder auch mit solchen Problemen konfrontiert wie: Wo bekomme ich den neusten Bugatti Rennwagen für meinen Chef her, der zwar 1,4 Millionen kostet, aber leider in den wenigen aufgelegte Exemplaren schnell völlig vergriffen ist …

Und damit wären wir bei der eigentlichen Erkenntnis, die mir die Berichte aus dieser Welt aus erster Hand gebracht haben: Es findet wohl das gleiche Spiel wie überall statt, nur auf einer höheren Stufe. Diese Superreichen haben genauso das Gefühl mithalten zu müssen, die Insignien ihrer Gruppe erfüllen zu müssen, um DAZUZUGEHÖREN.

Das Dazugehören zu einer Gruppe ist eine der Grundkomponenten der menschlichen Psyche. Es gibt auch Leute mit 500 Millionen, vergleichsweise kleine Fische unter den Milliardären (ist ja auch nur eine halbe Milliarde), die Angst haben heraus zu fallen aus den ganz wichtigen Vereinen und Treffen dieser Welt, die Angst haben nicht schnell genug eines der ganz neuen, ganz teuren Autos zu fahren, ein zu kleines Boot oder Flugzeug zu besitzen. 

Wie mir berichtet wurde scheint es auf den entsprechenden Festen und Partys dieser Menschen nicht besonders interessant zuzugehen: Es gibt keine wirklich spannenden Gespräche zu spannenden Themen. Man spricht das gleiche Statusblabla aller Partys, nur auf einem etwas teurerem Niveau. Schade eigentlich. Man hofft ja selbst als Psychologin, dass es irgendwo doch noch eine überraschende Sorte Menschen gäbe, die der Banalität des Daseins nicht unterworfen wäre: Is nich!

Die Frauen der Superreichen tragen alle die gleichen Superlabels und gleichen aufgespritzen Lippen. Das machen sie alles nur für die anderen Frauen und nicht für die Männer, denn die interessiert das wohl gar nicht. Sie sind alle ungefähr derselbe Typ: Jüngeres oder älterndes ?Beinahemodel?, skrupellos, optimale Materialausschöpfung. 

Abgesichert ist man als Frau in diesen Kreisen nur durch gemeinsame Kinder: Man ist die Mutter der Kinder eines Superreichen oder man ist gar nichts. So oder so ist Frau immer getrieben von der Angst vor Jüngeren, Gerisseneren. Ansonsten gibt es für Frauen in dieser Welt nur noch die Rolle `Tochter von´: It is a man’s world (verschwindend geringe Ausnahmen, keiner kannte eine persönlich). Charity und Kunst gehören selbstverständlich dazu: Es werden halt nicht Kuchen gebacken, sondern Museen und Stiftungen eröffnet. 

Eine Frage, die sich mir stellt: Könnte Frau mit der Anstrengung und dem strategischen Denken, das anscheinen nötig ist, um in diese Kreise zu gelangen oder sich dort zu etablieren und zu halten, nicht etwas auf die Beine stellen, dass ihr ein Leben mit Erpressungen/Demütigungen und Angst und Abhängigkeit erspart? Rechtfertigt der Mehrwert eines Bootes oder Flugzeuges des Mannes (Klamotten sind preislich ab einem bestimmten Level wohl nicht mehr steigerbar) die anscheinend offensichtliche Langeweile, den Frust und die sie umgebende Boshaftigkeit?

Fazit meiner Weltreise nach Monaco: Same procedure as everywhere, Miss Sophie? – The same procedure as anywhere, James! Außer vielleicht, dass sich Metzger Fritz aus Bad Tölz oder der Marketingchef aus Stuttgart-Gänshaide noch etwas glücklicher darüber schätzen können, warum ihre Frauen sie geheiratet haben?

Von Academicworld-Expertin Katharina Ohana

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