Mörderischer Remake

Eigentlich möchte Detective Sarah Linden der Stadt Seattle den Rücken kehren und zusammen mit Sohn und Verlobten in Kalifornien ein neues Leben anfangen. Pünktlich zu ihrem letzten Arbeitstag wird ein Teenager als vermisst gemeldet – kurz darauf ihre Leiche gefunden. – Kann das US-Remake der dänischen Vorlage gerecht werden?

Ein lonesome Detective gegen den kriminellen Dschungel ihrer Stadt. Schützenhilfe erhält sie von ihrem Nachfolger.
Ein lonesome Detective gegen den kriminellen Dschungel ihrer Stadt. Schützenhilfe erhält sie von ihrem Nachfolger.

Rosie Larsen ist eigentlich ein ganz normales Mädchen, das ein unauffälliges Leben führt. Ihre Eltern denken sich nichts, als sie für ein Wochenende in die Funkstille verschwindet. Doch als sie am Wochenbeginn immer noch nicht auftaucht, beginnt die Suche nach ihr. Auch die Polizei wird einbezogen – und findet kurz darauf ihre Leiche in dem Kofferraum eines Autos. Pikantes Detail: Das gehört zu der Flotte eines Politikers, der sich gerade im Wahlkampf um das Bürgermeisteramt von Seattle befindet …

Die Ermittlungen werden schneller brenzlig und vor allem brenzliger als erwartet.
Die Ermittlungen werden schneller brenzlig und vor allem brenzliger als erwartet.

Der Mord an Rosie ist der Stock, der das gesamte Getriebe der Stadt lahmlegt. Ihre Familie kommt mit dem Verlust nicht zurecht, vor allem ihre kleinen Brüder stehen plötzlich im Regen. Der Wahlkampf um den Bürgermeistersessel gerät durcheinander, weil Presse, Polizei und Kandidat um die Führung in der Öffentlichkeit ringen. Detective Linden würde am liebsten früher als später die Stadt verlassen, um wie geplant mit ihrem Verlobten ein neues Leben in Kalifornien zu beginnen. Nur ungünstig, dass ihr Sohn sich mit dem nicht versteckt und bockt. Ihr Nachfolger im Präsidium ist Holder, der ein paar unübliche Ermittlungsmethoden hat – und damit Lindens Missfallen erregt.  Zusammen ergibt sich ein unübersichtlicher Dschungel auf dem Schachbrett Seattle, auf dem den Ermittlern allmählich die Zeit entrinnt …

Die Familie des ermordeten Rosie kämpft auf ihre eigene Weise ums Überleben.
Die Familie des ermordeten Rosie kämpft auf ihre eigene Weise ums Überleben.

Die Kritik

The Killing beinhaltet tatsächlich sämtliche Elemente, die ein klassischer Krimi braucht: Bedauernswertes Mordopfer, zwiegespaltenes Ermittlerteam, Verwicklungen in die höchsten politischen Kreise, Ausflüchte, Ausreden, Intrigen, persönliche Nebenhandlungen. Diese Mischung lässt einem Schauer über den Rücken laufen und gibt der Spannung einen steilen Bogen vor. Der weinbliche Part der Ermittlerin ist zwar mit einer Blondine (mit Rotstich, zugegebenermaßen) besetzt, fällt aber nicht unter die Kategorie „modelhübsches Blondchen“. Das trägt dazu bei, dass man The Killing als einen echten Krimi ernstnimmt. 

Die Handlung konzentriert sich nicht nur auf den Mord, sondern bezieht auf eine sehr emotionale Art das Leben der Familie vom Opfer mit ein – wie sie zurechtkommen müssen mit dem Verlust, mit sich selbst, mit dem Leben „Danach“. Das bringt etwas Abwechslung in die Folgen und man hat definitiv nicht den Eindruck, dass sich die Serie übermäßig lang hinzieht.

Einziger Faktor, der etwas irritiert – in Seattle scheint es durchgängig zu regnen. Das könnte immerhin erklären, warum die Schauspielerin der Rolle Sarah Linden so leichenblass ist, drückt aber ansonsten etwas auf das Gemüt. Mit Sicherheit so gewünscht, denn das Gefühl überträgt sich auf den gesamten Krimi. Endlich mal wieder ein Vertreter dieser Gattung, der nicht durch klinisch-sterile Szenen in Labors wie bei den CSI-Serien geprägt ist. Solide Spannungsserie für dunkle Abende!

Bettina Riedel (academicworld.net)

The Killing, Staffel 1

Regie: Patty Jenkins, Ed Bianchi, Gwyneth Horder-Payton, Jennifer Getzinger, Phil Abraham, Agnieszka Holland, Daniel Attias, Nicole Kassell, Keith Gordon, Brad Anderson

Darsteller: Mireille Enos, Joel Kinnaman, Michelle Forbes, Brent Sexton, Bill Campbell

Seit dem 11. September im Vertrieb der Pandavision als DVD, BluRay und VoD erhältlich

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