Mörderische Flashbacks

Ein grausamer Mord an einer jungen Frau war offenbar nicht genug. Der Täter schmückte sie mit einer „Krone“ aus Geweihen und und nahm offenbar satanische Rituale an ihr vor. Damals ein ungelöster Fall – und neulich wurde er exakt kopiert. Der Auftakt für eine der wohl besten Krimiserien dieser Zeit.

Sozial nicht unbedingt verträglich: Rust konzentriert sich auf seine Arbeit und sein Alkoholproblem. © Jim Bridges/HBO
Sozial nicht unbedingt verträglich: Rust konzentriert sich auf seine Arbeit und sein Alkoholproblem. © Jim Bridges/HBO

Detective Rust Cohle (Matthew McConaughey) hatte es nicht einfach. Seiner Familie ist zerbrochen, sofern sie noch lebt und er ist ein Einzelgänger. So wenig wie die Gesellschaft mit ihm anfangen kann, so wenig kann er es umgekehrt. Nach seinem Umzug wird er der neue Partner von Martin Hart (Woody Harrelson). Er ist de facto Rusts Gegenteil. Zusammen arbeiten sie bei der State Police und übernehmen eines Tages einen bizarren Mordfall: Eine Prostitutierte wird grausam ermordet. Und weil das dem Täter nicht genug war, finden die beiden Ermittler Spuren satanischer Rituale.

Kämpft mit seiner Ehe: Martin, der Partner von Rust. Was die beiden zerstritten hinterlässt, erfährt man anfänglich nicht. © LACEY TERRELL
Kämpft mit seiner Ehe: Martin, der Partner von Rust. Was die beiden zerstritten hinterlässt, erfährt man anfänglich nicht. © LACEY TERRELL

Damals im Jahr 1995 konnte der Mord nicht aufgeklärt werden. Im Hier und Jetzt wurde kürzlich ein weiteres Opfer mit ähnlich grausigen Umständen gefunden. Da bei einer Flut einige Zeittakte zuvor große Teile des Polizeiarchivs vernichtet wurden, werden Rust und Martin getrennt voneinander zu den Ermittlungen damals befragt. „Zu Dokumentationszwecken“ werden diese „Interviews“ auf Video aufgezeichnet. Neben ihren Erinnerungen über den Fall werden sie auch über ihre persönlichen Beziehungen ausgehorcht. Scheinbar kein Zufall, denn die beiden sind längst keine Partner mehr und obendrein offenbar zeimlich zerstritten. Und so entfaltet sich die dramatische Geschichte und streckt die tödlichen Fänge bis in die Gegenwart …

Skurriler Mord, skurille Ermittlungsorte. Diesmal: Eine längst abgebrannte Kirche. © HBO
Skurriler Mord, skurille Ermittlungsorte. Diesmal: Eine längst abgebrannte Kirche. © HBO

Meisterwerk. ’nuff said.

Die Serie ist so gut produziert, hier stimmt wirklich alles. Beginnen wir mit dem gar nicht so unwichtigen Detail „Musik“. Die stammt vom famosen Produzenten „T Bone“ Burnett. Der ist beispielsweise für so grandiose Konzerte wie „Another day another night“ (Musik von Inside Llewyn Davis), bekannt ist. Die Musik baut Spannung auf, unterstützt die gewählte Szenerie und versetzt den Zuschauer in den heißen und immer etwas rauen Süden der Staaten. Allein das Intro elektrisiert ungemein!

Schauspielleistungen: Solide von den Randfiguren, absolut grandios gerade von McConaughey. Nach dem Aidskranken in Dallas Buyers Club gibt er hier den sozial entfremdeten Ermittler, eine vollkommen andere Rolle. Trotzdem verkörpert er sie mit einer Absolutheit, die Berge versetzt. Er ist der kauzige Rust, mit dem Hauch dunkler Vergangenheit – selbstverständlich, ohne groß darüber zu schwadronieren. Seine Akten sind gesperrt, seiner Familie ist offenbar etwas Schreckliches zugestoßen. Er ertränkt sich in Arbeit und Alkohol. Hier erinnert nichts mehr an den McConaughey, der vor einigen Jahren fast in die abgedroschenen Liebesfilme Hollywoods abgedriftet wäre. Meisterlich gespielt. Natürlich darf auch der Charakter Martin nicht unter den Tisch fallen. Woody Harrelson gibt den guten Cop, der einfach ein bisschen normaler ist. So normal, dass er seine Ehe mit der einen oder anderen Affaire unter Druck setzt. Er bleibt neben Rust immer etwas die zweite Geige, ergänzt das Duo aber um die menschliche Komponente. Zusammen ergeben die beiden ein sagenhaftes Ermittlerteam!

Prädikat: Must have!

Eine Serie, für die man sich Zeit nehmen sollte. Muss, geradezu. Für die man Freunde einlädt, Popcorn frisch ploppen lässt, Getränke kalt stellt, Krümel vom Sofa saugt und den Chips Vorrat auffüllt. Ja Freunde, jede Folge ist so ein Event wert.

Bettina Riedel (academicworld.net)

True Detective, Staffel 1
8 Episoden à 55 Minuten

Regie: Cary Fukunaga
Darsteller: Matthew McConaughey, Woody Harrelson, Michelle Monaghan, Alexandra Daddario, Kevin Dunne
Seit dem 4. September im Vertrieb von HBO/Warner Bros als DVD, BluRay und VoD im Handel erhältlich

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