Mit Plagiat zum Erfolg?

Mit wissenschaftlichen Plagiaten kennen wir uns aus. Aber was geschieht mit einem sensiblen Autor, der das Werk eines anderen als das seine ausgibt, wenn dieser selbst nur eine Figur in einem Buch ist? Das seht ihr im Film DER DIEB DER WORTE.

Glück in der Liebe... © Thimfilm
Glück in der Liebe… © Thimfilm

Als junger Autor hat Rory Jansen (Bradley Cooper) nicht unbedingt ein schlechtes Leben, führt er es doch mit der Liebe seines Lebens, seiner Frau Dora (Zoe Saldana). Doch gleich mit welcher Inbrunst er sich seinem Werk widmet – nach der Fertigstellung will es niemand veröffentlichen. Als es eine Absage nach der anderen hagelt, kommen die Flitterwochen in Paris gerade recht. In einem kleinen Antiquitätenladen finden Dora und Rory eine alte Ledertasche, in der er später, wieder zu Hause, ein altes Manuskript findet. Die Worte berühren ihn sehr und für einmal in seinem Leben möchte er wissen, wie es sich anfühlt, wenn kraftvolle Worte wie diese durch seine Finger zu strömen.

Doch erstens kommt es anders …

Als seine Frau diesen Text zufällig liest und ihn für den seinen hält, steht Rory vor der Entscheidung: Die Worte als seine ausgeben und endlich das Leben führen, wie er es sich erträumt hat oder doch die Wahrheit sagen? Er entscheidet sich ‚für die dunkle Seite‘. Spurlos geht die Entscheidung allerdings nicht an ihm vorbei. Doch wie geht man als Autor mit dem Thema Plagiat um, wenn man selbst der Plagiator ist und eigentlich schon über ein Gewissen verfügt? Eigentlich ist er ja ein aufrichtiger Idealist.

Zuspät für Reue? © Thimfilm

Zweitens als man denkt …

Ich meine damit nicht Rory, denn Rory ist selbst nur Fiktion. Geschrieben wurde seine Geschichte von einem gefeierten Romanautor, aus dessen Sicht der Film erzählt wird – doch was er mit der Story von Rory aussagen möchte, ist allen Beteiligten, inklusive ihm selbst, auch nicht so recht klar. Doch auch für Rory wird es eng: Plötzlich taucht ein alter Mann auf, der sich als der eigentliche Autor entpuppt. Doch der will gar nicht ‚sein Werk zurück‘, doch was will er dann?

Die Kritik

Vorab wurden Kritiker bereits laut, dass der Film keine Spannungskurve hätte. Habt ihr denn alle anderen Genres der Unterhaltungsbranche so aus euren Köpfen gestrichen, dass ihr einer normalen Erzählung nicht mehr folgen könnt? Nicht jeder Film muss platzen vor Action. Blut und harten Kämpfen. Der gute Rory steht mit seinem Leben an einem unbefriedigenden Ort. Eigentlich trifft er den Nerv unglaublich vieler Menschen, wenn er sagt: „I’m not who I thought I would be and I’m terrified I never will be.“ Willkommen in der Sinnkrise.

Sicher, man platzt nicht vor Spannung. Es gibt keine dramatischen Wendungen und gerade weil das Ende so flach verläuft, ist DER DIEB DER WORTE eine Geschichte, die erzählenswert ist. Es steckt mehr dahinter, emotional, idealistisch. Es wird einem nur nicht auf dem Silbertablett serviert. „Hier, du musst jetzt das und das davon halten“. Nein, das müsst ihr selbst entscheiden. Das grundlegende Thema ist natürlich der ethische/ moralische Konflikt in Rory. Nicht mehr, nicht weniger. Das sollte einem vorab klar sein.

Der Film wird keine Bewusstseinsveränderung hervorrufen oder Leute dazu bewegen, ihr Leben zu ändern. Aber er wird euch unterhalten und wer möchte, kann auch etwas tiefer in die dahinterliegende Logik steigen und seine Gedanken damit beschäftigen. Wer natürlich keine 3m gerade aus denken möchte, sondern lieber von einer Explosion zur nächsten den Faden an einer nicht existenten Handlung verlieren möchte, der kann sich natürlich Pacific Rim anschauen. Was unsere Kinoexpertin Natalie dazu sagt, erfahrt ihr hier.


Bettina Riedel (academicworld.net)

Der Dieb der Worte

Regie: Brian Klugman, Lee Sternthal
Darsteller: Bradley Cooper, Zoe Saldana, Dennis Quaid
Im Handel: 18. Oktober 2013

Im Verleih der Wild Bunch Germany
https://www.facebook.com/GambitDerFilm

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