Mit H. G. Wells unterwegs in der Zeit

Félix J. Palma schickt Vorbild und Berufskollegen Wells wieder auf Abenteuer. In „Die Landkarte des Himmels“ wird der Autor erneut damit konfrontiert, dass seine Bücher Folgen haben – nicht nur für ihn persönlich.

Mit H. G. Wells unterwegs in der Zeit
Die Landkarte des Himmels wird neu geschrieben. © Jörg Kleinschmidt/pixelio.de

Außerirdische Inspiration

Schon in „Die Landkarte der Zeit“ musste Autor H. G. Wells feststellen, dass es mit dem Abschluss seiner Bücher meist nicht getan ist. Wie bei der Zeitmaschine, so hat nun also auch der Krieg der Welten ungeahnte Auswirkungen. Ausgerechnet die Angebetet seines alten Erzfeindes Gilliam Murray wünscht sich als Liebesbeweis, dass ihr Verlobter in spe die Marsinvasion aus Wells‘ Roman nachstellt. Und zwar so überzeugend, dass die Menschen an echte Außerirdische glauben. Als der Tag gekommen ist, ruft Scotland Yard den Autor zu Hilfe. Und plötzlich finden sich Murray, seine Emma und Wells in einer echten Attacke fremder Lebewesen wieder. Da kann nur noch eine Zeitreise helfen …

Ein netter, durchaus spannender Science Fiction Roman ist Palma auch diesmal gelungen. Unterhaltsam ist nach wie vor etwa der sich und seine Erzählung ständig in Zweifel ziehende Ich-Erzähler. Leider sind die Wendungen und Kniffe, die den Leser im Vorgängerroman ein ums andere Mal zweifeln lassen, ob den jetzt echte Zeitreisen stattgefunden haben oder nicht, die Charade in der Charade, der doppelte und dreifache Boden, diesmal zu Gunsten der Action verschwunden. Die klassische Anmutung, das Spiel mit den Realitäten, das „Die Landkarte der Zeit“ so besonders machte, fehlt. Schade. Aber natürlich kann erst der angekündigte dritte und abschließende Band wirklich zeigen, wohin die Reise geht – für Wells und auch die Erzählung.

Mit H. G. Wells unterwegs in der Zeit

Gisela Stummer (academicworld.net)

Félix J. Palma. Die Landkarte der Zeit
24,95 Euro. Kindler

Share.