Menschen des 21. Jahrhunderts: Giovanni di Lorenzo, der sanfte Intellektuelle

Der deutsch-italienische Journalist ist Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit”, Mitherausgeber des „Berliner Tagesspiegel” und Moderator der Talkshow „3 nach 9” bei Radio Bremen.

Giovanni di Lorenzo
© Werner Bartsch für DIE ZEIT

Was an Ihrer Arbeit hat Sie heute glücklich gemacht?
Am heutigen Produktionstag zusammen mit den Kollegen die Seite Eins zu komponieren und dabei das Gefühl zu haben: Sie hat einen guten Sound.

Welche Ziele haben Sie im Leben?
Beruflich: Sich nicht schämen zu müssen für das, was man tut.

Welchen Beruf haben Sie sich als Kind als den Aufregendsten vorgestellt?
Den Beruf des Springreiters.

Was war die größte Veränderung in Ihrem Leben in den letzten Jahren?
Die Geburt meiner Tochter.

Was hat Ihre Karriere am meisten beschleunigt?
Ich weiß es nicht.

Wie sind „Harte Arbeit“ und „Glück/Zufall“ als Grundlage Ihres Erfolges verteilt? 
Unmöglich, auf diese Frage eine exakte Antwort zu geben. Aber natürlich hat beides eine Rolle gespielt.

Was gibt Ihnen am meisten Kraft bei der Arbeit?
Darin einen Sinn zu erkennen.

Welches war bisher der größte Fehler in Ihrem Berufsleben?
Ich habe einigen Leuten unrecht getan.

Was bedeutet es für Sie zu scheitern?
Manchmal ist es eine heilsame Lehre, manchmal nur eine schmerzhafte, weil unveränderbare Erfahrung.

Worauf sind Sie beruflich stolz?
Stolz zu sein gehört leider nicht zu meinen herausragenden Fähigkeiten. Am ehes-ten bin ich stolz darauf, dass die ZEIT Erfolg hat, obwohl ihr noch vor zehn Jahren überall das Totenglöckchen geläutet wurde; ein bisschen auch auf das Buch ‘Wofür stehst Du?’, das ich zusammen mit Axel Hacke schreiben durfte.

Was hat Ihnen Ihr Studium für Ihren Beruf gebracht?
Viel Zeit, um mich in meinem künftigen Beruf auszuprobieren.

Woran können Sie verzweifeln?
Daran, auf diese Frage noch eine originelle Antwort zu finden, die nicht verlogen ist.

An wessen Stelle würden Sie gerne einmal für einen Tag stehen?
Wenn ich das Talent dazu hätte: an der Stelle eines Regisseurs.

Welche besonderen Eigenschaften sollte man in Ihrem Beruf mitbringen?
Der Journalismus ist einer der letzten Begabungsberufe. Also unbedingt Talent.

Was vermuten Sie, wie würden Ihre Kollegen Sie beschreiben, wenn Sie nicht im Raum sind?
Offen gestanden: Ich will es gar nicht so genau wissen.

Haben Sie Vorbilder und wenn ja, was haben Sie von diesen gelernt?
Vorbilder hatte ich immer nur auf Zeit: Eugenio Scalfari, den Gründer von La Repubblica; die ganz frühe Oriana Fallaci; den Heldenmut eines Roberto Saviano.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Wenn ich das verriete, ginge der Wunsch nicht mehr in Erfüllung – da bin ich abergläubisch.

Wie verbinden Sie Karriere und Leben miteinander?
Mehr schlecht als recht.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht.

Wenn Sie gezwungen wären, unseren Lesern einen Rat zu geben, wie würde dieser lauten?
Da Sie vermutlich vor allem junge Leser haben, unbedingt diesen: Es lohnt sich durchaus, auch den eigenen Träumen nachzujagen und nicht so schnell aufzugeben.

Vollenden Sie bitte den Satz „Wichtiger als Karriere ist …“
… es für jeden Menschen, in den entscheidenden Momenten des Lebens nicht allein zu sein. 

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