Meister- Mash-Up

Wie wäre es, wenn Star Wars nicht von George Lucas, sondern von William Shakespeare geschrieben worden wäre? Gar nicht so viel anders, aber in Blankvers und im Stil des 16. Jahrhunderts. Kongenial ins Deutsche übertragen von Justin Aardvark und Jürgen Zahn hat zwar der Vers ein wenig gelitten, der Witz aber nicht. Fürwahr ein meisterliches Gedankenexperiment in Buchform.

Meister- Mash-Up

„Der Bürgerkrieg ist wild im Gange schon, / Als der Rebellen kleines Schiff erbeutet /
Die Pläne einer mächt’gen Kampfstation, / Die für die Freiheit Unheil nur bedeutet. /
Im Kampfgetümmel die Rebellen stahlen / Die Pläne dieser Waffe stark und groß. /
Erst später wird enthüllt die Kraft der Strahlen, / Wenn ein’n Planet trifft schnell der Todesstoß! /
Prinzessin Leia flieht, verfolgt von Scharen, / Ihr kleines Schiff ist jetzt bewegungslos. /
Zu überbringen trotz der grausigen Gefahren, / Die Botschaft einer neuen Hoffnung groß. /
In lang vergangner Zeit beginnt das Stück, / In unglücksel’ger Sternenwelt weit, weit entrückt.“

Auch in gereimter Versform scheinen diese Zeilen sich in die Weiten des Weltalls zu entfernen. Mash-Ups haben die Literatur und die Popkultur in den letzten Jahren immer wieder bereichert (für viele freilich auch heimgesucht). Meist war es dabei so, dass – wie etwa bei „Stolz und Vorurteil und Zombies“ – die Hochkultur die Basis bildet und um die popkulturellen Schreckensgestalten erweitert wird. Doescher hat den Spieß nun umgedreht und mal eben Shakespears Sprache und Sprüche in die Welt von Star Wars integriert. Und das funktioniert wirklich gut und ist erstaunlich unterhaltsam zu lesen. Aus der epischen Weltraumsaga wird ein Bühnenstück. Jetzt fehlt nur noch die Inszenierung auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Um das wunderbar-irrsinnige Werk auch im Deutschen so bedeutungsschwanger und schwungvoll zugleich erscheinen zu lassen, haben sich die beiden Übersetzer einfach noch ein paar deutsche Klassiker zu eigen gemacht. Das ist zwar alles in allem äußerst lustig geraten, aber weit mehr Hommage als Parodie – sowohl für den berühmten Barden, als auch für die Sternensaga. Durch die direkte Ansprache des Publikums erhält die Geschichte sogar noch zusätzliche Tiefe, wenn etwa Obi-Wan seine Motive erklärt oder der Zuschauer endlich versteht, was R2-D2 zu sagen hat. Ein herrlicher Spaß!

Gisela Stummer (academicworld.net)

Ian Doescher. William Shakespeares Star Wars: Fürwahr, eine neue Hoffnung.
16,99 Euro. Panini.

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