Meir Shalev: Meine russische Großmutter und ihr amerikanischer Staubsauger

Über das bunte und ereignisreiche Familienleben einer russischen Familie in Israel…

Wer nun vom Titel auf eine heiter bis komische Geschichte über ein Großmütterchen schließt, die allerhand kurioses mit dem Staubsauger erlebt, liegt nicht richtig, aber auch nicht gänzlich falsch. Es handelt sich viel mehr um eine Familiengeschichte mit allen positiven, aber auch negativen Seiten, geschrieben von dem Enkel der Großmutter.

Eine Russin in Israel
Großmutter Tonia ist geborene Russin, die in den 20er Jahren nach Israel kam. Sie ist eine anstrengende, prinzipientreue Frau mit einem ausgeprägten Putzwahn: Gäste dürfen das Haus nicht betreten, gegessen wird auf der Veranda hinter dem Haus und die Dusche im Haus darf nicht benutzt werden, dafür gibt es einen Schlauch an einer Wand im Kuhstall. Großvater Aaron ist mit ihr in zweiter Ehe verheiratet und sie leben gemeinsam in Israel in der Jesreel-Ebene. Er gehört zu den Pionieren des Landes, die Sümpfe trocken gelegt und so das Land urbanisiert haben.

Wie der Staubsauger nach Israel kommt
Großvaters Bruder hat dabei nicht geholfen, sondern ist stattdessen in die USA ausgewandert und gilt als Verräter. Gut gemeint, schickt er seinem Bruder Aaron Geld zur Unterstützung. Doch dieses Geld wird von ihm verschmäht und stets zurückgesandt.
Daraus entsteht ein Wettstreit zwischen den Brüdern. Um diesen für sich zu entscheiden, überlegt sich nun der tückische Bruder in den USA ein großes Paket zu senden, so dass es Großvater Aaron finanziell nicht möglich ist, dieses Paket zurück zu senden. Da Großmutter Tonias Putzfimmel hinlänglich bekannt ist, sendet er ihr einen der neuesten, stärksten, besten Staubsauger.

Der Staubsauger verschwindet ins Bad

Zunächst freudig aufgenommen, wird der Staubsauger jedoch nicht lange von Großmutter Tonia genutzt: Sie stellt nämlich fest, dass der Staubsauger den Dreck in sich sammelt und somit ins Haus bringt. Untragbar für die Reinheitsfanatikerin. So fristet er sein Leben im unbenutzten Bad des Ehepaares.

Ein Buch voller Putzgeschichten?
Das Buch ist keineswegs eine Sammlung von Putzanleitungen oder über das Putzverhalten der Großmutter. Es ist eine Geschichte, die über die Eigenarten der Familienangehörigen berichtet, aber auch über das Familienleben. Es beschreibt das Familienleben in allen Facetten mit Streit, den Umgang mit schwierigen Angehörigen, Verwerfungen und Versöhnungen. Das Buch berichtet aber auch über die harte körperliche Landarbeit, die von so vielen nach und vor der Zeit der Staatsgründung Israels geleistet wurde.

„Häufig fragte ich meine Mutter, was hinter all diesen Türen mit all den Lappen auf den Klinken sei, und sie erklärte: „hier ist die Dusche, in der man nicht duschen darf, und hier ist die Toilette, die man nicht benutzen darf, und hier sind die Zimmer, die man nicht betreten darf und hier“, sie hielt vor dem alten Badezimmer, dem Allerheiligsten, in dem es sogar eine richtige Badewanne gab, „hier wohnt ihr Sweeper, der Staubsauger.“ Seite 33-34

JD

 

281 Seiten
Verlag: Diogenes; (Februar 2011)

20,90 Euro

 

 

 

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