MEIN STÜCK VOM KUCHEN

Cédric Klapisch lässt in seinem Film „Mein Stück vom Kuchen“ die Welten aufeinander prallen. Wie zwei Urgewallten krachen France und Steve aufeinander. Ein Gesellschaftsdrama mit Witz und ernsten Hintergründen, quasi der Film zur Krise aus Frankreich. Seit 16.2. im Handel.


Börsenhai trifft Putzfrau

France (Karin Viard) hat es nicht leicht im Leben. Ihre drei Töchter sind mehr als quirlig, der Kerl dazu hat sich schon länger aus dem Staub gemacht. Durch ihre ehrliche Art macht sie es sich und anderen nicht immer leicht. Als ihr Arbeitgeber in Dünkirchen, für den sie seit 30 Jahren täglich schuftet, Pleite geht und sie ihren Job verliert, kommt ihr auch der Boden unter den Füßen abhanden. Nach einem Selbstmordversuch hat ausgerechnet der nichtsnutzige Freund ihrer Ältesten einen Ausweg parat: Sein Vater bildet in Paris Reinigungskräfte aus – die werden dort dringend gesucht.

Weil France eine pragmatische Frau ist überlegt sie nicht lange und fügt sich in dieses neue Schicksal, auch wenn es eine Trennung von ihren Kindern bedeutet. Um die kümmert sich Wochentags künftig Frances Schwester. Um unter den Ausländerinnen nicht aufzufallen legt sie sich schon ‚mal einen fiesen Akzent zu … Ihren ersten Job als Putzfrau und Haushälterin tritt sie schließlich bei Börsenhai Stéphane, genannt Steven (Gilles Lellouche) an. Der wurde gerade von seiner Londoner Firma ins heimatliche Paris zwangsverfrachtet. Dementsprechend seine Laune. Der Kerl ohne Leben – wichtig sind nur Kohle und junge Models – erwartet von seiner persönlichen „Leibeigenen“ vor allem, dass sie ihn nicht belästigt. Alles schön sauber bitte, aber dabei am besten unsichtbar bleiben.

Im Laufe der Zeit, auch durch den „Besuch“ von Steves kleinem Sohn, entwickeln die beiden gegensätzlichen Charaktere so etwas wie Verständnis, schließlich sogar eine gewisse Sympathie für einander. Auf einem Ausflug nach London, bei dem sie ihn begleitet, um den Sohnemann zu betreuen, wendet sich das Blatt dann gleich mehrmals und hinterher wird nichts mehr so sein wie bisher.

Rezension "Mein Stück vom Kuchen"

Viel Witz und bittere Wahrheiten

Bis auf die tumultartigen Schlussszenen hat man stets das Gefühl, dass der Film nah an der Realität ist. Das ist nicht immer rosig und positv, aber wahrhaftig und Karin Viard verleiht den Problemen unserer Zeit ein so sympathisches Gesicht, dass man ihrem Weg gerne folgt. Ein schöner Film mit viel Witz, aber ohne Platitüden. Allerdings mit einem leicht merkwürdigen Ende. Und nun ja, dass ob sich ein Kerl wie Börsenmakler Steve wirklich ändert – langfristig gesehen … 

Gisela Stummer (academicworld.net)

Mein Stück vom Kuchen

Regie: Cédric Klapisch
Darsteller: Karin Viard, Gilles Lellouche

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