Medien, Drogen und Mord in Island

Einar ist die Hauptifigur in Árni Thórarinssons Kriminalroman „Ein Herz so kalt“. In einem leerstehenden Haus findet der isländische Reporter ein totes Mädchen mit aufgeschnittenen Pulsadern und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln…

So schön ist es im Norden Islands – aber auch da gibt es Mörder.

Reporter Einar, der bereits aus vorherigen Romanen bekannt ist, lebt und arbeitet in der kleinen Stadt Akureyri im Norden Islands. Diesmal bekommt es der Journalist mit einer geheimnisvollen Anruferin zu tun, die seine Aufmerksamkeit auf ein altes, verlassenes Haus lenkt, in dem es ihrer Meinung nach spukt. Als Einar dem Hinweis folgt, findet er jedoch statt Geistern ein nacktes, totes Mädchen in einer Badewanne.

Von nun an beschäftigt sich der Reporter näher mit dem leeren Haus, das außerdem von einer Filmgesellschaft als Kulisse benutzt werden soll. Gleichzeitig bekommt er Besuch von seiner Tochter und ihrem Freund, die sich bald etwas Geld dazu verdienen wollen und sich deshalb bei den Filmvorbereitungen engagieren. Doch sie ahnen nicht, in welche Gefahr sie sich dabei begeben …

Welche Geheimnisse stecken hinter der düsteren Fassade des alten Hauses und wer ist die geheimnisvolle Anruferin? Seine Recherchen führen Einar in eine Entzugsklinik, in der sich das Opfer einige Zeit lang aufgehalten hat.

Buchcover zu „Ein Herz so kalt“

Spät erfüllte Erwartungen

Gleich zu Beginn des Romans befindet sich Einar in dem leeren Haus und der Leser erwartet, dass der er jeden Moment über die Leiche stolpert. Aber die aufregende Einleitung hält leider nicht, was sie verspricht. Die Tote taucht erst 100 Seiten später auf, der Spannungsbogen entsteht nur behäbig. Dadurch konnte mich die Handlung bis zum Ende hin nicht mehr so recht fesseln. Durch die abrupten Absätze und Ortsprünge läuft ein unkonzentrierter Leser außerdem leicht Gefahr, den Faden zu verlieren.

Spannung entsteht zwar, wenn Einar verdeckt in der Entzugsklinik ermittelt, wo sich ein Mörder versteckt hält. Allerdings hätte der Autor dabei ruhig noch etwas mehr Action einbauen können. Auch hier ist die Hauptfigur zu keiner Zeit wirklich ernsthaft in Gefahr, denn der Leser erfährt erst hinterher, wer für den Mord verantwortlich ist.

Themen der isländischen Gesellschaft

Trotzdem muss man dem Roman einige positive Aspekte zugestehen. Dem Autor geht es offensichtlich nicht nur um die reine Kriminalgeschichte, sondern auch darum, die isländische Gesellschaft darzustellen – Themen sind Starkult, die Medienlandschaft, Drogen- und Alkoholmissbrauch. Leider bleiben diese Aspekte allerdings zu sehr an der Oberfläche.

Fazit

Schade, der Stoff hätte mehr hergeben können – hier gilt: nordischer Autor heißt nicht immer gleich guter Krimi; es gibt sicherlich bessere Romane von Árni Thórarinsson.

(MTS, academicworld-userin)

Árni Thórarinsson. Ein Herz so kalt.
19,99 Euro. Droemer Verlag


Stand: Dezember 2011

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