Mars-Spektakel

Gemeinhin heißt es ja: Frauen sind von der Venus, Männer vom Mars. Bei „John Carter“ ist die Frau es, die vom Mars stammt. Wobei der natürlich nicht Mars heißt sondern Barssoom. Ab 19. Juli gibt es Disneys größten Kinoflop seit Jahren auf Blu-ray und DVD. Und: so schlecht ist er gar nicht.

Rezension "John Carter"
John Carter hat auf dem Mars fast schon Superkräfte. © Walt Disney Studios Home Entertainment Germany

Kampf und Elend, Teil 1

Als der junge John Carter (Taylor Kitsch) zum Dienst im Bürgerkrieg eingezogen wird, hat er ein Zuhause, eine Frau und eine kleine Tochter, die er sehr liebt, Ideale und Überzeugungen, die ihn leiten. Als er aus dem Krieg zurückkehrt hat er nichts mehr. Nur eines weiß er genau: Er will nie wieder kämpfen! Schnell kommt der verzweifelte Glücksritter mit dem Gesetz in Konflikt. Auf der Flucht landet er durch den Kontakt mit einem seltsamen Medaillon urplötzlich in einer anderen Welt. 

Dass es eine solche ist, wird ihm nicht erst durch den Kontakt mit den in fremden Zungen sprechenden vierarmigen grünen Tharks klar. Sehr unterhaltsam sind Carters Anfangsschwierigkeiten mit der offensichtlich abweichenden Schwerkraft. Ständig hüpft er, auch wenn er es gar nicht will – diese Fähigkeit, die aus unerfindlichen Gründen die menschenähnlichen Marsbewohner nicht aufweisen, wird ihm noch von großem Nutzen sein.

Kampf und Elend, Teil 2

Auf dem Mars, den die Einheimischen Barsoom nennen, geht es nämlich gleich kämpferisch weiter. Seit Ewigkeiten herrscht Bürgerkrieg. Im Moment steht Zodanga mit seinem Herrscher Sab Than (Dominic West) kurz vor dem endgültigen Sieg über Helium unter Jeddak (so heißt hier der König) Tardos Mors (Ciarán Hinds). Als Gegenleistung für die Hand von dessen Tochter Dejah Thoris (Lynn Collins) bietet er dem Volk von Helium Schonung an. Die junge Prinzessin und Wissenschaftlerin wähnt sich aber kurz vor dem Durchbruch ihrer Forschungen und damit nahe daran den Spieß umzudrehen. Kein Wunder, dass sie den Heiratsantrag nicht annehmen will. Kurzentschlossen flieht sie mit einem Luftschiff, das prompt direkt über der Tharks-Siedlung, in der man John Carter versklaven will, von Sab und seinen Truppen abgeschossen wird. So landet John wieder einmal ungewollt mitten im Kampfgetümmel. Spontan angetan von der hübschen Prinzessin hilft er dieser sich zu verteidigen.

Rezension "John Carter"
Kantos Kan (James Purefoy, oben) hilft mit, damit John und Dejah ihr Happy End bekommen. Ob es hilft? © Walt Disney Studios Home Entertainment Germany

Gemeinsam mit der Thark Sola (Samantha Morton) und dem hundeähnlichen Geschöpf Woola, das John zu seinem neuen Herrchen erkoren hat um ihm überallhin folgt machen sich die beiden auf zu einer abenteuerlichen Odyssee durch eine fremde Welt. Dabei kommen sie einigen Geheimnissen auf die Spur. Als Dejah aber von Sab und seinen Mannen gefangen genommen wird um sie zur Heirat zu zwingen, muss John Carter zusammen mit den Tharks um Tars Tarkas (Willem Dafoe) über sich selbst hinauswachsen um Barsoom zu retten. Ohne zu wissen, ob er jemals zur Erde zurückkehren kann – oder ob er das überhaupt will. Hier, fern seines alten Lebens, findet der ehemalige Offizier endlich zu sich selbst und seiner Menschlichkeit zurück. 

Qualitäten und Budgetwahnsinn

Wer sich die Tarzan oder auch die zugrunde liegende Geschichte von „John Carter“ ansieht, der wird von einer Verfilmung des Werks von Edgar Rice Burroughs nichts anderes erwarten als lustvollen Trash auf höchstem Niveau – und genau den liefert Andrew Stanton. Eine Geschichte voller Abenteuer, Kampf und fremder Welten, die auf ihre Weise eigentlich ganz gut funktioniert und durchaus zu unterhalten weis. 

Warum Sie trotzdem an den Kinokassen floppte? Nun, zum einen dürfte das Budget für diese Art von Film einfach zu groß gewesen sein, um es locker wieder einzuspielen. Dann ist die Grundgeschichte schon etwas verwirrend, angesichts der Tatsache, dass es sich bei „John Carter“ zwar um einen bedeutenden popkulturellen Einfluss, nicht aber um eine weithin bekannte Figur handelt. Auch die gedoppelte Rahmenhandlung mit Carters Neffen sorgt mehr für zusätzliche Verwirrung beim Zuschauer als für erhellende Momente. Dafür überzeugen Setting und Ausstattung durchweg. Hier sieht man in jedem Bild, wieviel Herzblut in den Film geflossen wurde. Nicht einmal die Special Effects sind zu aufdringlich. 

Rezension "John Carter"

Mit Taylor Kitsch ein noch unverbrauchtes Gesicht für die Hauptrolle zu wählen mag an sich eine gute Idee sein. Doch leider bleibt dessen Spiel meist eher blaß. Was andererseits vielleicht aber auch nur am Kontrast zu den meist  mit Charakterköpfen gut besetzen Nebenrollen steht. So ist es schön zu sehen wie sich die ehemaligen Römer (Cäsar und Mark Anton aus der Serie „Rom“) Ciarán Hinds und James Purefoy begeistert wieder in die Rüstung und ins Kampfgetümmel schmeißen. Auch Mark Strong zeigt einmal mehr, dass es aktuell weniger überzeugende psychopathische Fieslinge gibt als ihn. Vielleicht kein Film, den man immer wieder sehen will, aber Popcornkino mit Spaßfaktor auf jeden Fall. Eindlich wieder Schwerter statt Hightech-Waffen im intergalaktischen Einsatz – wenn das nichts ist!

Gisela Stummer (academicworld.net)

John Carter. Zwischen zwei Welten

Regie: Andrew Stanton
Darsteller: Taylor Kitsch, Lynn Collins, Willem Dafoe, Mark Strong, Samantha Morton, Ciarán Hinds 

Im Verleih von Walt Disney Studios Home Entertainment Germany 

  

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