Marina, Marina, Marina … (Carlos Ruiz Zafón)

Oscar schwebt auf Wolke Sieben, als er die hübsche Marina kennen lernt. Doch das Mädchen umgibt ein trauriges Geheimnis. Und damit nicht genug: Die beiden Teenager geraten in einen Strudel voller schrecklicher Ereignisse, die sie einander immer näher bringen.

 

 

Düstere Geheimnisse der Vergangenheit und eine große Liebe

Oscar Drai ist ein junger Mann und der Erzähler in Carlos Ruiz Zafóns Roman „Marina“. Ganz spannend beginnt er seine Geschichte, indem er von einem Geheimnis spricht, das er dem Leser rückblickend erzählen will. Der junge Internatsschüler zieht am liebsten durch die Viertel Barcelonas, wo er eines Tages die faszinierende Marina, ein hübsches junges Mädchen, kennen lernt und sich in sie verliebt.
Marina lebt mit ihrem Vater, mit dem sie ein sehr inniges Verhältnis verbindet, allein in einem Haus. Langsam freunden sich die beiden Teenager an und Oscar verbringt bald sehr viel Zeit im Haus seiner neuen Freunde.

Während er versucht, der etwas distanzierten Marina näher zu kommen, geraten die beiden gleichzeitig in einen Strudel von schrecklichen Geschehnissen rund um das dunkle Geheimnis eines ehemals sehr reichen Mannes aus Barcelona. Dieser hatte einst eine wunderschöne, viel bewunderte Schauspielerin geheiratet, die noch am Tage der Hochzeit einem Giftanschlag zum Opfer fiel und dadurch entsetzlich entstellt wurde. Trauer, Wut und Schmerz, aber auch eine tödliche Krankheit treiben den Mann schließlich dazu, alle Mittel und Wege in Kauf zu nehmen, um seiner geliebten Frau und schließlich auch sich selbst zu helfen. Doch wie so oft, ist es der Größenwahn, der dem Menschen droht und damit auch die totale Zerstörung, wenn es darum geht, den Tod zu überlisten. Marina und Oscar kommen dem Geheimnis des Mannes immer weiter auf die Spur und begeben sich dabei in tödliche Gefahr.
Doch dies ist nicht das einzige Geheimnis, das Oscar beschäftigt. Auch Marina umgibt eine düstere Wahrheit, die er erst langsam erfährt und die ihn am Ende schneller erwachsen werden lässt, als gewollt.

Wie im Horrorfilm

Wie schon in früheren Romanen, beschwört Carlos Ruiz Zafón auch in „Marina“ ein düsteres, geheimnisvolles Barcelona herauf, lässt gespenstische, dämonische Gestalten auftreten und verbindet diese Kombination mit der Geschichte einer innigen Liebe zwischen zwei jungen Menschen.
Leider ist die Erzählung an manchen Stellen viel zu übertrieben und zu überfüllt mit Symbolen, die verhindern, dass sich Spannung aufbaut. Die grusligen Stellen erinnern eher an einen mittelklassigen Horrorfilm, wenn sich beispielsweise Marionetten selbstständig machen und den Helden der Geschichte scheinbar grundlos attackieren. Auch sonst greift Zafón bei seinen Schilderungen gerne auf das komplette Inventar des Horrorfilmgenre zurück, was der Leserfreundlichkeit allerdings nicht immer zuträglich ist und an vielen Stellen einfach zu überladen und unwirklich ist. Gerade das Ende erinnert stark an Kenneth Branaghs Verfilmung von Mary Shelleys Frankenstein. Eine Identifizierung des Lesers mit den Helden der Geschichte ist somit leider nicht möglich. Zudem fehlt dem Buch leider auch ein befriedigendes Ende, das man als Leser nach der ganzen schrecklichen Geschichte eigentlich erwartet hätte.

Fazit: Durch die vielen Gruselelemente und Symbole, leidet die Spannung in dem Roman. Wer allerdings Horrorszenarien, finstere Geheimnisse und wandelnde Tote in der Kanalisation von Barcelona mag, der kommt hier voll auf seine Kosten.

 

352 Seiten
Verlag: Fischer (S.), 2. Auflage April 2011

19,95 Euro

 

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