MANIFEST DER REIFEN CHARAKTÄRE – 15 Thesen statt 1500 Seiten narzisstischer Schwachsinn

Liebe Leser, mit folgendem Manifest möchte ich mich bis September in den Urlaub verabschieden. Mein Hirn braucht Pause. Liebe Grüße und bis bald an dieser Stelle. Ich werde es Euch dann wissen lassen.

© Privat

1.) Ich akzeptiere in meinem Selbstverständnis, dass ich ein endlicher Mensch auf einer kleinen blauen Kugel in einem riesigen Universum bin. Nichts, was ich tue oder denke, kann dies ändern und die Welt aus ihren Angeln heben.

2.) Wenn es den lieben Gott gibt, hat er eine tolle Möglichkeit gefunden sich aus allem raus zu halten.

3.) Ich übernehme für mich und meine Handlungen Eigenverantwortung. Ich versuche aus meinen kulturellen und familiären Prägungen heraus zu einem freieren und selbstentschiedeneren Lebenswandel zu gelangen mit einem gesunden Selbstwertgefühl. Das reicht mir vollkommen als Lebenssinn.

4.) Ich lehne jedwede Verschwörungstheorie ab.

5.) Ich beurteile alle anderen Menschen, egal welcher Kultur, Religion, Rasse oder Körperdimension sie angehören, unabhängig von ihrem Geschlecht und Alter, nach ihrem Handeln und nicht nach meinen Vorurteilen (die ich wohl nie ganz ablegen kann). Ist ihr Handeln selbstsüchtig, rücksichtslos und/oder größenwahnsinnig, habe ich ein Recht dagegen einzuschreiten.

6.) Ich nehme mich nicht zu wenig und auch nicht zu viel wichtig. Ich erwarte nicht, dass andere meine Probleme lösen und mir ein schönes Leben bereiten, ich spiele mich aber auch nicht zum Retter meiner Mitmenschen auf. Ich versuche mich und meine Mitmenschen nicht zu sehr mit meinen emotionalen Verwirrungen zu belasten und schütze mich selbst vor denen der anderen.

7.) Ich hinterfrage bei jedem Konflikt mit anderen, was mein Anteil an dem Problem ist und versuche die Sichtweise des Anderen zu verstehen (Objektivierung). Wir alle erhoffen uns (teilweise auch durch ein auf den ersten Blick unlogisches Verhalten) einen Vorteil für uns selbst. Denn wir sind Menschen: Das sollten wir nie vergessen.

8.) Ich missbrauche meine Mitmenschen nicht dafür mir Erleichterung für meine psychischen Spannungen zu verschaffen oder mein Selbstwert zu heben.

9.) Wenn ich anderen Leid zufügen muss (weil ich meine Grenzen verteidige, weil ich ihnen dadurch helfe zum Beispiel bei einer Operation, weil es einen unumgänglichen Veränderungsprozess gibt, bringe ich Mitgefühl für dieses Leid der Anderen auf und verhalte mich danach.

10.) Ich füge niemals anderen Leid zu, nur weil ich meine schlechten Gefühle an ihnen auslassen möchte und nicht dafür haftbar gemacht werden kann (Eigenreferenz der Moral).

11.) Ich lüge nicht (und schon gar nicht wiederholt) aus Angst vor der Wahrheit.

12.) Ich erziehe meine Kinder zu eigenständigen, gesunden Menschen und missbrauche sie nicht als meine Seelenstütze oder als Selbstverwirklichungsmaterial.

13.) Ich nehme materielle Dinge als das, was sie sind: Materie, die mit unseren Bewertungen befrachtet wird (denn 200 PS, braune Handtaschen oder linksdrehende Fischeier braucht niemand um zu leben.)

14.) Ich akzeptiere die ewige Veränderung und finde darin mein eigenes Tempo.

15.) Ich akzeptiere den Tod und mein letztliches Unvermögen das Große und Ganze und seinen Sinn zu verstehen. Denn nur der Mensch fragt nach dem Sinn, nur er wertet. Seine soziale Natur verlangt danach. Doch seine Angst vor dem Tod und seiner letztendlichen Bedeutungslosigkeit können ihm und allen anderen auf vielfältige Weise das Leben kosten.

Katharina Ohana moderiert als Psychologin und Philosophin für verschiedene Fernsehsendungen. Ihr Buch „Gestatten: Ich – Die Entdeckung des Selbstbewusstseins“ ist beim Gütersloher Verlagshaus erschienen und erklärt die Entstehung unserer Persönlichkeit und unserer Probleme – und wie wir sie loswerden können.

Mehr von ihr gibt es auf  KatharinaOhana.de


Stand: August 2011

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