„Manche Mädchen müssen sterben“

Jessica Warman geht unter die Haut. Ihr gelingt es spielend den Spagat aus spannender Unterhaltung und anspruchsvoller All-Age-Literatur zu meistern.

Spannender Auftakt

Tschumb, Tschumb, Tschumb?ein gruseliges Geräusch mitten in der Nacht, auf einem Boot, auf dem alle schlafen ? alle bis auf Elizabeth. Schon der Einstieg in „Manche Mädchen müssen sterben“ ist absolut fesselnd, die Anspannung die Elizabeth, von allen Liz genannt, verspürt, springt sofort auf den Leser über und man wird hineingezogen in die Dunkelheit, die das junge Mädchen auf der Yacht umgibt.

Träum ich oder wach‘ ich?

Beunruhigt von dem Geräusch verlässt die 18-jährige ihre schlafenden Freunde und begibt sich nach draußen. Und dort muss sie auch nicht lange nach der Ursache suchen. Im Wasser hinter dem Boot treibt ein lebloser Frauenkörper – es ist Liz. Sie blickt auf ihre eigene Leiche hinab und hält dies alles zunächst für einen Traum, für einen sehr bösen Traum. Doch spätestens als sie auf Alex trifft, einen Jungen auf ihrer Stadt, der bereits seit einem Jahr tot ist, muss sie glauben, was sie dort sieht. Aber warum ist sie noch da? Was ist in der Nacht passiert? Und wieso ist Alex bei ihr, mit dem sie zu Lebzeiten nie etwas zu tun hatte?

Reise in die Vergangenheit

Die verstörte Liz kann sich an kaum etwas aus ihrem Leben erinnern und so beginnt sie, mit Alex‘ Hilfe, in die Vergangenheit zu reisen. Sie betrachtet als Außenstehende Situationen aus ihrem Leben und interpretiert diese nun völlig anders. Und auch was nach ihrem Tod passiert, wie sich ihre Familie und ihre Freunde verhalten, erlebt sie als Geist mit, auch wenn sie selbst keinen Einfluss mehr hat. Nach und nach setzen sich ihre Erinnerungen zusammen, doch wird sich das Puzzel komplett schließen?

Persönliche Note

Liz fungiert als Ich-Erzähler, was die ganze Geschichte sehr persönlich macht. Anfangs fand ich die junge Frau jedoch nicht sonderlich sympathisch. Sie war sehr oberflächlich und gemein zu der einzigen „Person“, die ihr in der Situation beistand. Doch je mehr sie sich erinnert und noch einmal erlebt, was in ihrem früheren Leben passiert ist, umso weicher und emotionaler wird Liz. Sie fängt an, über ihr Leben nachzudenken und sieht ein, dass vielleicht doch nicht alles Gold ist, was glänzt. Ihre Arroganz weicht einer angenehmen Menschlichkeit und es fiel mir dann auch viel leichter ihre Gedanken und Gefühle nachzuvollziehen.

Bei Alex war das etwas anders, er war mir sofort sympathisch, weil er stets sagt, was er denkt und kein Blatt vor den Mund nimmt. Zwar hatte er in seinem lebendigen Dasein nicht viel zu melden, aber das muss ja nach dem Tod nicht so bleiben. Er weist die etwas eingebildete Liz hart in die Schranken – ein Dämpfer den sie nötig hatte.

Überraschende Wendungen

Für den Leser ist alles, was die Protagonistin erlebt, genauso überraschend wie für sie selbst. Von einem Moment auf den anderen taucht sie in eine Erinnerung ein und man fragt sich, was wohl als nächstes passiert. Durch die daraus entstehenden Orts- und Zeitwechsel bleibt das Buch sehr lebendig und spannend. Man ahnt nicht, was wohl gleich geschehen wird oder welche Erlebnisse noch bevorstehen. Außerdem gibt es immer wieder spannende Wendungen, während sich die Puzzelteile nicht nur bei Liz, sondern auch beim Leser, beginnen zusammenzufügen.

Gedankenanstoß

Mich hat das Buch auch sehr zum Nachdenken bewegt. Gibt es ein Leben nach dem Tod und wenn ja, wie sieht es dann aus? Ist es einem möglich als Geist in der Gegenwart zu bleiben, um letzte Dinge zu erledigen oder zumindest zu wissen, dass sie von anderen zu Ende gebracht werden? Wo liegt der Sinn des Lebens ? meines Lebens? Und es zeigt auch, dass der Tod vor niemandem Halt macht, egal wie alt man ist. Man sollte wirklich jeden Tag genießen und auch den Menschen, die einem wichtig sind, viel öfter sagen, wie lieb man sie hat, schließlich weiß man nie, wie viel Gelegenheiten einem dazu noch bleiben.

Fazit: „Manche Mädchen müssen sterben“ war für mich ein sehr ergreifender Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite absolut fasziniert hat und den ich jedem empfehlen würde.

Dana Puhlmann (academicworld-Userin)

Jessica Warman. Manche Mädchen müssen sterben
14,99 Euro. Penhaligon Verlag

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