Männlich, 40, attraktiv und tot sucht…

…Täter! Ein Toter wird quasi nackt in einer Gumpe beim Schliersee gefunden, um den Pullermann ein blondes Haar gewickelt und zwischen den Pobacken eine verdächtig aussehende Einstichstelle – War hier eine grausame Sexmörderin am Werk?
Rezension zu „Gefährliches Gelände“ von Rosemarie Bus

Männlich, 40, attraktiv und tot sucht...

Der Roman wird aus Sicht zweier Perspektivcharaktere erzählt. Die eine ist die der offiziell Zuständigen. Josefa Lautenschlager hat es als Kriminalpolizistin zwischen lauter Männern nicht gerade leicht: Die einen bevatern sie, die anderen fürchten sie – ein wirklich wertvoller Kollegen auf Augenhöhe scheint ihr einfach nicht vergönnt zu sein. Da kommt es „Joe“ gar nicht gelegen, dass sich der vermaledeite Fall um den Toten in den Josefstaler Wasserfällen so hartnäckig vor der Lösung sträubt.

Hübscher Mann, der Tote

Eindeutig hat die hübsche Leiche Verbindungen in die ortsansässige Milliardärsfamilie, den Hochstettens, gepflegt, welcher Art genau aber bleibt schleierhaft. Die Oberschicht ist erwartungsgemäß unbegeistert von einer hartnäckigen und zeitweise etwas barschen Ermittlerin, die das gewisse etwas an Ehrgeiz zu viel hat, das es braucht, um in einer Männerdomäne zu bestehen. Sogar das Innenministerium pfuscht ihr in die Arbeit rein. Dass ihr Mann arbeitslos ist und sie zwei kleine Kinder daheim hat macht die Sache nicht unbedingt einfacher.

Strafe zahlen oder Wahrheit sagen?

Stella dagegen, die die zweite Erzählperspektive liefert, sitzt mitten drin im Beziehungsgeflecht der Hochstettens: Sie ist Gesellschafterin des alten Familienoberhauptes, beschäftigt ihn und schreibt nebenbei seine Biographie. Wenn man den ganzen Tag auf dem Anwesen verbringt, bekommt man einiges mit. Langsam schließt die Tochter des Hauses, Brigitte Hochstetten, Stella ins Herz und vertraut ihr einiges an. Das kann sie auch, denn jeder Angestellte muss eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Aber gilt die auch, wenn es darum geht einen Mord aufzuklären?

Fazit

Der Kriminalroman ist nett zu lesen, teilweise schön derb und humorvoll geschrieben und vereint Glanz und Glamour der geldigen Glitzerwelt mit bodenständiger Polizeiarbeit. Auch die Thematiken „Kunstraub“, „Beziehungskisten unter Angestellten reicher Menschen“, sowie „Sex obwohl man Kinder hat“ werden bedient. Sogar, und das ist lobenswert, die Willkür der Berichterstattung „bildender“ Medien und der gleichzeitige Reiz, den diese Maschinerie der Aufmerksamkeit auswirkt werden thematisiert. Da sind oft vorhersehbare Entwicklungen dabei, die aber so beiläufig beschrieben werden, dass der Leser sie mit einem Achselzucken in Kauf nimmt und sich wieder den Ermittlungsfragen zuwendet. Leider sind manche Figuren ziemliche nah an den Gut-und-Böse-Stereotypen à la Daily Soaps wie verbotene Liebe und Reich und Schön. Den Unterhaltungsfaktor tut dies zwar keinen Abbruch, aber der Spannung zeitweise schon. Insgesamt ein kurzweiliger Krimi, der besonders, wenn man sich in der Gegend um den Schliersee auskennt Spaß macht.

Miri Köbner (academicworld.net)

Rosemarie Bus: Gefährliches Gelände.
9,99 Euro, Deutscher Taschenbuch Verlag

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