Männer mit Mission: Die „Killer Elite“

Der SAS (Special Air Service) ist eine Spezialeinheit der British Army. Unter dem Motto „Who Dares Wins“ hat er sich schon überall auf der Welt herumgetrieben, in den 1970er Jahren auch total inoffiziell und absolut geheim im Oman. Um die blutigen Folgen jener militärischen Einmischung sowie die darin verwickelten ‚Feather Men‘ rankt sich die angeblich auf Wahrheit beruhende Story von „Killer Elite“, ab 27.10. im Kino.

Filmplakat zu ‚Killer Elite‘ © Concorde Film

Anlegen…
Seit einem traumatisierenden Job in Mexiko hat Special Agent Danny (Jason Statham) dem Töten abgeschworen und sich in die australische Einsamkeit verkrochen. Als jedoch sein ehemaliger Mentor und Freund Hunter (Robert De Niro) von einem omanischen Scheich entführt wird, kehrt Danny ein letztes Mal ins unbarmherzige Killer-Geschäft zurück.

Im Austausch für Hunters Leben soll er die drei vor Jahren gefallenen Söhne des todkranken Scheichs rächen. Weil jene allerdings von SAS-Soldaten im Laufe des Oman-Krieges umgebracht wurden, ist Danny bald ein gewisser Spike (Clive Owen) auf den Fersen, Exekutor der ’Feather Men’. Diese ’secret society’ aus Ex-SAS-Offizieren will mit brutalen Mitteln das Leben ihrer Leute schützen.

Mitten in der gesellschaftlichen Grauzone, wo Politik auf persönliche Motive trifft und falsch verstandener Patriotismus auf Söldnermentalität, ist die Geschichte angesiedelt. Inspiriert wurde sie von dem umstrittenen Buch „The Feather Men“ (1991), in dem der britische Forscher, ehemalige SAS-Mann und Autor Ranulph Fiennes konspirative Vorgänge beim SAS aufdeckte. Er verbürgte sich für die beschriebenen Ereignisse, konnte aber wegen der in diesem Fall immer noch währenden militärischen Geheimhaltung viele Fakten nicht verifizieren. Für einen bleigesättigten Actionthriller mit Spionage Hintergrund braucht es dergleichen freilich auch nicht. Jenseits von historischer Genauigkeit herrschen hier eher die Prinzipien der Kinetik, und Regisseur Gary McKendry zelebriert sie ausgiebig in seinem Langfilm-Debüt.

Zielen …
Bereits die Eröffnungssequenz markiert das Territorium. Eben haben sich Danny und Hunter noch launig über exotische Kost ausgetauscht, schon führen sie einen brandgefährlichen Anschlag aus, bei dem einer für den anderen einsteht. Da sind sie, die entschlossenen Profis, gerissen, erfahren, unerschrocken und ein bisschen ehrenhaft-loyal, wenn es um die Sicherheit des Kumpels geht.

Ansonsten wird sich nicht sonderlich um Moral geschert, Gewalt ist die Antwort auf alles. Einzig die stärker werdenden Skrupel von Danny verhindern manche Leiche, die dann von seinen rigoroseren Mitstreitern Davies (Dominic Purcell) und Meier (Aden Young) gelegentlich nachgereicht wird.
Immerhin gilt es Auftragsmorde an britischen SAS-Angehörigen auszuführen, und zwar in dreifacher Ausfertigung. Das gibt dem Drehbuchautor Matt Sherring, der generell auf übertriebene Gut-Böse-Pointierung verzichtet, einerseits die Gelegenheit, unterschiedliche Spannungsszenarien zu entwerfen, hat aber andererseits einen retardierenden Effekt.

Mehrmals kehrt die Handlung zum Ausgangspunkt zurück, scheint in einer Endlosschleife aus Mord und Rache gefangen. Gary McKendry allerdings macht das Beste aus der überlangen Story, setzt in seiner patenten Inszenierung auf kraftvolle, nicht mit zuckender Rasanz zu verwechselnde Dynamik, auf physische Bewegung als treibende Kraft aller Action sowie auf packend choreographierte Kampfszenen. Zugute kommt ihm, dass er mit Jason Statham zwar keinen Mimikvirtuosen, jedoch körperlich konzentrierten Darsteller hat, der raffinierte Artistiktricks vorführen kann. Sogar festgebunden auf einem Stuhl agiert er geschickter als andere im freien Raum.

Abdrücken …
Auch wenn die Hauptfigur erheblich zwiespältig wirkt, geht von solchen Charakteren eine gewisse Faszination aus. Während die Regierung sich in miese Kriege und die Army in noch tückischere Verschwörungen verstrickt, bleiben sämtliche Ideale auf der Strecke.

An ihre Stelle tritt das Draufgängertum von wenigen Einzelgängern, die sich ihr privates Schicksal ohne offizielle Legitimation von außen bzw. oben erstreiten. Und sei es, um einen Freund zu retten. In Charakteren wie Danny triumphiert ein dominanter Individualismus, der im undurchdringlichen Schattenreich politischer Interessen schon verloren gegangen schien und der mit Hilfe von Aktionismus der Lethargie begegnet. Eine mythische Überhöhung wird ihm verwehrt, Respekt jedoch gezollt.

Nebenbei bemerkt: Frauen gibt es in diesem reinen Männerkosmos des Actionkinos natürlich keine. Die letzte (Yvonne Strahovski) wurde in Australien gesichtet, wo sie sich spontan in Danny verliebt hat. Daraufhin ereilte sie das klassische Damen-Filmschicksal: Banges Warten auf den Geliebten!

Die „Killer Elite“ treibt sich ab 27. Oktober herum © Concorde Film

Treffen!
Obwohl „Killer Elite“ weder als besonders origineller historischer Kommentar noch dramaturgisch vollends überzeugt, hinterläßt er im gegenwärtigen Kinoumfeld aus Superhelden- und Event-Movies einen beachtlichen Eindruck. Im besten Sinne ist er ?Old School?, und zwar nicht nur wegen der authentisch erscheinenden Schauplätze und der robusten Action.

Vielmehr spielt der Film zu Beginn der 1980er Jahre, als Style noch nicht alles und schwarze Lederjacketts der Gipfel an Coolness waren. Im Prä-Digitalzeitalter wirkt das schmutzige Agentenbusiness irgendwie noch handgemacht, selbst das Töten elementarer, nur das Sterben bleibt blutig wie eh und je.

Umso erfrischender ist der bewußt zum Antiklimax abgeschwächte Showdown in der omanischen Wüste. Selbst ohne weiteren Shootout kann man sich offenbar einen lässigen Abgang verschaffen und in die aufgehende Sonne… nein, doch nicht: dafür in den aufwirbelnden Sand fahren. Mission erfüllt.


(von Nathalie Mispagel, Kinoexpertin auf academicworld.net)

Killer Elite

Regie: Gary McKendry
Darsteller: Jason Statham, Clive Owen, Robert De Niro
Kinostart: 27. Oktober 2011

im Verleih der Concorde Film


Stand: Herbst 2011

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