Loeser contra Omnes

„Nicht jeder kann es bis ganz nach oben schaffen. Unten muss es auch Menschen geben.“ (S.37)
Egon Loeser ist einer dieser Menschen. Wie so ein skurriles Leben aussieht, lest ihr in „Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung von Ort zu Ort“.

Egon Loeser erlebt eine Enttäuschung nach der anderen und befindet sich in einer unendlich erscheinenden Abwärtsspirale. Nicht einmal der größte Außenseiter in seinem Bekanntenkreis hat Zeit für ihn. Die Frau, die er begehrt, interessiert sich nicht für ihn und überhaupt scheint ihm „die Errichtung eines weltweiten marxistischen Arbeiterparadieses ein maßvolles und erreichbares Ziel im Vergleich zu der geradezu lächerlich optimistischen Vision einer Welt, in der er, Egon Loeser, ab und zu tatsächlich in die Nähe einer nicht-käuflichen Vulva kommt.“ (S.25)

Es ist schwer zu sagen, um was es in „Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort“ tatsächlich geht. Wer sich auf eine Science-Fiction-Story freut, wird maßlos enttäuscht sein. Wer Romantik sucht, ist ebenfalls fehl am Platz. Am ehesten könnten wohl diejenigen auf ihre Kosten kommen, die einen recht abstrakten Sinn für Humor haben, doch selbst der taucht im Buch leider nur gelegentlich auf.

Ein unsympathischer, selbstsüchtiger Protagonist auf kurioser Reise

Über 400 Seiten lang begleitet der Leser den extrem selbstbezogenen Egon Loeser, dessen Leben sich zum großen Teil um den Sex dreht, den er nicht hat. Während er in den 1930er Jahren eigentlich an einer „Teleportationvorrichtung“ für das Theater arbeitet, verlässt er schon bald Berlin, um seine Angebetete obsessiv zu verfolgen.

Auf seiner Reise begegnen ihm nicht nur immer wieder alte Bekannte aus Berlin, sondern auch neue, teils recht außergewöhnliche und skurrile Charaktere wie beispielsweise ein Mann, der Bilder nicht von der Realität unterscheiden kann und daher mit der bloßen Abbildung eines Gorillas ringt.

Doch noch kurioser als so manch eine Person, sind die Situationen, in die Loeser unmittelbar verwickelt ist. So geht es unter anderem um altershemmende Affentestikel, die in einer aufwendigen Operation an die Frau gebracht werden sollen oder um einen spukenden Hausgeist, der nicht nur Gegenstände auftauchen, sondern sie auch völlig wahllos wieder verschwinden lässt.

Sprachlich gelungen, doch inhaltlich zäh und langweilig

„Nüchtern hätte das Loeser nur peripher tangiert, aber zwei Flaschen schlechten Rotweins hatten ihn in das emotionale Pendant zu einem jener seltsamen peruanischen Frösche verwandelt, deren Haut so durchscheinend ist, dass man ihre schreckhaften kleinen Herzen sieht.“ (S.22)

„[…] die Renovierungsarbeiten waren erst halb abgeschlossen, sodass einem die Farbflocken und Staubmäuse, Fäden und Polsterfussel, Spinnenweben und Splitter nach ein paar Stunden hinter der Bühne so dicht in Haaren und Kleidern hingen, dass man sich vorkam wie ein in Paniermehl gewendetes Kalbskotelett.“ (S.14)

Während der Roman sich sprachlich auf einem recht hohen Niveau befindet und durch Wortspiele, geschickte Formulierungen und einen insgesamt gelungenen Aufbau besticht, wirken sowohl Inhalt als auch Charaktere mehr schlecht als recht gestaltet. Ist der Anfang der Geschichte noch überraschend anders und stellenweise lustig, zieht sich der Rest des Buches unbeschreiblich langatmig dahin. Endlos scheinendes Geschwafel und zahlreiche leere Phrasen, zwischendrin ab und an eine nette Anekdote, doch insgesamt bleibt nur das Gefühl, das im Grunde nichts geschieht. Hierdurch wird auch der an sich gute Schreibstil schnell ermüdend, bis man sich irgendwann nur noch durch das Buch kämpft, in der Hoffnung doch noch auf einen roten Faden, auf eine durchgehende Geschichte, auf Spannung, mehr Witz oder verdammt nochmal endlich auf einen einzigen sympathischen Charakter zu stoßen. Vergebens. Das direkte Ende ist interessant, kann aber nicht über die gähnende Leere zuvor hinwegtäuschen.

Was hängenbleibt, ist einzig das Gefühl, seine Zeit mit einem Buch verschwendet zu haben, das einem abgesehen von drei amüsanten Kurzgeschichten nichts außer Langeweile gebracht hat.

Jennifer Wunsch (academicworld.net)-userin

Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung von Ort zu Ort. Ned Beauman.
19,99 Euro. DuMont.

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