Liebesleben: Traum oder Realität?

Die Farbe Magenta findet Bastien magisch. Das Leben in seiner Realität schon weniger. Was eine sagenhafte Couch damit zu tun hat, lest ihr in Stephan Kaluzas „Geh auf Magenta“.

Geh auf Magenta ist ein Titel, bei dem man sich sofort fragt, was damit gemeint ist. An dieser Stelle im Buch wird man aber auch schon ziemlich enttäuscht. Die Farbe Magenta kommt sehr selten im Inhalt vor und auch die eigentliche Bedeutung dieser Farbe ist mir bis dato nicht bewusst. Da nimmt man schon eine besondere Farbe wie Magenta als Motiv und nicht die Farbe Rot. Diese steht immerhin für die für Liebe oder in meinem Falle eher für Blut und dann wird man darüber nicht deutlich aufgeklärt. Aber dazu dient ja der Klappentext, der die Bedeutung grob klärt: „Magenta, findet Bastien, ist magisch. Die Farbe seiner Traumwelten. Die Realität hingegen ist dunkelgrau: Freundin weg, Inspiration weg – und Geld fehlt auch. Denn statt Förderanträge zu schreiben (oder gar zu malen), hat er lieber die schöne Sonia nach Thailand eingeladen. Und so einen Beziehungsreigen in Gang gesetzt, der ihn unversehens allein in seinem kalten, kargen Atelier in Berlin-Mitte zurücklässt.“

Betrachtung von außen

Das Cover weckt da doch schon eher Interesse, so meine subjektive Meinung. Es ist authentisch und gibt viel Raum für Interpretationen. Zu sehen ist einzig und allein eine Couch inmitten eines chaotischen Zimmer. Jene Couch spielt auch eine große Bedeutung im Werk selber.

Denn sie bildet den Übergang, quasi das Portal zwischen der Realität und der Traum-Welt. Spontan betrachtet ist das Buch relativ Jugendfrei gehalten, sogar ziemlich platonisch, dennoch würde ich sagen, dass es aufgrund von Verständnisfragen eher für Erwachsene gedacht ist. Welches Genre einem mit „Geh auf Magenta“ jedoch vorliegt, ist mir nach wie vor nicht ganz klar. Es scheint mir Unterhaltungsliteratur zu sein, aber damit wird man nicht so ganz überzeugt. 

Betrachtung von innen

Fängt man also nach allen oberflächlichen Betrachtungen an, das Buch zu lesen, so wird man mit einem leicht leserlichen und doch interessanten Schreibstil konfrontiert. Jener Schreibstil passt sich dem Geschehnis an und ist in meinen Augen ein eigenes Kunstwerk. Er ist chaotisch, zum Teil nur für Kunstkenner verständlich und doch im Kern einfach nur simpel. Es wird einem somit prima ermöglicht, in das Geschehnis einzutauchen und eins mit der Welt dieses Buchs zu werden.

Das Buch ist von seinem Aufbau her ebenfalls interessant. Besonders dadurch, dass sie einem das komplexe und komplizierte Wesen des Menschen offeriert. Die Gedanken die man in dem Buch aufnimmt, kann man hervorragend mit seinen eigenen vergleichen und sieht damit selber deutlich, über wie viele Ecken der Mensch doch wirklich denkt. Das ist meiner Meinung nach einfach nur genial und etwas, was nur wenige Bücher mir bisher dargeboten haben. Auch ist das Buch humorvoll gestaltet, jedoch nicht so überspitzt, wie ich es aus anderen Werken kenne. Weswegen ich es aber auch diesbezüglich nicht wirklich als Unterhaltungsliteratur ansehe, da es dafür einfach zu nebensächlich war.

Das Fazit

Das Gesamtfazit ist dennoch negativ. Der Inhalt ist größtenteils uninteressant und stückweise vorhersehbar. Es ist eine Vermischung mehrerer Schicksale, die alle zu dem Protagonisten Bastien gehören. Zum Ende hin fügen sie sich zu einer hohen Spannungskurve zusammen, doch von der eigentlichen Thematik der Inhaltsangabe ist unerwarteter Weise nur kurz etwas im Handlungsverlauf zu finden. Man wird Teil des Lebens von einem Genie, das unmittelbar dabei ist, dem Wahnsinn vollständig anheim zu verfallen. Ein Künstler, der einfach alles verliert, bei dem nichts klappt und er auf der Suche nach sich selbst, sich nahezu selbst verliert. Auch wenn ich mich mit der Situation identifizieren kann, so ist es kein Stoff, aus dem man gute Bücher schreibt. Es ist kein roter Faden ersichtlich, und generell keine wirkliche Geschichte. Die Charaktere sind zwar einerseits gut durchdacht und in ihrer Rolle klar, jedoch manchmal recht paradox gehalten. Außerdem stört es mich, auch wenn es eindeutig so gedacht wurde, dass man nicht mitbekommt, wann man sich in der Realität und wann in der Traumwelt Bastiens befindet, da jene optisch nicht gekennzeichnet sind. Das hatte das Verständnis an manchen Stellen gestört.

Meiner Meinung nach ist das Buch ein schlechtes Kunstwerk. Auf jeden Fall ein Kunstwerk, aber keines, dass es sich wegen dem Inhalt zu lesen lohnt.


Anna Görz (academicworld.net-userin)

Geh auf Magenta. Stephan Kaluza.
Frankfurter Verlagsanstalt. 19,90 Euro.

Share.