Lieben und leiden in Schweden

1880 in Stockholm. Beatrice Löwenström ist keine klassische Schönheit, zudem freiheitsliebend, aufbrausend und klug. Trotzdem oder gerade deswegen schlägt sie den reichen Spekulanten Seth Hammerstaal in ihren Bann. Doch das Schicksal und ihr Vormund sind gegen die Liaison.

Lieben und leiden in Schweden

Der Widerspenstigen Zähmung?

Als Tochter eines alleinerziehenden, weil verwitweten, Professors ist Beatrice Löwenström im ausgehenden 19. Jahrhundert unter durchaus ungewöhnlichen Umständen herangewachsen. Mit Behauptungen kann man das kluge Mädchen nicht überzeugen, sie ist an fundierte Argumente und die Diskussion mit Männern gewohnt. Dass zu ihrer Zeit Frauen zu schweigen und zu gehorchen haben lernt sie erst, als sie mit 14 zur Vollwaise wird und in den Haushalt ihres Onkels Wilhelm aufgenommen wird. Voller Verachtung für die Lebensentwürfe des Bruders und der Mutter (sie verlies Mann und Söhne um in Frankreich zu studieren) vermittelt er seinen Kinder traditionelle Werte – notfalls unter Zuhilfenahme von Androhung und Ausführung körperlicher Züchtigungen. Weil ihr die zarte und schüchterne Cousine Sophia leid tut, wird Beatrice im Hause Löwenström von Anfang an zum „Prügelknaben“. 

Mit 18 wird plötzlich alles anders. Sie bekommt hübsche Kleider, zusammen mit der ein Jahr jüngeren Schönheit Sophia und deren Bruder Edvard dürfen sie die Oper und weitere Veranstaltungen der besseren Stockholmer Gesellschaft besuchen. Auf einem kleinen Ausreißversuch um die Oper zu erkunden, lernt sie den reichen jungen Norweger Seth Hammerstaal kennen. Der hat mit Frauen bisher eigentlich nur gespielt, ist aber von der unschuldigen, lebensfrohen Beatrice spontan fasziniert. Und auch sie ist äußerst angetan von dem eloquenten Spekulanten. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege. Als er schließlich bei ihrem Onkel um ihre Hand anhalten will, erhält er allerdings eine brüske Abfuhr. Beatrice sei schon so gut wie verlobt mit dem alten Grafen von Rosenschöld. Seth fühlt sich getäuscht und geht auf Abstand, was Beatrice tief trifft. Findet sie den Grafen doch schlichtweg widerlich. Aufgrund wiederholt Erpressung ihres Onkels und hinterhältiger Einmischung des nur vordergründigen netten Cousins willigt sie schließlich in die Hochzeit ein, aber so wirklich kann sie nicht von Seth lassen … 

Wenig Zeitkolorit, viel Melodram

Setting und Hauptfigur sind von Simona Ahrnstedt eigentlich gut gewählt und glaubwürdig geschildert. Leider ist die Geschichte, die sich aus diesen Zutaten entspinnt, von keiner besonders innovativen Art. Die Überraschungen bleiben aus, die Charaktere zeigen wenig Entwicklung und das Ende kommt etwas gar plötzlich, einfach und rosarot. Dazwischen viel Melodram. „Ein ungezähmtes Mädchen“ liest sich flott durch, was für einen flüssigen Schreibstil, aber auch für eher wenig Anspruchsvolles spricht. Kann man lesen – gerade als Schwedenfan – muss man aber nicht. Eher etwas für Fans der schlichteren historischen Literatur.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Simona Ahrnstedt. Ein ungezähmtes Mädchen
19,95 Euro. Wunderlich

 

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