Leichtgläubiger Rebell gratis abzugeben

Ein Halunke! Teert und federt ihn! Diese Worte bedeuten für Starbuck, eigentlich auf dem Weg zur Priesterweihe, einen deutlichen Lebenseinschnitt: Von seiner Familie verstoßen, findet sich der Nordstaatler kurz vor dem amerikanischen Bürgerkrieg einem Mob aus Südstaatlern gegenüber. Durch Zufall vom ortsansässigen Vater eines Freundes gerettet, steht er deshalb nun entgegen seiner Überzeugung auf der Seite der Befürworter des Sklaventums. Dabei weiß er eigentlich nur eines ganz genau: Seinen Platz im Leben muss er erst noch finden.

Rezension Starbuck
Starbuck, der Rebell! Band 1.

Nathaniel Starbuck – der Rebell. Also ein potenziell koffeinabhängiger Haudegen, der während des großen Bürgerkriegs verwegen durch das unzivilisierte Amerika reitet. Ein Draufgänger, der jede Dame im zutiefst attraktiven Südstaaten-Akzent von den Schühchen fegt. Ein rauer Held, der für die Freiheit seines Landes kämpft und im Westen für ganz viel Neues sorgt.

Außer natürlich man heißt Bernard Cornwell, ist Autor und macht aus seiner Figur einen grüblerischen jungen Mann. Einen blassen Nordstaatler, der eigentlich auf dem Weg zur Priesterweihe war. Doch anstatt der schwarzen, Kuttel-tragenden Kohorte angehörig zu werden, fällt der Gute auf eine Dame zweifelhaften Charakters herein. Diese nimmt ihn gehörig aus und lässt ihn anschließend allein im Regen stehen. Yeeeehaaw, willkommen im Süden! 

Fool me once, shame on you!

Urplötzlich findet er sich ohne Hab und Gut und erst recht ohne schützende Familienbande vor einem Mob aus Südstaatlern wieder. Seiner Zufallsbekanntschaft, einem Zahnarzt, wird die klassische Teer-und-Feder-Behandlung zuteil und er selbst soll ebenfalls in diesen zweifelhaften Genuss kommen. Zum Glück lässt uns das Klischee des wilden Westens nicht im Stich und es erscheint: die Kavallerie! In Form des Vaters von Adam, seines Zeichens enger Freund von Nathaniel Starbuck.

Ohne Chance auf Rückkehr sieht unser baldiger Held deshalb nur einen Weg: sich in die Dienste seines reichen Retters zu stellen. Das passt gerade recht gut, rüstet dieser sich doch für den bevorstehenden Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten. Ungünstig für Nathaniel sind dabei lediglich seine pazifistischen und religiösen Überzeugungen. Diese überwindet er entgegen seines Willens Stück für Stück, als er gemeinsam mit einem berüchtigten Mörder seinen Dienst verrichtet.

Fool me twice…

Doch was wäre ein Werdegang zu einem legendären Rebellen, wenn er nicht mal wieder verstoßen werden würde? Die unbeherrschten Südstaatler setzen den zahmen Nordstaatler direkt vor der großen Schlacht vor die Tür. Doch hier entscheidet Nathaniel endlich, sich seinen Weg nicht mehr vorgeben zu lassen, sondern selbst die Route zu wählen: Muss er überhaupt eine Seite wählen?

Männer!

Man weiß nun wirklich nicht so recht, was man von Nathaniel halten soll. Reichlich naiv ist der Gute ja schon und so manches Mal kann man nur den Kopf schütteln. Wie aus ihm ein echter Rebell werden soll, ist auch noch nicht ganz geklärt. Aber zum Glück stellt dieses Buch erst den Auftakt zu einer Reihe dar, in deren Verlauf sich vielleicht noch die eine oder andere Überraschung ergeben könnte.
Es sind nicht unbedingt die Ereignisse, die Starbuck und seinen Charakter formen, vielmehr sind es die anderen Teilnehmer der Handlung. Da wäre Truslow, der Mörder, dessen Tochter einen unwiderstehlichen Reiz auf Nathaniel ausübt. Adam, sein Freund, der wohl nordischste Südstaatler überhaupt. Ridley, der widerwärtige Bastard, der seine volle Abreibung für seine Taten erhält. Letztendlich auch Faulconer, der immerhin gerade noch als schlechtes Beispiel für Starbuck herhalten kann.

Wie es sich liest

Die Erzählweise von Bernard Cornwell ist gekonnt ‚galant‘ mit einem Hauch ‚antiquiert‘ – aber ohne, dass der Text dadurch kompliziert zu lesen wäre. Die Scharmützel der finalen Schlacht sind nicht zu weitläufig gefasst, sodass der Leser hier kein Gähnen unterdrücken muss. 

Ich bin definitiv gespannt, wohin die Reise des so ungewöhnlichen Rebells noch gehen wird. Oder in den Dusty Springfields Worten: „The only boy who could ever reach me was the son of a preacher man.“.

In diesem Sinne,

Bettina Riedel (academicworld.net)

Bernard Cornwell. Starbuck, der Rebell.
14,99 Euro. RoRoRo.

P.S.: „Starbuck, der Verräter“ ist bereits ab dem 02. Dezember 2013 erhältlich!

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