Lebendig begraben

Arno Strobel schwimmt mit seinen Romanen „Der Trakt“, „Das Script“ und „Das Wesen“ momentan auf einer Erfolgswelle. Sein neuestes Werk, „Der Sarg“, steht dem in nichts nach, hat aber für den Geschmack unserer Rezensentin kleinere Schwächen.

Es ist dunkel, als Eva erwacht, aber irgendetwas ist anders. Statt die vertrauten Schemen ihres Schlafzimmers sieht sie – nichts. Vollkommene Dunkelheit umgibt sie. Schnell findet Eva heraus, dass sie in einem Sarg liegt. Gerade als die Panik sie vollkommen überwältigen will, wacht sie in ihrem Bett auf. Alles nur ein böser Traum? Aber woher kommen dann die Verletzungen an Armen und Beinen? Als sie durch die Zeitung erfährt, dass die Polizei eine Frau tot aufgefunden hat, lebendig begraben in einem Sarg, ist sie schockiert. Zumal die Tote ihre Halbschwester ist, zu der sie kaum Kontakt hatte. Alles nur Zufall? Oder steckt mehr dahinter? Hauptkommissar Bernd Menkhoff nimmt die Ermittlungen auf und findet sich in Familienangelegenheiten verwickelt, über die keiner so richtig reden will. Und während Menkhoff verzweifelt versucht, Licht in die Angelegenheit zu bringen, erwacht Eva immer wieder in einem Sarg…

Spannung pur – mit kleinen Schwächen

Psychologisch gesehen ist der Thriller super angelegt. Es gibt eine reiche Erbin, die, obwohl sie unsicher und hilfsbedürftig dargestellt wird, schwer zu durchschauen ist sowie Familiengeheimnisse und Verdächtige mit durchaus nachvollziehbaren Motiven. Zusammen mit kurzen Kapiteln und einer flüssigen Schreibweise ergibt das ein spannendes Buch, das man kaum aus der Hand legen möchte.

Allerdings hat der geübte Thrillerleser bald einen Verdacht, wer oder was dahintersteckt. Zwar gelingt es dem Autor, hie und da den Leser doch wieder auf falsche Fährten zu locken, allerdings nur für ein paar Seiten. So ist das Ende zwar nicht wirklich überraschend, aber doch interessanter, als man vermutet hatte.

Im Laufe der Lektüre stellt sich heraus, dass es der zweite Band um Hauptkommissar Bernd Menkhoff ist, der dem „Wesen“ bereits auf den Grund gegangen ist. Leider wird der Leser, der „Das Wesen“ nicht kennt, mit Andeutungen darüber abgespeist, was in Menkhoffs Vergangenheit vorgefallen ist. Ein richtiges Bild kann man sich aber nicht machen, sodass einem dies irgendwann nervig erscheint. Das geht auch anders.

Außerdem gab es eine kleine Schwäche bei der Polizeiarbeit. Die Beamten erfahren etwas, das von einem Befragten nebenbei erwähnt wird. Als diese Information wichtig wird, haben es die Beamten vergessen beziehungsweise nicht daran gedacht. So viel zu: „Wenn Ihnen noch etwas einfällt…, alles, jede noch so kleine Kleinigkeit kann wichtig sein“. Während der Leser dieses für die Polizei scheinbar nebensächliche Detail sehr wohl im Hinterkopf hat, gehen die Profis damit fahrlässig um. Das ist nicht sehr professionell. Für die Dramaturgie des Buches ist dieser Fauxpas zwar verständlich, andererseits ist es zu offensichtlich. Das nimmt wiederum ein wenig Spannung raus.

Nichtsdestotrotz sorgt das Buch für gute Unterhaltung. Hin und wieder läuft einem auch mal ein Schauer über den Rücken. Und wenn man dann abends, allein zu Hause, eingekuschelt auf der Couch liest, macht man schon mal eine Lampe mehr an… Nur für alle Fälle.

Von academicworld-userin Ines Kubatzki

Arno Strobel. Der Sarg
9,99 Euro. Fischer

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