Leben, Lernen, Sterben

Er ist erfolgloser Schauspieler, sie schuftet im Großraumbüro an der Seite eines ekelhaften Sexisten, um die Familie durchzubringen. Die Kinder werden in einer Privatschule streng jüdisch erzogen und zumindest die Tochter ist auch höchst orthodox gläubig, kann nicht schwimmen und will eine Perücke tragen. Die Krebserkrankung des Großvaters flammt wieder auf, er muss akzeptieren, dass er stirbt. Klingt deprimierend? Schon. Ist es aber nicht, wenn Zach Braff Regie führt und selbst die Hauptrolle spielt. Bester Beweis dafür war schon „Garden State“ und sein neuer Film „Wish I Was Here“ ist ähnlich tiefgründig und Bodenständig. Ab 9. Oktober im Kino!

Leben, Lernen, Sterben
© Wildbunch

Manchmal läuft einfach alles schief. Aidan (Zach Braff, „Garden State“) kommt mit seiner Karriere als Schauspieler einfach nicht voran. Und das, obwohl sie sein Traum ist und er das Glück hat, dass ihm dieser finanziert wird. Den Lebensunterhalt für die Familie bringt seine Frau Sarah (Kate Hudson, „Ich du und der andere“) in einem langweiligen Bürojob auf, die Schule der Kinder Grace (Joey King) und Tucker (Pierce Gagnon) zahlt sein Vater Saul (sehr eindrucksvoll gespielt von Mandy Patinkin, „Homeland“). Als der jedoch einsehen muss, dass sein Krebs wieder zurückgekehrt ist, gibt er all sein Geld für alternative Behandlungsmethoden aus.

Hometeaching, Fach 1: Leben

Die Kinder müssen fortan zuhause unterrichtet werden. Weil Aidan aber keine Ahnung hat, wie man Kinder richtig unterrichtet, lehr er ihnen das, was er am besten kann: das Leben meistern. Trotz all der widrigen Umstände, die den Film begleiten, ist er doch ein Stück heitere, aufmunternde Unterhaltung und eine tiefgründige Anteilnahme an dem Prozess, den eine Familie durchmacht, wenn ein geliebter Mensch stirbt.

Zusammen stehen wir das durch – Zuschauer und Figuren!

Der Zuschauer wird in die schwierigen Verhältnisse und Verbindungen, die es so wahrscheinlich in jeder Familie gibt mit eingewoben und lernt jeden einzelnen verstehen. Aus den Konflikten und Streitigkeiten entwächst, wenn man sie gemeinsam durchsteht, eine engere Bindung und ein tieferes Verständnis für den anderen. Klingt vielleicht esoterisch, aber tatsächlich hat man als Kinobesucher nach dem Film das Gefühl, man hätte gemeinsam etwas durchgestanden. Und zwar nicht auf die harte „Contagion“- oder „Irgendein-beliebiger-Zombiefilm“-Tour, sondern auf die gute Art.

Fazit

Ein schöner Film, gut geeignet für Paare, die sich noch nicht von all ihren Verlusten im Leben erzählt haben oder Freunde, die sich schon lange nicht mehr über ihr tiefer gehendes Seelenleben unterhalten haben. Beim Bierchen danach ist man genau in der richtigen Stimmung, über sowas mit einer gesunden Portion Selbstironie zu reden. Die Geschichte kommt unprätentiös, bodenständig und tiefgründig rüber, auch wenn ein paar Bilder und Szenen klar ästhetisch überladen sind (wie zum Beispiel das Philosophieren mit den Kindern auf meterweit entfernten Felsblöcken im Sonnenuntergang) – das kann sich „Wish I Was Here“ durchaus leisten.

Miri Köbner (academicworld.net)

Leben, Lernen, Sterben
Die Widrigkeiten des Lebens schweißen zusammen und entfesseln totgeglaubte Leidenschaften (© Wildbunch)

Leben, Lernen, Sterben
© Wildbunch

Wish I Was Here

Regie: Zach Braff

Darsteller: Zach Braff, Kate Hudson, Mandy Patinkin, Joey King, Pierce Gagnon

Ab dem 9. Oktober 2014 im Kino im Verleih von Wildbunch Germany

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