Lasset die Jagd enden!

Das sagen zumindest die Polizeibehörden den Londoner Einwohnern im Jahr 1889 – denn Jack the Ripper ist offiziell tot. In Wahrheit liegt da aber schon wieder eine zugerichtete Leiche in den Straßen … Versierte Leser wissen: Das kann nur der Auftakt zur Serie RIPPER STREET sein. Und die steht nun mit Staffel 3 frisch für die Heimkinos zur Verfügung!

Copyright: Tiger Aspect 2015
Copyright: Tiger Aspect 2015

Da ich im weiteren Verlauf diese Serie mit einer anderen, COPPER, vergleichen werden, an dieser Stelle erst einmal die Rezension zu dieser Serie. Die stammt ebenfalls von BBC America und dient wunderbar als Vergleichswert.

Von RIPPER STREET gibt es drei Staffeln. Richtig – drei. Eigentlich hatte die BBC verkündet, dass es aus sei nach der zweiten. Das Wehklagen war groß, wie meine Kollegin Gisela Stummer schon in einer früheren Rezension so richtig bemerkt hat – wie gut, dass sogar auch schon die Staffeln 3 und 4 beauftragt wurden! Doch nun erst einmal zum Inhalt, für alle Neuen beginnen wir mit Staffel 1. Und ja, die Beschreibung ist Spoiler-Safe. Wenn es kritisch wird, bekommt ihr einen Hinweis.

London, um 1889: Gerade erst hat Jack the Ripper sein Unwesen in der Stadt getrieben und wird offiziell als getötet proklamiert. Dem ist nicht so, wie Inspector Edmund Reid bald so richtig feststellt: Denn ein neues Opfer wurde gefunden, getötet durch den gleichen Modus Operandi. Ist der ruchlose Mörder zurück? Zusammen mit Sergeant Bennet Drake und Captain Homer Jackson bildet Reid sich zu einer äußerst schlagkräftigen Division, die die Ermittlungen aufnimmt. Die Ergebnisse überraschen alle und führen sie zu einer technologischen Neuentdeckung dieser Zeit, die ihresgleichen sucht. Derweil müssen sie sich allerlei Hindernissen entgegen stemmen, die ihnen die Gesellschaft und natürlich die Täter in den Weg legen. Die Forensik steht noch nicht mal fest in den Kinderschuhen, moderne Ermittlungsmethoden sind natürlich fehl am Platz. Doch auch so wissen die drei sich zu helfen. Ob nun gegen Jack (vielleicht?), einen grausamen, erwachsenen Anführer einer Gang aus Waisen oder gegen Feinde aus den eigenen Reihen.

Copyright: Tiger Aspect 2014
Copyright: Tiger Aspect 2014

Achtung, es geht zu Staffel 2 mit minimalem Spoiler:

Der Drang nach Gerechtigkeit und ihr Erfolg fordert seine Opfer. Reids Frau hat ihn verlassen, Drake hat Rose aus dem Bordell geholt und geheiratet und natürlich gibt es noch einen neuen Kollegen. Als ein Polizist aufgespießt auf einem Zaun gefunden wird, bricht die Hölle los. Er ist aus dem Fenster der Wohnung einer geheimnisvollen Chinesin gestürzt – oder wohl eher gestürzt worden. Bald gesellt sich ein alter Kollege Reids zu den Ermittlungen hinzu: Shine (Joseph Mawle), der Vorgesetzter des Opfers, der Jahre lang in Hongkong als Polizist gearbeitet hat. Alle Spuren führen ins Chinesische Viertel. Einerseits ist der rachsüchtige Bruder der Chinesin auf der Suche nach seiner entführten Schwester, andererseits scheint natürlich Opium eine Rolle zu spielen. Doch Opium ist eine Droge, die nicht diskriminiert – stecken hier Polizisten aus den eigenen Reihen mit unter der Decke? Plötzlich droht von mehr als nur eine Seite akute Gefahr …

Copyright: Tiger Aspect 2014
Copyright: Tiger Aspect 2014

Staffel 3, auch mit ein wenig Spoiler:

Auch diese knüpft nicht nahtlos an die vorhergehende Staffel an. In der Zwischenheit hat sich die Bordellbesitzerin gewieft in die Gesellschaft eingebracht, sodass sie nunmehr als respektabel gilt. Von legalen bis wehltätigen Zwecken – die Dame ist im Aufstieg begriffen. Das ultimative Ermittler-Trio hat sich voneinander getrennt. Der eine muss seinen Schicksalsschlag verarbeiten, der nächste droht, in eine psychische Abhängigkeit abzurutschen und Nummer 3? Hat sich eben neu orientiert. Das hilft aber alles nichts, denn ein seltsamer Zwischenfall, der eine Eisenbahn involviert, ruft sie alle wieder auf den Plan. Es gibt immerhin Kriminelle zu fassen!

Die Kritik

Jede Staffel hat acht Folgen, damit zählen sie zu den Kurzserien. Diese sind naturgemäß aber etwas länger und qualitativ hochwertiger als manche der 22-Episoden-Serien. Trotz aller Würze in der Kürze – die Staffel 3 kommt in einer Uncut-Version an, die rund 72 Minuten länger ist als die Fassung, die im ZDF ausgestrahlt wurde. Das ist quasi mehr als nur eine Folge zusätzlich 😉

Auch diese Serie ist genauso wie COPPER eine der besten, die BBC America in den letzten Monaten kreiert hat und über Polyband nun auf DVD oder BluRay zur Verfügung steht. Die Optik ist absolut – von den Kostümen bis hin zu den Kulissen, zur Musik hin zu den technischen Errungenschaften. Die damals noch echte Unterschiede im menschlichen Leben gemacht haben, im Vergleich zu den zighundert Apps, die ständig erscheinen und dann nur vor sich hindümpeln. Ripper Street ist explizit, ohne sich selbst gewaltsam übertrumpfen zu wollen. Im Vergleich zu COPPER ist diese Serie damit etwas entspannter und sozialverträglicher. Die Gewalt ist auch hier alltäglich, aber nicht gar so krass wie bei COPPER und die Damen dürften durchaus mal ihre Kleider anbehalten.

Der Wechsel zwischen den Staffeln ist gut gelungen, denn anstatt am Ende alles aufzulösen und dann mit ruhigem Gewässer in die neue Staffel zu starten, haben die Produzenten von Anfang an einen separaten Spannungsbogen, nein eigentlich ein Spannungsfeld eingebaut. Damit ist die Serie von vornherein interessant aufgeladen und nicht davon abhängig, dass erst ein spannender Fall den Zuschauer fasziniert. Was dann eben einfach zusätzlich geschieht ^^

Die Charakter werden glänzend gespielt und bieten hervorrangendes Amusement für die Zuschauer. Wobei sie rein männlich besetzt sind und die beiden weiblichen Charaktere, die man am häufigsten sieht, dem eher zweifelhaften Millieu zuzurechnen sind. Das entspricht natürlich vollkommen dem Zeitgeist, aber könnte vielleicht etwas moderner interpretiert werden? Ein interessanter spin wäre es auf jeden Fall. Vielleicht schaffen sie es zur vierten und fünften Staffel? Cool wäre es auf jeden Fall.

Die Fälle sind witzig bis spannend! Dabei müssen sie nicht immer wahnsinnig spektakulär sein, denn damals musste man aufgrund der niedrigen technologischen Entwicklung nicht ordentlich ermitteln, bevor man einen Mörder dem Galgen zuführen konnte. Das macht dem Zuschauer sichtlich Spaß, weil man mitfiebern und grübeln kann, anstatt sich einfach berieseln zu lassen.


Bettina Riedel (academicworld.net)

RIPPER STREET, Staffeln 1, 2 und 3
à 8 Folgen

Inklusive der dritten Staffel seit Mitte November 2015 im Vertrieb von Polyband als DVD und BluRay im Handel erhältlich. 

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