Lächeln und winken!

Geister sind harmlos! Das stellt die Welt zumindest fest, als sie plötzlich da auftauchen, wo auch immer Menschen gestorben sind. Dann beginnen sie zu lächeln und die Welt stellt fest, wie tödlich so ein Lächeln sein kann …

Lächeln und winken!

Als die Geister auftauchen, hält die Welt kurz den Atem an. Doch die Erscheinungen sind harmlos: Sie stehen dort, wo Menschen starben, bewegen sich nicht und interagieren auch sonst nicht mit der Welt der Lebenden. Immer mehr Geister von den Toten aus der Vergangenheit tauchen auf. Still leuchten sie vor sich hin. Die beiden Schwestern Emma und Rain reisen deswegen in eine spanische Wüste – hier verunglückte einst ein Flugzeug mit ihren Eltern an Bord.

Eigentlich wollen sie sich nur ein letztes Mal verabschieden. Doch plötzlich ändert sich etwas: Die Geister lächeln – bösartig. Die Menschen im näheren Umkreis sterben einen qualvollen Tod. Inmitten dieses Wirrwarrs treffen die Schwestern auf Tyler, einen umtriebigen Norweger. Er weiß offensichtlich mehr, als er zugibt. Doch für’s Erste rettet er die Schwestern. Gemeinsam werden sie in einen Sog von unerklärlichen Ereignissen gezogen. Wer steht hinter den Lionheart-Söldnern, die sie seit Spanien jagen? Warum lächeln die Geister plötzlich und welchen Groll hegen sie gegen die Menschen? Und wer zur Hölle ist für das alles wirklich verantwortlich? Eine nervenaufreibende Jagd beginnt und niemand weiß, wer Jäger oder Gejagter ist.

Die Kritik

Was würde denn wirklich geschehen, würden hier plötzlich die Geister unserer Verstorbenen auftauchen? Mit ziemlicher Sicherheit genau das, wie Kai Meyer es schreibt: Die Geister ignorieren, solange sie uns nichts tun und die Sterbenden an Orte abschieben, wo ihre Geister niemanden stören. Und die Industrie würde Produkte entwickeln, die das Leuchten der Geister für die Nachtruhe der Menschen erträglicher gestalten würden. Ein sehr realistisches Szenario, das unserer Gesellschaft durchaus ein bisschen den Spiegel vorhält. Das gibt dem (young adult-)Buch respektable Tiefe und regt den Leser zur Selbstreflektion an.

Positiv ist auch, dass man die Hauptcharaktere nicht unbedingt leiden kann. Manchmal möchte man sie packen, schütteln und geradezu anbrüllen. Genau das zeigt aber, wie Kai Meyer den Leser in die Geschichte reinzuziehen vermag.

Das Ende ist erst gegen Anfang des letzten Buchdrittels langsam erkennbar. Trotzdem gibt es noch die ein oder andere Überraschung, bevor der letzte Geist seine Ruhe vielleicht wiederfinden kann …

Bettina Riedel (academicworld.net)

Phantasmen. Kai Meyer.
Carlsen Verlag. 19,90 Euro.

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