La haine – Viertel der Gewalt

Es brodelt unter der Oberfläche vieler Vororte von großen französischen Städten – immer wieder kommt es dort zu Gewalteskalationen. Regisseur Mathieu Kassovitz begibt sich mit „la haine – der Hass“ auf Ursachenforschung.

Leben im Viertel

Die drei Freunde Vinz, Said und Hubert leben in einem Banlieue von Paris. Gewalt, Drogen und Auseinandersetzungen mit der Polizei bestimmen ihren tristen Alltag. Perspektivlos ziehen sie Tag für Tag durchs Viertel auf der Suche nach dem Sinn ihrer Existenz. Als eines Tages ihr Freund Abdel bei nächtlichen Krawallen von Polizisten ins Koma geprügelt wird und infolge der Schläge stirbt, wird ihre Freundschaft auf eine Bewährungsprobe gestellt. 

Unterschiedliche Verarbeitung

Jeder der Drei geht anders mit dem Tod des Freundes um. Vinz meint es sei nun an der Zeit ein Zeichen zu setzen. Er hat bei nächtlichen Auseinandersetzungen mit den Gesetzeshütern eine Pistole erbeutet, mit der er nun einen Polizisten erschießen will. Nur so glaubt er, kann er ein Zeichen setzen.

Der Araber Said ist ein Mitläufer, der seit seiner Geburt im Schatten seines großen Bruders steht. Er scheint immer gut gelaunt, allerdings überspielt er damit nur seine Zukunftsängste. Seine Freunde sind das Wichtigste für ihn und er kämpft um ihre Anerkennung.

Hubert hat sein Leben lang gekämpft. Einst ein verheißungsvolles Boxtalent, versucht er heute Jugendliche in seiner eigenen Boxhalle zu trainieren, um sie so von der Straße fern zu halten. Doch bei nächtlichen Krawallen wird seine Halle verwüstet und damit seine Existenz vernichtet. Er will der Gewalt entsagen und dem Viertel entkommen, aber letztendlich geht es ihm wie Vielen. Er schafft den Absprung einfach nicht. Doch gibt es überhaupt einen Ausweg aus der Spirale des Hasses und der Gewalt? Ist die Unweigerliche Folge dieses Umfelds der Tod oder der Knast?

Brisantes Thema

Regisseur Mathieu Kassovitz hat sich mit „La Haine“ einem Thema angenommen, das speziell in Frankreich nach wie vor sehr aktuell und brisant ist. In den – häufig als soziale Brennpunkte bekannten – Vororten großer Städte kochen immer wieder die Emotionen über. Recht häufig kommt es dort zu massiven Straßenschlachten zwischen Jugendlichen und der Polizei. Autos brennen und Menschen werden verletzt. 

Ursachenforschung

Ursache ist oft die hohe Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit der Bevölkerung, die zu einem großen Teil aus Einwandererfamilien bestehen. Sie fühlen sich nicht ernst genommen mit ihren Problemen und speziell die Jugendlichen sehen oft keine andere Lösung, um auf sich aufmerksam zu machen. Doch Gewalt erzeugt Gegengewalt – ein Teufelskreis ohne Ende. Der Film zeigt sehr anschaulich, was passiert, wenn eine Nation wie Frankreich in Zeiten des Wohlstandes viele billigen Arbeitskräfte ins Land holt und diese dann in Zeiten, in denen die Wirtschaft lahmt, meint vergessen zu können.

Drastische Bilder 

Mathieu Kassovitz steigt bereits mit sehr drastischen Bildern in den Film ein. Den Auftakt bilden Szenen aus den Ausschreitungen aus dem Jahre 1995, die sich entwickelten nachdem ein junger Einwanderer von einem französischen Polizisten im Verhör getötet wurde. Untermalt von der Friedenshymne „Burnin‘ And Lootin’“ von Bob Marley bilden diese Bilder einen passenden Auftakt, um dem Zuschauer einen Eindruck von den damaligen Geschehnissen zu verschaffen. Passend zur Stimmung des Films, ist der ganze Film in schwarz-weiß gedreht. Das verstärkt den tristen Eindruck des Daseins im Viertel, die Monotonie im Angesicht der Betonbauten. Die drei Freunde stehen als Spiegelbild für eine ganze Subkultur, die verzweifelt darum bemüht ist, um auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen beziehungsweise versucht ihrem Dasein einen Sinn zu geben. Im Grunde wollen sie nichts anderes als wir alle – ein sorgenfreies Leben führen. Doch genau das wird ihnen verwehrt. Sie haben eigentlich keine Chance. Sinnbildlich ist eine Auseinandersetzung der Freunde mit der Polizei auf einem Dach bei einem kleinen Grillfest. Eigentlich stören sie dort keinen, aber die Ordnungsmacht löst die Ansammlung mit Gewalt auf. Dies zeigt das ganze Dilemma. Ein Klima des Hasses wird erzeugt.

Tolle Schauspieler

Sehr eindrucksvoll verkörpern Vincent Cassel, Hubert Koundé und Saïd Taghmaoui in dem bereits 1995 veröffentlichten Drama ihre Rollen. Speziell Vincent Cassel hat als Vinz eine unheimliche Präsenz. Es überrascht daher auch nicht, dass er heute zu einem der gefragtesten Schauspieler Frankreichs gehört.

Fazit: Ein harter und kompromissloser Film, in dem Regisseur Mathieu Kassovitz die Zustände in den Vororten französischer Großstädte und die Brutalität der Polizei gegenüber deren Bewohnern anprangert. Absoluter Pflichtstoff im Französischunterricht. Die Dialoge sind es wert in der Originalversion gehört zu werden.

Thomas H. (academicworld.net)

La Haine

Regie: Mathieu Kassovitz   

Darsteller: Vincent Cassel, Hubert Koundé, Saïd Taghmaoui

Im Arthaus Verleih

Seit dem 15.03.2012 ist die Blu-Ray im Handel erhältlich. 

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