Komplizierte Familienbeziehungen?

So könnte man die Verbindung zwischen Michelle, Lillian und Thomas Ried beschreiben. Der (Stief-)Familienvater ist in Wahrheit ein brutaler Serienmörder. Nach Jahren der Gefängnishaft ist er nun ausgebrochen – und entführt sofort seine Stieftochter.

Michelle und Lillian haben sich seit der Verurteilung und Inhaftierung immer noch nicht ins Leben zurückgefunden. Der Teenager ist auch nach Jahren auf dem Entwicklungsstand einer Zwölfjährigen stehengeblieben – und während sie ihre Fühler Richtung Realität ausstreckt, wacht sie plötzlich in einem unheimlich bekannt vorkommenden Raum auf. Ihre Mutter Michelle findet sich dagegen in ihrem Größten Albtraum wieder: Ihr Ex-Mann hat seine Stieftochter entführt. Nun stellt er ihr Aufgaben: Sie muss ihm ein Opfer bringen, das er töten und verstümmeln darf. Erst dann bekommt sie Lillian zurück – oder die wird sein neuestes Kunstwerk …

Die Kritik

An sich ist das Szenario sehr facettenreich aufgebaut: Eine Familie mit Patchwork-Element (damit es weniger gruselig ist?). Ein Ex-Mann und biologischer Vater von einem potenziellen Opfer ist Polizist. Eine Anstalt, aus der der Täter geflohen ist, obwohl es nicht hätte sollen sein. Eine Mutter, die nach all den Erfahrungen immer noch gegen sich selbst kämpft und gegen das Glück, das sie in der prä-Mörder-Zeit mit ihrem zweiten Mann erlebt hat. Gerade Michelle ist ein faszinierender Charakter, der dem Leser eine wichtige Frage stellt: Sie hat echtes Glück erlebt mit einer Person, die sie nicht richtig kannte. Aus der Retrospektive betrachtet, würde jeder behaupten „Das war nicht echt.“. Aber so hat es sich angefühlt und die Erinnerungen sind in der Tat glücklich. Wie kann das falsch gewesen sein? Analog könnte man das so sehen: Alle Babys sind süß? Hm. Hitler war auch mal eins. Trotzdem ein riesiges Monster geworden.

Ein Krimi/ Thriller mit Tiefgang also. Abgesehen von den Personen geschieht aber wenig, was den Leser richtig mitreißt. Es dauert absolut nicht lang, bis man in die Geschichte reinkommt. Sie flutscht einem aber ganz schnell aus den Fingern. Weil sie sich einfach so lange hinzieht. Durch die Verwicklung von anderen Personen in die gib-mir-und-du-bekommst-sie-zurück-Basis kommt zwar Bewegung in die Sache, aber sie fesselt nicht. Nach einer Weile möchte man einfach wissen, was nun wirklich passiert ist. Es braucht aber eine gute Portion Durchhaltevermögen, um dieses Ziel zu erreichen.

Fazit: Auf einer Schulnotenskala wohl eher eine Drei. Leider kein „neuer Fitzek“, da siegt das Original.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Papa. Sven Hüsken.
9,99 Euro. Droemer-Knaur.

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