Königlich angeschmiert

Was erwartet man von einer britischen Komödie, die sich um einen englischen Geheimdienst dreht? Im Falle von KINGSMAN sehr wahrscheinlich das Falsche, denn der überrascht äußerst positiv – warum, das lest ihr hier.

Eggsy (Taron Egerton) ist ein Unruhestifter, der immer wieder in Konflikt mit anderen Jungs in seinem Londoner Viertel gerät. Sein Vater starb, als er ein kleiner Junge war. Seine Mutter hat einen Loser geheiratet, der Eggsy immer wieder tyrannisiert. Als er eines Tages dank des geheimnisvollen und eleganten Harry Hart (Colin Firth) nach einer Dummheit aus dem Gefängnis entlassen wird, beginnt für Eggsy ein anderes Leben. Harry gehört zu den Kingsman, einer supergeheimen, elitären Agentenorganisation. Die wird von Arthur (Michael Caine) angeführt und rekrutiert vielversprechende Teenager für ihr hochqualifiziertes Nachwuchsprogramm. Und Harry hat Eggsy ausgewählt.

Jetzt steht er Cambridge-Typen gegenüber und trainierten Soldaten. Doch bevor es richtig losgeht, müssen sie alle Prüfungen bestehen und nur einer kommt durch. Das Training beginnt – zur selben Zeit als die Welt von dem verrückten High-Tech-Genie Valentine (Samuel L. Jackson) bedroht wird – auch wenn das erst einmal niemand glaubt … Passt Eggsy wirklich in dieses elitäre Geheimdienst-Schema und lässt sich herumkommandieren? Oder muss er seinen ganz eigenen Weg finden, der sämtliche gesellschaftlichen und Kingsman’schen Konventionen sprengt?

Die Kritik

Was macht Kingsman zu einem Besonderen Film? Zum einen, dass er Hollywood mit Europa mischt. Natürlich gibt es diese schrägen Ich-muss-jetzt-ein-witziger-Film-sein Momente. Die nerven normalerweise in den Hollywood-Filmen, weil sie einfach so platt sind. Hier werden sie aber durch bitterernste Szenen ergänzt – weil tatsächlich der ein oder andere Kopfschuss vergeben wird. Die Helden erwachen hinterher nicht wie von Zauberhand zurück zum Leben.

Außerdem ist der Film großartig, weil er keinen der aktuell typischen Helden in den Mittelpunkt stellt. Wir haben also keinen Teenager, der über Superkräfte verfügt. Der Junge ist ein vollkommen normaler Typ, wie man ihn auf der Straße treffen könnte. Damit ist er zwar „alltägliches Mittelmaß“, aber sehr erfrischendes und geradezu revolutionäres Mittelmaß.

Der Hintergrund des Verbrechens ist mal keine biologische Waffe, keine Bombe – nichts, was in letzter Zeit schon einmal im Kino oder auf DVD erschienen wäre. Trotzdem kann man sich vorstellen, dass es gar nicht so realitätsfremd ist. Das macht den Film wirklich spannend!

Dazu die herausragende Bildqualität – man merkt, dass hier wirklich mit viel Liebe zum Detail gearbeitet wurde. Das spiegelt sich sowohl in der Bildbearbeitung, den künstlichen Elementen und der Gestaltung der Drehorte wieder. Insgesamt ist KINGSMAN damit ein Unterhaltungsfilm, der technisch und inahtlich wirklich sehr überzeugt: Ernst, witzig, optisch echt cool und trotzdem muss man seine Moralapostel-Schilder nicht auspacken. Läuft!

Bettina Riedel (academicworld.net)

KINGSMAN

Regie: Matthew Vaughn
Darsteller: Samuel L. Jackson, Colin Firth, Michael Caine, Mark Strong, Taron Egerton

Seit dem 23. Juli als DVD und BluRay im Vertrieb der 20th Century Fox Home Entertainment im Handel erhältlich!

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