Klimapropheten und Weltverschwörungen

Sven Böttcher hat mit seinem Roman „Prophezeiung“ das auf die Spitze getrieben, was seit Jahren durch die Medien geistert: die Angst vor der Klimakatastrophe. Aus einem versierten und realitätsnahen Ausgangsszenario entwickelt er eine spannende und bedrohliche Zukunftsvision.

Rezension: Prophezeiung

Die Klimaforscherin Mavie Heller erfährt bei ihrem neuen Job am geheimen Klimainstitut IICO von dem Klimaprognoseprogramm „Prometheus“, das erstmals präzise Angaben zum künftigen Klima an jedem Ort der Welt machen kann und eine Katastrophe prophezeit, die 400 bis 800 Millionen Todesopfer mit sich bringt.

Kurz nach ihrer Entdeckung wird Mavie entlassen, nimmt sich aber fest vor, die Prognose in die Welt zu tragen und die Menschen vor den drohenden Wetterereignissen zu warnen. Nach und nach erfährt sie jedoch, dass es bei der Geheimhaltung der Prophezeiung um viel mehr geht, als sie anfangs dachte.

Sven Böttcher schildert in seinem Thriller „Prophezeiung“ ein authentisches Szenario, in das man sich gut hineinversetzen kann. Die Entwicklungen des Klimas und der Umwelt sind im Buch sehr realitätsnah beschrieben und liegen durchaus im Bereich des Möglichen. So geht es in erster Linie um Klima und Wetterprognosen, wobei der Autor gut recherchierte Fakten gekonnt mit Fiktion verbindet, allerdings ist es manchmal schwer, bei Abschnitten mit vielen Fachbegriffen den Überblick zu behalten.

Eine gekonnte Fusion von Fakten und Fiktion

Im Verlauf des Romans zeichnen sich neben der anfänglichen Verschwörung um „Prometheus“ auch politische und wirtschaftliche Verstrickungen sowie private Motive einzelner Personen ab. Die Handlung nimmt immer wieder neue Wendungen, wodurch das Ende nicht vorhersehbar ist und die Spannung durchgehend erhalten bleibt. Beim Lesen trifft man immer wieder auf versteckte Kritik an vergangenen und aktuellen politischen und wirtschaftlichen Geschehnissen, die Böttcher gekonnt einfließen lässt; ebenso verschiedene Ansichten und Verschwörungstheorien über Ereignisse wie 9/11 oder den Fall Litwinenko regen zum nachdenken an.

Das relativ offene Ende hinterlässt einen bleibenden Eindruck und bei dem ein oder anderen vielleicht ein etwas mulmiges Gefühl bezüglich der Zukunft und deren Klima.

Ein durch und durch spannender Roman, der, auch wenn dieser einige Jahre in der Zukunft spielt, durchaus zeitnah ist. Böttcher schafft es auf eine sehr indirekte Art – mit klug gewählten Zitaten am Anfang der einzelnen Teile des Romans sowie mit der Gesamtdarstellung der Zukunft im Buch – den Leser zum Nachdenken über das notwendige Stoppen des Klimawandels anzuregen. Absolut lesenswert und nur weiter zu empfehlen!

(Tamara Wasner, academicworld-Userin)

 

448 Seiten

Kiepenheuer & Witsch (24. Februar 2011)

19,95 Euro

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