Klänge für den Herbst

Zwei starke Damen der Popwelt bestücken die Regale des Tonträgerhändlers eures Vertrauens mit neuen Alben: Paloma Faith & Ella Henderson. Was die beiden Sängerinnen gemeinsam haben? Lest ihr hier.

Was beiden Sängerin offenbar gemein ist, ist ihre Liebe zur selbst geschriebenen Musik. Die eine, Paloma Faith, zog aus England für einige Zeit in die Staaten. Dort wollte sie in der Anonymität aufgehen und wieder zu ‚ihrer‘ Musik finden. Denn wenn Paloma von einer Sache überzeugt ist, dann davon, dass ihre Platte absolut persönlich ist. Dass Produzenten wie Pharrell Williams sie unterstützt haben, ist sicherlich nicht kontraproduktiv.

Ella Henderson tat den ersten Schritt in die Öffentlichkeit über die Teilnahme an der britischen Version von X-Factor. Entgegen des Märchenklischees schied sie allerdings als Sechste aus dem Rennen – und ist bis heute damit zufrieden. Denn so kann sie genau dem Weg folgen, den sie möchte: ihre eigenen Songs zu singen. Nicht umsonst nahm sie nur unter der Bedingung, einen selbstgeschrieben Track zu performen, an X-Factor teil. Beide Ladies eint also der Drang nach der eigenen, der persönlichen, der echten Musik. Das hört man der Qualität der beiden Alben an – wer Pop mag, wird sie lieben.

Ella Henderson ist mit ihrem Album „Chapter One“ nachweislich nicht nur ein Blondchen, das vor sich hinträllert, sondern die volle Bandbreite ihrer Stimme zeigen kann. Und das durchaus in einem einzigen Song: Hoch, tief, ruhig, samtig, rau, rauchig, soulig, sanft und wild. Es mag in den heutigen Zeiten zwar genügen, zu einer immer gleich bleibenden Melodie nicht mehr als 2 Strophen plus den sich ewig wiederholenden Refrain zu singen, aber mit gibt sich Ella nicht zufrieden. Ihre Lyrics sind umfangreich, verständlich und ergeben auch beim ersten Anhören direkt einen Sinn. Dabei ist sie gerad einmal 18 Jahre alt. Es darf zu Recht mit viel Spannung erwartet werden, wohin ihre musikalische Reise als weiter reifende Persönlichkeit gehen wird.

Einen Ausflug in die Anfänge des Souls wagt Paloma Faith. Dem ersten Track auf ihrem Album „a perfect contradiction“ hört man den Einfluss von James Brown überdeutlich heraus. An sich ein tolles Experiment, aber vielleicht doch ein bisschen zu schmal produziert für Palomas eigentlich eher tiefere Stimme. In den nächsten Songs spielt sie mit der Energie, die Klänge abgeben können. Diese Lieder elektrisieren, ohne dass sie wie Schocktherapie wirken – sie reißen den Zuhörer einfach mit.

Insgesamt zeigt dieses Album die Bandbreite der Künstlerin. Einfach, weil das Album so ganz anders ist als man es bisher von ihr gewohnt ist. Paradebeispiel für den ‚alten‘ Sound ist beispielsweise New York, New York. Das sind die Songs, die man bisher „typischerweise“ mit Paloma Faith verband. Tiefe Stimme, sowohl bei ruhigen und getragenen als auch peppigen Songs. Bis dato waren letztere dennoch längst nicht so quirlig bunt wie die Outfits oder Frisuren der Sängerin. Es ist schön zu sehen und vor allem zu hören, dass sie sich nicht auf den bisher erworbenen Lorbeeren ausruht und auch keine Kopie des ersten Albums abliefert. Eine LP für fast alle Stimmungen, die uns im Herbst so überfallen. Wunderbar! Die auf der Deluxe Edition enthaltenen Liveversionen zeigen außerdem, dass Palomas Stimme tatsächlich so klingt wie auf Platte und die Frau damit ordentlich etwas auf dem Kasten hat – aller digitaler Technik zum Trotz.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Paloma Faith. A Perfect Contradiction (Deluxe Edition)
Ella Henderson. Chapter One.
Beide Sony Music.

Share.