Kazuo Ishiguro: Alles, was wir geben mussten

England zu einer unbekannten Zeit: In dem Internat Hailsham leben die Fraundinnen Kath und Ruth sowie der schüchterne Tommy. Ihr Leben hat einen ganz bestimmten Zweck, für den sie ausgebildet werden und da scheint die Liebe keinen Platz zu haben.

btb Verlag, 2006

(K)ein Internat wie jedes andere
Der Roman spielt zu unbestimmter Zeit in England. Hailsham ist eine Art Internat, das die Kinder auf ihre zukünftige „Aufgabe“ vorbereiten soll. Der Leser wird anfangs durch Hailsham geführt, lernt alle Gebäude kennen und trifft Betreuer und Schüler. Allen voran die sensible Kath, den schüchternen Tommy, der von einem Fettnäpfchen ins andere tritt und die beliebte Ruth. Die beiden Mädchen sind beste Freundinnen, obwohl Ruth manchmal mit ihrer forschen Art zu weit geht. Kath scheint die einzige zu sein, die Tommy wirklich ernst nimmt und mit ihm befreundet ist. Aber das soll sich im Laufe der Jahre auch noch ändern.

Die eigentliche Bestimmung
Wir begleiten die drei von ihrer Kindheit bis hin zum jungen Erwachsensein und wissen immer noch nicht, was es mit den Spendern und Betreuern auf sich hat, die von den Lehrern ständig erwähnt werden. Schließlich verlassen die drei Hailsham und werden in Cottages untergebracht, wo sie sich weiter auf ihre Bestimmung besinnen. Dort werden Ruth und Tommy ein Paar, und Kath scheint als Erste bereit zu sein, ihre „Ausbildung“ zu beginnen.

Jahre später treffen sich die drei wieder und merken, dass sie ihr Leben doch nicht so einfach aufgeben wollen. Oder ist bereits alles zu spät?

Beklemmendes Gefühl garantiert
Schon lange hatte ich nicht mehr so ein beklemmendes Gefühl beim Lesen, wie bei „Alles, was wir geben mussten“. Die ersten 100 Seiten plätschern so dahin, der Leser wird ständig im Dunkeln gelassen und hat keine Ahnung, was Hailsham letztendlich darstellen soll. Doch Stück für Stück wird das Geheimnis gelüftet und man kann sich gar nicht vorstellen, wie und ob es zu einem Happy End kommen kann. Die Distanziertheit und scheinbare Kühle der Personen bekräftigt dies noch einmal.

Fazit
Wer anspruchsvolle Literatur lesen möchte, die zum Nachdenken anregt, sollte hier zugreifen. Auch wenn nicht jede Frage aufgelöst wird, kann sich der aufmerksame Leser seine eigenen Antworten geben.

352 Seiten
btb Verlag (6. November 2006)
9,99 Euro


Stand: Juni 2011

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