Kalt, berechnend, erfolgreich

Sie gelten als unnahbar, profitgetrieben und ihre Präsenz im Unternehmen verheißt für die Mitarbeiter nur selten gutes. Das Image der Unternehmensberater ist nicht unbedingt das beste. Matthew Carnahan hat dies zum Anlass genommen, der Berufsgruppe eine eigene Serie zu widmen – „House of Lies“. Seit dem 2. Mai ist die erste Staffel rund um dem charismatischen Unternehmensberater Marty Kaan und sein Team auf DVD im Handel erhältlich.

Die Berater kommen ...
© Paramount Pictures; Diesem Team macht niemand was vor.

Marty Kann steht im Mittelpunkt der Serie, um den Arbeitsalltag und das Leben der Consultants der Unternehmensberatung Galweather & Stearn. Er ist Juniorpartner und gleichzeitig einer der erfolgreichsten Unternehmensberater der Nummer 2 im Beratergeschäft in den USA. Marty ist charismatisch, intelligent, eloquent, und absolut berechnend in seinem Job. Ihm geht es nicht etwa darum seine Klienten möglichst hilfreich und sinnvoll zu beraten – nein, seine Mission besteht alleine darin, dem Kunden möglichst viele Beraterstunden in Rechnung zu stellten, um damit so viel Profit wie möglich zu erzielen. Dabei ist ihm wirklich jedes Mittel recht.

Seine Team besteht aus Clyde Oberholt, jung, dynamisch, gut aussehend und einer der Top-Consultants unter 30, dem Harvard-Absolventen Doug Guggenheim, einem Zahlengenie mit erheblichen Defiziten im zwischenmenschlichen Bereich, sowie Jeannie van der Hooven, einer attraktiven und ehrgeizigen jungen Beraterin, die ihrem Team ihre Verlobung verschweigt und die beinahe alles tun würde, um ihre Karriere weiter voranzutreiben. 

Ständig auf Achse

Gemeinsam reisen sie Woche für Woche durch die USA und beraten Kunden dabei, wie es ihnen etwa gelingen kann ihr Image zu verbessern, ohne auf Bonuszahlungen verzichten zu müssen. Ihre Taktik besteht dabei stets darin, den von ihnen beratenen Unternehmen zu suggerieren, dass ohne externe Berater der Untergang drohe beziehungsweise eine massive Steigerung des Firmenwerts die Folge eines Engagement der Beraterfirma wäre. Auch die unzugänglichsten Firmenchefs werden mittels fiktiver Zahlen, aufgedunsenen Schreckensszenarien, PR-Worthülsen und einer großen Portion Überzeugungskraft dazu bewogen, die teuren Berater mit einem längerfristigen Engagement auszustatten. Erweißt sich ein Entscheider als besonders harter Brocken, wird solange in seinem näheren Umfeld recherchiert, bis genügend komplimentierendes Material aufgetan wird, um ihn oder potentiell einflussnehmende Mitarbeiter auf den „richtigen“ Weg zurückzuführen.

Da geht doch was ...
© Paramount Pictures; Marty Kaan und Jeannie van der Hooven verbindet mehr als ihnen lieb ist.

Identitätssuche, falscher Stolz und vieles mehr

Der größte Teil der Serie spielt sich im beruflichen Umfeld der Consultants ab. Doch die Zuschauer erhalten auch immer wieder kurze Einblicke in das Privatleben der Protagonisten. So erfährt man etwa mehr über die Familie von Marty Kaan. Sein Vater Jeremiah, der an Parkinson leidet, wohnt bei ihm zuhause und hilft bei der Erziehung von Sohn Roscoe, der auf der Suche nach seiner sexuellen Identität bevorzugt in Frauenklamotten durch die Gegend rennt und auch im Rahmen eines Schulprojektes liebend gerne die weibliche Hauptrolle übernehmen würde. Diese Ausflüge in das Privatleben der Hauptfigur helfen die Figur des Marty Kaan besser kennenzulernen und tragen dazu bei, dass man ihn, trotz seiner skrupellosen und berechnenden Art, irgendwie zu mögen beziehungsweise zumindest respektieren lernt. 

Genialer Cast

Generell gilt für die Serie. Die Figuren sind bis in die Nebenrollen toll besetzt. Und auch wenn Don Cheadle als Marty Kaan sicher alle anderen überstrahlt, delivern auch die anderen Schauspieler richtig gut ab, wie man wohl im Beraterjargon sagen würde. Ben Schwartz als der obercoole Clyde Oberholt und Josh Lawson als schüchterner und unbeholfener Harvard-Absolvent Doug Guggenheimer liefern sich fortwährend einen freundschaftlichen Konkurrenzkampf, der einfach nur köstlich anzuschauen ist. Auch Kristen Bell überzeugt in ihrer Rolle als extrem ehrgeizige Jeannie von der Hooven, die eigentlich nur verzweifelt nach Anerkennung und Zugehörigkeit sucht. Ein echtes Highlight aber ist die Rolle von Martys Sohn Roscoe (Donis Leonard jr.), den dieser mit seiner völlig überdrehten Ex-Frau Monica gezeugt hat, welche Unternehmensberaterin bei dem schärfsten Konkurrenten von Galweather & Stearn ist und nur mit Pillen durch das Leben kommt. Es ist herrlich mit anzusehen, zu welchen immer neuen kreativen Ausrutschern sich Roscoe hinreißen lässt und wie er etwa verzweifelt darum kämpft, die weibliche Hauptrolle in der Schulaufführung von Grease übernehmen zu dürfen. 

Gesellschaftspolitische Themenauswahl

Thematisch dreht sich die Serie unter anderem um Selbstzweifel, Identität, die Suche nach Anerkennung, Vergangenheitsbewältigung, das kapitalistische System und die Macht von Sex. Die Themen kehren im Laufe der ersten Staffel immer wieder, ohne dass es dabei langweilig wird. Man freut sich auf jeden neuen Fall und ist gespannt, ob es Marty gelingen wird, sich auch gegen sehr mächtige Gegner in den eigenen Reihen durchzusetzen.  

Technisch gelungen sind die künstlichen Unterbrechungen, in denen sich Marty direkt an den Zuschauer wendet. Dabei erklärt er besondere Begriffe und nicht selten auch seine persönlichen Beweggründe, ohne dabei die Handlung zu verzögern. Dadurch fühlt sich der Zuschauer direkt angesprochen und gewinnt den Eindruck direkt in das Geschehen miteinbezogen zu werden. Das hilft zum einen dem besseren Verständnis, und schafft zum anderen Nähe zur Hauptfigur.

Nach „Dexter“, „Californication“ oder „Shameless“ ist „House of Lies“ das nächste außergewöhnliche Format des Pay-TV Senders „Showtime“. Die Themen sind hochaktuell und oft unangenehm. Die Serie kommt genau richtig in einer Zeit, in der viele Unternehmen auf die Hilfe von Consultants angewiesen sind. Die bunte Mischung aus schwarzem Humor, maßlosen Übertreibungen und Überzeichnungen und aktuellem Zeitgeschehen trifft dabei genau den richtigen Ton, um mit diesen Themen umzugehen. Dazu kommt ein überragender Don Cheadle, dem seine Rolle auf den Leib geschrieben worden zu sein scheint. 

Fazit: Eine tolle Serie, für Zuschauer, die sich auch bei Boston Legal amüsieren konnten. Ich erwarte schon sehnsüchtig die zweite Staffel, die bereits in den USA angelaufen ist. 

Thomas Hepp (Academicworld)
     

House of Lies (USA 2012)

Produktion: Matthew Carnahan

Darsteller: Don Cheadle, Kristen Bell, Ben Schwartz, Josh Lawson, Dawn Olivieri, Donis Leonard jr.

DVD-VÖ: 2. Mai 2013

Paramount Home Entertainment

Share.