J.L. Carrell: „Die Shakespeare Morde“

Der rasante Thriller behandelt eines der größten Rätsel der Literaturgeschichte: Wer war William Shakespeare und ist er tatsächlich der Autor der zahlreichen berühmten Dramen?

 

 

Verhängnisvolles Geschenk

Als Kate Stanley von ihrer ehemaligen Professorin, der Shakespeare-Expertin Ros Howard, ein Päckchen überreicht bekommt, ahnt sie noch nicht, in welche Gefahren sie dieses Geschenk bringen wird. Kurz darauf ist Ros tot und für Kate beginnt, den Mörder immer dicht auf den Fersen, ein Wettrennen um Wahrheit, Prestige und nicht zuletzt um ihr Leben.

Ein ungelöstes Rätsel

J.L. Carrells Roman „Die Shakespeare Morde“ erinnert stark an einen Dan Brown mit umgekehrten Rollen: eine weibliche Heldin, die sich als Expertin an die Entschlüsselung eines Rätsels macht, dass viele Leben kostet, mit einem männlichen Partner an ihrer Seite, der ihr den Rücken frei hält. Die mysteriösen, Symbol überhäuften Morde, die Suche an eigentlich unzugänglichen Orten, die Verfolgungsjagden und Wettläufe mit der Zeit … all das ist nicht neu. Aber deswegen nicht weniger spannend. Der Reiz der Shakespeare Morde liegt vor allem in der Thematisierung eines Rätsels, dass die Literaturwissenschaft seit Jahrhunderten beschäftigt: Kann William Shakespeare, Sohn eines einfachen Handschuhmachers aus Stratford-upon-Avon, der Verfasser jener Stücke sein, die heute auf der ganzen Welt bekannt und beliebt sind? Und wenn nicht, wer ist es dann und warum hat dieser Jemand sich so viel Mühe gegeben, anonym zu bleiben? Für einen literaturhistorisch interessierten Leser kann es kaum eine unterhaltsamere Art geben, sich mit den verschiedenen Theorien dieses interessanten Themas bekannt zu machen, als durch einen gut recherchierten Thriller.

Notizen sind hilfreich!

Carrell schreibt haarsträubend spannend und rasant. Leider manchmal so rasant, dass die Gefahr besteht, dass der Leser nicht mehr hinterher kommt. Das Buch ist, ganz nach Art klassischer Dramen, in fünf Akte aufgeteilt, die durch einen Prolog und vier Zwischenspiele ergänzt werden. Aber besonders in diesen Zwischenspielen, die im 17. Jahrhundert angesiedelt sind, werden so viele Namen und Begebenheiten auf engsten Raum gepresst, dass man schnell den Überblick und damit einen wesentlichen Teil der Handlung verliert. Dem geneigten Leser sei nahegelegt, sich Notizen zu den Verwandtschaftsgraden der diversen Lords und Ladys zu machen.

Fazit:

Ein spannender Roman, der spüren lässt, dass seine Verfasserin weiß, worüber sie schreibt. Ein Thriller, für den man zwar Nerven, aber keine Stahlseile braucht. Und eine Hommage der besonderen Art an einen Schriftsteller, der uns auch fast 400 Jahre nach seinem Tod noch in Atem hält.

464 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch (11. November 2009)

 

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