Jazzvampire in Soho

Peter Grant ermittelt wieder. Der Zauberschüler in Diensten der Londoner Bobbys bekommt es diesmal mit „ethisch fragwürdigen Magieanwendern“ und Jazzvampiren zu tun. Weil sein Lehrmeister Thomas Nightingale verletzungsbedingt lahm gelegt ist wird es ganz schön brenzlig in „Schwarzer Mond über Soho“.

Schwarze Magier?

Seit 50 Jahren ist Peter Grant der erste Zauberlehrling, den die Londoner Polizei ausbildet. Zusammen mit seinem Vorgesetzten Detective Inspector Thomas Nightingale bildet er die geheime Untereinheit ESC 9. Wann immer es nicht mit rechten Dingen zuzugehen scheint, werden die beiden gerufen. Wenn etwa einem armen Kerl auf der Toilette eines Clubs seines bestes Stück abgebissen wurde ? und zwar, so die übernatürlich geschulte Spurensicherung, vom zahnbewehrten Geschlechtsorgan einer „Frau“. Da ist guter Rat erst einmal teuer. Vor allem weil Peter diesmal weitestgehend allein unterwegs ist. Partnerin Lesley und Boss Nightingale kämpfen immer noch mit den Folgen des finalen Showdowns aus Buch 1.

Als wäre dieser Fall nicht schon mysteriös genug, wird Peter auch noch darauf gestoßen, dass in den Jazzkneipen Sohos erstaunlich viele Musiker kurz nach Auftritten das Zeitliche segnen – und das schon seit den 1940ern. Irgendetwas scheint ihnen die Lebensenergie auszusaugen. Sind hier etwa Jazzvampire am Werk? Mit der Unterstützung seines jazzverrückten Vaters nimmt er eine erste Spur auf. Und plötzlich nähern sich die beiden Fälle an. Es sieht ganz danach aus, als würden schwarze Magier hinter dem Übel stecken. Schwarze Magier? Allein bei dieser Bezeichnung muss der dunkelhäutige Peter einschreiten. Wie man dieselben denn dann nennen solle will Nightingale wissen. Peters Vorschlag: „Ethisch fragwürdige Magieanwender.“

Die wunderbare Zauberwelt im Herzen Londons

Jazz = Lebensenergie = Magie. Eine interessante Gleichung die Grant – und damit auch Autor Aaronovitch da aufstellen. Bleibt abzuwarten, ob sich die kühnen Theorien des Londoner Zauberlehrlings im nächsten Band bewahrheiten oder ob er und Nightingale den veränderten Gegebenheiten der Magier-Welt weiterhin gewachsen sind. Es wird aber bestimmt, wie auch hier, wieder sarkastisch und humorvoll kommentiert vom Erzähler Peter, dem man einfach gerne in die wunderbare Zauberwelt folgt, die oft gar nicht allzu weit entfernt ist von der Realität. Genau das macht Aaronovitchs Geschichte auch aus. Fest verankert in der Londoner Gegenwart, in den detailliert geschilderten Schauplätzen und Milieus wirkt die Magie fast wie ein homogener Bestandteil des Ganzen. Auch die schwermütige Düsternis mancher Bücher der sogenannten Urban Fantasy hat der britische Autor nicht nötig. Er überzeugt mit einer gelungenen Mischung aus Realitätssinn und Gespür fürs Absurde.

Rezension "Schwarzer Mond über Soho"

Auf jeden Fall sollte sich der geneigte Leser vorher den ersten Band ?Die Flüsse von London? zu Gemüte führen, sonst werden Handlungsbogen und Figurenmotive richtig schwer nachvollziehbar. Wer sich aber in der Welt der modernen Magier Londons einmal zurechtgefunden hat, der kann an Peters Seite einen weiteren spannenden, skurrilen und überaus britischen Fall erleben.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Ben Aaronovitch. Schwarzer Mond über Soho
9,95 Euro. dtv

Stand Juni 2012
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