Ja zum Nachwuchs

Warum die Entscheidung keine rein weibliche sein darf und ein klares „Nein“ besser ist als ein vorsichtiges „Vielleicht“

Katharina Ohana, Psychologin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Frauen werden im Alter zwischen zwanzig und vierzig Jahren permanent der Frage ausgesetzt, ob sie Kinder haben möchten. (Ein sehr positiver Aspekt des Älterwerdens jenseits der vierzig ist u.a., dass diese Frage und der dazugehörige Druck verschwinden.) Das Bangen um die Zukunft der Gesellschaft schein dieser das Recht zu geben Frauen massiv zu beeinflussen oder zu bewerten, so dass sie eigene Gefühle zu dem Thema oft nicht richtig wahrnehmen, verdrängen oder als unzulässig und falsch empfinden. 

Seltsamerweise werden die männlichen Partner dieser weiblichen Altersgruppe mit dieser Frage in der Öffentlichkeit nicht konfrontiert. Sie sind eigentlich die einzigen, die ein Recht haben diese Frage an ihre Partnerinnen zu stellen, doch sollten sie durch eine öffentliche Diskussion auch in die Pflicht genommen werden sie für sich selbst zu beantworten. 

Alte Väter tun Kindern nicht gut. Und alt meint hier Väter ab dem Alter vonMitte vierzig. Wenn ihre Kinder die Schule verlassen werden sie Rentner und fast siebzig sein, mit den dazugehörigen Krankheitsstatistiken und der Belastung ständig steigender Ausbildungskosten, um ihren Kindern eine gute Chance auf eine Zukunft zu gewähren. Leider wird diese einfache Rechnung von bindungsunwilligen Männern meist verdrängt. 

Darüber hinaus sollte es auch von Interesse sein, warum Männer sich eine Familie so selten zutrauen. Ist bei Frauen die nach wie vor schwerwiegende Unvereinbarkeit mit der Karriere der stärkste Grund für die Kinderlosigkeit, galt diese Tatsache ja nie für Männer. Und es ist doch recht seltsam, dass sich bisher niemand um eine erklärende Antwort auf die Frage bemüht hat.

Also: Warum tun sich die Männer unserer Gesellschaft, besonders die der Mittelschicht zwischen zwanzig und vierzig so schwer mit der Kinderfrage? 

Es gibt wenig Männer, die eine gerade und eindeutige Aussage dazu machen: Ja, ich will Kinder und ja soweit wir uns kennen, kann ich mir das mit Dir vorstellen. Männer die solche Aussagen machen, haben alle eines gemeinsam: Ein Selbstwertgefühl, dass sich zutraut mit einer Frau glücklich zu werden und die Verantwortung für Kinder zu übernehmen. Wenn man als Frau Familie haben möchte sollte man nach so einem Mann Ausschau halten.

Man sollte von ihm aber nicht erwarten, dass er als alleiniger Familienernährer die Verantwortung trägt. (Selbst wenn er das wollte, ist es für Frauen in psychologische, sozialer und ökonomischer Sicht völlig unratsam den eigenen Beruf aufzugeben.) Und man kann seinen Partner durchaus fragen – auch schon am Beginn einer Beziehung – wie er sich so einen Familienalltag, einen Haushalt und die Arbeits- und Verantwortungsteilung vorstellt. Vielleicht kommt man sich dann in dieser Diskussion auf die Schliche, wo man selbst diese Herausforderung nicht richtig durchdacht hat, unzulässige Versorgungsansprüche oder konservative, überkommene Vorstellungen hat.

Wer das unromantisch findet, sollte wissen, dass eine Liebe, in der man über die pragmatische Organisation seiner gemeinsamen Zeit oder die gegenseitiger Erwartungen nicht reden kann, immer eine gefährdete Liebe ist. Selbst ein Ehevertrag bedeutet nicht das Ende am Anfang schon zu erwägen (was übrigens ein typisches Argument für die stille Sehnsucht nach Versorgung vieler Frauen ist), sondern spätere Beziehungs-Krisen nicht mit finanziellen Abhängigkeiten zu verschärfen. Offene Absprachen sind immer ein Schutz für Beziehungen, Kinder und die Möglichkeit sich und den Partner mit seinen Hoffnungen und Einstellungen wirklich kennen zu lernen. 

Also: Warum sollte ich so tun als wollte ich keine Kinder oder wüsste es noch nicht genau, wenn ich genau weiß, dass sich diese Frage im Zusammenhang mit dem eigenen Alter auf jeden Fall stellt und ich auch eigentlich schon eine Antwort habe (auch wenn ich die aus Angst vor Zurückweisung nicht gerne eingestehen möchte)? Wenn Männer keine Kinder wollen, dann sollen sie das sagen. Wenn sie eine Frau belügen, belasten sie mit diesem unmoralischen Verhalten ihr eigenes Selbstwertgefühl und ihren Charakter. Das mag altmodisch klingen, doch letztlich stehen wir uns auch heute immer noch als Menschen gegenüber, die einander an ihrem Verhalten, ihrer Charakterstärke messen, die selten dauerhaft zu kaschieren sind.

Wenn ein Mann Zweifel an eine Frau als Mutter der gemeinsamen Kinder hat, kann man fragen oder sagen, was denn konkret nicht stimmt und wertvolle, wenn vielleicht auch schmerzhafte Selbsterkenntnis und Klarheit gewinnen.Wenn er aber nur auf eine eventuell „bessere“ Partie hofft (hübscher, jünger, schlanker, brünetter, blonder…), ist er mit Sicherheit nicht Mr. RIGHT – egal wie er aussieht, egal wie erfolgreich er ist. Jemand der für sein Selbstwertgefühl Beistand von einem Topmodel braucht, ist ein „armes Würstchen“ (um es mal ganz unpsychologisch zu formulieren), mit dem man sein Leben und seine Kinder nicht teilen sollte. 

Wenn ein Mann glaubt die Beste aller Frauen sei gerade gut genug für seine „echten Gefühle“, hat er ein narzisstisches Problem und irgendwann sicher auch eines mit der Realität und seinem Leben. 

Es ist leider so, dass sich diese Selbstschutzregeln so einfach und klar anhören, die Wahrhaftigkeit, die richtige innere Einstellung und das richtige Verhalten offensichtlich überzeugen – aber doch sehr schwer umzusetzen sind. Das liegt an unserem eigenen Selbstwertgefühl, an unserem eigenen inneren Kind, das sehnsuchtsvolle Erwartungen stellt und nicht bereit ist diese aufzugeben, an Projektionen, die den Mann vom Frosch zum Prinzen verblenden, was so viel befriedigender ist, als der mühsame Weg zu einem eigen stabilen Selbstwertgefühl. 

Die grundsätzlich Frage bei der Suche nach dem Traumpartner ist: Was macht Mr./Mrs RIGHT zu meinem Mr./Mrs. RIGHT?  Schaffen wir es auch mit den Standardbegriffen aus Internetportalen (Humor, gemeinsames Lachen, gemeinsame Interessen und Rotwein vorm Kamin) vielleicht noch andere zu täuschen und innere Tiefe zu suggerieren, sollten wir uns immerhin selbst unsere kapitalen Sehnsüchte eingestehen und hinterfragen: Falle ich auf einen Werbetraum herein, glaube ich den falschen Versprechungen der Bestsellergeschichten und Boulevardmagazine? Sehe ich den anderen, wie er ist, oder wie ich ihn mir wünsche – und dann enttäuscht sein werde von meinen eigenen infantilen Erwartungen. 

Oder um es mal mit einem Vergleich aus unserem Computerzeitalter darzustellen: Warum kaufe ich mir ein Apple-Laptop, wenn ich für 600 Euro weniger ein PC-Laptop mit exakt derselben Leistung bekomme? Fühle ich mich besser durch die Marke, weil ich anderen zeigen will, dass ich mir einen Apple leisten kann? Bin ich, weil ich mir einen Apple leisten kann, ein besserer Mensch? Oder bin ich eigentlich nur ein unsicherer Mensch, jemand der sich selbst schadet, 600 Euro zum Fenster raus wirft, weil er eine Selbstaufwertung von einem äußeren Symbol erwartet?! Denn was ich in den Computer hineinschreibe, mit ihm erarbeite, wird auch nicht besser auf einem Apple (auch wenn von allen Bildverarbeitern immer etwas anderes behauptet wird. Aber wie viel hochbezahlte Spezialisten brauchen diesen geringen Vorteil wirklich? Wie viele Leute sitzen mit ihrem Apple-Laptop im Café und machen völlig banale Textverarbeitung…)

(Auszug aus Katharina Ohanas Buch „Auf der Suche nach Mr. RIGHT. Oder: Liebe in Zeiten des Kapitalismus.“ Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Sommer 2013

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