Ironische Liebeserklärung an die Literatur

Thursday Next ist zurück. In ihrem fünften Abenteuer bekommt die Literaturagentin es mit ihrem eigenen literarischen Ich, Buchterroristen und der eigenen Vergangenheit (oder doch Zukunft?) zu tun.

Bibliotheken in Gefahr? ©Rainer Sturm / pixelio.de

Auf ein Neues
Einmal mehr zeigt sich Ffords überschäumende Phantasie von ihrer besten Seite. Dass er und Thursday mittlerweile quasi in einer parallelen Jetztzeit angekommen sind ist besonders nett an diesem Band. Das größte Problem für die Buchwelt: Die Konzentrationsfähigkeit der Menschen geht zurück und damit auch die Zahl der Leser und Lesungen. Deshalb wurden auch die Literaturagenten von SpecOps in den Ruhestand geschickt.

Nach außen hin lebt Thursday daher nun ein ruhiges und beschauliches Leben als Chefin eines Bodenbelaghandels mit Häuschen, Ehemann und Kindern. Doch unter der Oberfläche brodelt es gewaltig. Ohne ihrem Mann Landon etwas davon zu sagen arbeitet sie weiter im Dienste der Buchwelt und zieht zur Finanzierung der geheimen Tätigkeiten einen gigantischen Käseschmuggel auf. Außerdem muss sie sich noch mit ihren eigenen literarischen Ichs abplagen, herausfinden warum Sherlock Holmes tot ist und einmal mehr die Welt vor der gefährlichen Goliath Corporation beschützen.

Oder doch eher altbewährtes?
Ganz neu sind die Ideen im fünften Band der Reihe nicht mehr, aber allein durch die Tatsache des Doppellebens von Thursday zwischen biederer Familienmutter und Spezial Agentin tun sich neue skurrile Momente auf, die ein Nicht-Schmunzeln fast unmöglich machen.

Die Realtitäten verschwimmen, aber in sich sind Ffords Bücher stets schlüssig und kohärent – und dann auch noch ein extrem fieser Cliffhanger am Ende … wo doch schon beinahe alles gut war. Und ein Gattungskrieg zwischen erotischer, religiöser und feministischer Literatur – inklusive Buchterrorismus – gerade noch abgewendet werden konnte.

Für den speziellen Bücherfreund
Auch die Tatsache der Abnehmenden Bedeutung der gedruckten Bücher für die meisten Menschen und die zurückgehende Lesetätigkeit finden ihren würdigen Niederschlag und – wie schön für alle Bücherfreunde – auch ihre Lösung.

Wie schon die Vorgänger Bände wieder einmal ein richtiger Lesespaß für eine sehr spezielle Zielgruppe: bibliophile Vielleser mit klassischem Buchwissen und Spaß an phantastischen Spinnereien und hochgeistigen Späßen und Anspielungen. Aber auch alle anderen, die sich in Thursday Nexts Universum verirren wären gut unterhalten.

Gisela Stummer (academicworld.net)


Buchcover zu „Irgendwo ganz anders“ © dtv Verlag

Jasper Fforde: Irgendwo ganz anders

9, 95 Euro, Dtv – Verlag


Stand: Herbst 2011
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