Indisch mal anders

Ila vereinsamt in ihrer Ehe. Doch ihre Heimatstadt Mumbai beherbergt noch weitere einsame Seelen, wie den Witwer Saajan. Ein Zufall führt die beiden zusammen, doch hält das Schicksal wirklich ein Happy End für sie bereit?

Ila auf der Suche nach neuen Zutaten, schließlich sollen sie ihre Ehe retten. © NFÜ marketing & distribution
Ila auf der Suche nach neuen Zutaten, schließlich sollen sie ihre Ehe retten. © NFÜ marketing & distribution

Mumbai. Ilas Ehe ist emotional am Boden. Tagtäglich kümmert sie sich um ihre Tochter, das Essen ihres Mannes, die Hausarbeit. Abends kommt ihr Mann zurück und spricht kein Wort mit ihr. Sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben und möchte ihrer Beziehung wieder etwas mehr Würze verleihen: In einer sogenannten Lunchbox schickt sie ihrem Mann eine ganz besondere Mahlzeit in sein  Büro. Doch der lässt sich abends nichts anmerken und Ila merkt – die Lunchbox kam bei einem anderen an, dem es offenbar ziemlich geschmeckt hat. Doch wer ist der mysteriöse Unbekannte? Sie legt der nächsten Lunchbox eine Nachricht bei. Der Beginn einer Brieffreundschaft über das Leben.

Einsam inmitten von Millionen: Saajan in Mumbai. © NFÜ marketing & distribution
Einsam inmitten von Millionen: Saajan in Mumbai. © NFÜ marketing & distribution

Saajan ist derjenige, bei dem Ilas vorzügliches Essen ankommt. Überrascht liest der baldige Frührentner die Nachricht und antwortet. Allerdings ist es nicht gerade eine nette oder gar romantische Antwort und so kommt es, dass Ila ihrerseits einige Worte an ihn zurückschickt. Inklusive Überdosis Chilis im Essen. Sie unterhalten sich über das Leben, die Liebe, suchen gemeinsam den Sinn dahinter. Die beiden einsamen Großstadtseelen merken, dass sie mehr wollen vom Leben. Vielleicht sogar miteinander. Kann eine so ungewöhnlich gewöhnliche Geschichte ein Happy End haben?

Die Kritik

Theoretisch mit Sicherheit. In einer typischen Hollywood-Verfilmung wären am Ende sicherlich die rosa Herzchen geflogen. Was nicht heißen soll, dass der Film schlecht ausgeht, zu viel soll an dieser Stelle schließlich nicht verraten werden … 

Anders ist gut

Filme über Indien sind selten. Zumindest, wenn man Bollywood beiseite lässt und die zahlreichen Dokumentationen über indische Gottheiten, denn dann wird das Filmmaterial scheinbar irgendwie rar. LUNCHBOX bietet die dringend benötigte Abwechslung dazu. Ein typischer Indie-Film ist er aber auch nicht und genau wegen dieser Gratwanderung ist er so anders. Man weiß nicht, was man erwarten soll, man weiß nicht, was passieren wird. Das fesselt und macht sehr neugierig.

Es geht nicht immer nur darum, was ein Film durch seinen Inhalt aussagt. Auch, was nicht gesagt wird, kann eine Botschaft darstellen: LUNCHBOX demonstriert eindrucksvoll, dass es keine komplizierte Story braucht oder tausend Explosionen, um gute Unterhaltung zu bieten. Dass man keine Klischees über Länder transportieren muss, damit die Zuschauer ‚sich identifizieren können‘. Oder, dass man tatsächlich auch in einem fiktiven Kinofilm etwas Neues über ein Land erfahren kann. Die Dabbawallas beispielsweise, deren System für den Transport der Lunchboxes ein ganz eigenes Geflecht ist.

Den Film gibt es jetzt für alle im Handel – inklusive eines ordentlichen Booklets. Das ist mittlerweile ja leider eine Seltenheit oder wenn vorhanden, dann als „Deluxe“-Boc deklariert. Nicht so bei LunchBOX. Übrigens: Damit die Liebe auch wirklich durch den Magen geht, findet ihr in besagtem Booklet sogar Rezepte … 

Wer braucht schon Hollywood-Klischees wie „eat, pray, love“, wenn er Lunchbox haben kann.

Bettina Riedel (academicworld.net)

LunchBOX

Regie: Ritesh Batra
Darsteller: Irrfan Khan, Nimrat Kaur
Im Handel: 28. Mai 2014

Im Verkauf von NFP marketing & distribution

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