In den Schatten

Film noir ist ein Terminus aus dem Bereich der Filmkritik. Ursprünglich wurde mit diesem Begriff eine Reihe von zynischen, durch eine pessimistische Weltsicht gekennzeichneten US-amerikanischen Kriminalfilmen der 1940er und 1950er Jahre klassifiziert, die im deutschen Sprachraum auch unter dem Begriff „Schwarze Serie“ zusammengefasst werden. Der wunderschöne Bildband aus dem Taschen Verlag fasst den Begriff ein wenig weiter.

In den Schatten

The streets were dark with something more than night.

Verbrechen, Wollust und Niedertracht hielten in den 40er Jahren Einzug im Kino. Gut, ja, gegeben hatte es diese Triebfedern des Handelns auch davor schon, aber die ihnen Ausgesetzten und Nachgebenden waren stets von Grund auf durchtriebene Gestalten, klassische Bösewichte, Kreaturen der Unterwelt. Nun aber sind die dunklen Triebe auch im Bürgertum angekommen. Die Zeiten klarer Schwarz-Weiß-Charakterzeichnungen sind vorbei. Der Trend der Stunde nennt sich Film Noir.

Die Welt dieser Gattung ist voller Schatten und Graubereiche, meist bevölkert von Privatdetektiven, Gangstern und der ein oder anderen Femmes fatales. Von den Ursprüngen im Stummfilm über die die klassische Phase der moralischen Schwarz-Weiß-Malerei von Hollywoods „Schwarzer Serie“ (etwa Billy Wilders „Frau ohne Gewissen“, aber auch „Die Wendeltreppe“, „Gilda“, „Die blaue Dahlie“, „Tote schlafen fest“, „Berüchtigt“) bis zum Neo-Noir unserer Tage (etwa „Drive“ und „Black Swan“): Dieser schwergewichtige Fotoband versammelt von 100 Filmen, die man dieser Gattung zuschreiben kann das originale Filmplakat und die besten Standbilder, Angaben zu Besetzung und Crew, Zitate aus dem jeweiligen Film und Kritikerstimmen sowie eine fundierte Analyse des Werks. Optisch eine Augenweide und eine Zier für jedes Bücherregal. Obwohl: Eigentlich viel zu schade, um es in geschlossenem Zustand ins Regal zu stellen.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Paul Duncan, Jürgen Müller. Film Noir. 100 All-Time Favorites

39,99 Euro. TASCHEN

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