Imperator à la mode

Er ist einer DER großen Namen des Modebusiness: Yves Saint Laurent. Doch so selbstverständlich er heute dazugehört, umso härter war sein Werdegang in den Modehimmel. Mit welchen Abgründen der Modezar kämpfen musste, will nun eine Verfilmung zeigen.

Der Meister in sein Metier vertieft: Schöne Frauen interessieren ihn nicht, es ist die Schönheit an sich, die ihn fasziniert. ©SquareOne/Universum
Der Meister in sein Metier vertieft: Schöne Frauen interessieren ihn nicht, es ist die Schönheit an sich, die ihn fasziniert. ©SquareOne/Universum

Paris, 1957. Der gerade einmal 21-jährige Yves Saint Laurent ist einer der talentiertesten Nachwuchsdesigner Frankreichs. Aktuell glänzt er als rechte Hand des Modeschöpfers Christian Dior. Als dieser unerwartet stirbt, wird Yves zum künstlerischen Leiter ernannt. Die Zukunft scheint glorreich.

Das kann natürlich nicht alles gewesen sein. Seine Kreativität stagniert und letztendlich muss er das Unternehmen wieder verlassen. Doch geschlagen gibt er sich noch lange nicht: Er will sein eigenes Modehaus gründen. Er kämpft gegen seine Konkurrenz, für die nötigen finanziellen Mittel und nicht zuletzt mit der Gesellschaft, mit der er einfach nicht zurechtkommt. Doch trotz seiner inneren Kämpfe gelingt es Yves Saint Laurent, die Welt der Mode für immer zu revolutionieren und er wird zu einem der bedeutendsten, innovativsten und einflussreichsten Modeschöpfer aller Zeiten  …

Der Sonnenschein als natürliches Rampenlicht. In dem der Menschen zu stehen, ist Yves zuviel. Im Hintergrund: Sein Freund, Bergé. ©SquareOne/Universum
Der Sonnenschein als natürliches Rampenlicht. In dem der Menschen zu stehen, ist Yves zuviel. Im Hintergrund: Sein Freund, Bergé. ©SquareOne/Universum

Die Kritik

Der Fokus der Biografie liegt auf seiner Beziehung zu Pierre Bergé. Doch während der Film versucht, mit sexuellen Szenen zwischen den Männern „elegant zu schockieren“, übergeht er eines der wichtigsten Themen: Wie ging man denn in diesen Jahren mit offensichtlich homosexuellen Männern um? In einer Zeit, in der Frauen an den Herd gehörten, war das mit Sicherheit kein elegantes Spielchen. Wenn die Polizei eines ignorierte, dann wie viel Geld ein Homosexueller besaß – er war quasi Vogelfrei. Da bringt es leider nichts, wenn Bergé und Laurent sich unbändig gerne küssen, hier hat der Film wesentliche Themen ignoriert.

Was überzeugt, ist die Optik des Films. Ob man nun auf die gewählten Locations achtet oder die Modelle, die Yves wirklich selbst designt hatte damals – das Auge erfreut sich an der authentischen Eleganz. Sie bewirken, dass der Zuschauer sich wünscht, damals die FLiege an der Wand gewesen zu sein.

Nun ist es aber nicht so, als wäre Mode der einzige Inhalt des Films. Der Konflikt in Algerien, Yves Geburtsland, beeinflusst ihn genauso sehr wie die Vorwürfe, die er seiner Mutter machen möchte – weil sie ihn als Kind nie beschützt hat, beispielsweise vor den Bullies in der Schule. Auch seine Einberufung zu der französischen Armee wird thematisiert, denn er führt zu einem großen Zusammenbruch.

Die Außenwelt ist zu hart, also flüchtet sich Yves in Drogen und rauschende Parties. ©SquareOne/Universum
Die Außenwelt ist zu hart, also flüchtet sich Yves in Drogen und rauschende Parties. ©SquareOne/Universum

Pierre Niney gelingt eine gute Schauspielleistung, so wie er Yves Saint Laurent spielt. Er ist das große Genie mit den unendlichen Emotionen, der endlosen Unruhe und eine gepeinigte Seele. Doch äußerlich ist er die Ruhe selbst mit dem ewig gleichen, fast schon seeligen Lächeln. Der Star der Modewelt, der einfach nichts anderes machen wollte als sich der Schönheit zu widmen. Ein Porträt eines zerissenen Mannes, das obgleich es etwas an Tiefe fehlt, dennoch sehenswert ist.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Yves Saint Laurent

Regie: Jalil Lespert
Darsteller: Pierre Niney, Guillaume Gallienne, Charlotte Le Bon, Laura Smet

Seit dem 5. September im Vertrieb der Universum Film GmbH als DVD, BluRay und VoD für das Heimkino erhältlich

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