Im Fort George – historische Fakten und pure Fantasie

Der über 600 Seiten starke Roman von Bernard Cornwell spielt im Nordamerika des Jahres 1779 zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges. Der Autor betont in seinem Vorwort, dass er sich größtenteils an historische Fakten und Personen gehalten hat, der Rest entstand in seiner Fantasie.

Buchcover zu „Captivate, Kill or Destroy“

Die Engländer auf amerikanischem Boden
So findet sich der Leser nun mitten im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wieder und nimmt an der Besetzung Majabigwaduce in der Penobscot Bucht durch die Briten teil. Die Briten errichten dort das Fort “George”. Mit diesem Stützpunkt soll die Loyalität der Englischen Krone auf amerikanischem Boden demonstriert werden.

Dieses Vorhaben können die Amerikaner verständlicherweise nicht dulden und machen es sich zur Aufgabe, die “Rotröcke” möglichst schnell zu vernichten. Daher wird eine riesige Streitmacht an Soldaten und Milizionären mit 40 Schiffen entsandt, was bisher die größte Marineexpedition überhaupt darstellt.

Perspektivwechsel im Kriegsalltag
Cornwell erzählt immer abwechselnd aus der Sicht der Amerikaner und Engländer, sodass der Leser stets erfährt, wie weit die Expedition Penobscot voranschreitet beziehungsweise wer gerade welchen Schritt plant.

Dabei nimmt er Teil am Aufbau des Forts, bekommt mit, wie sich Soldaten “freiwillig” zum Dienst melden oder erfährt auch, wie hart jemand bestraft wird, wenn er versucht, vor dem Dienst zu flüchten – oder dass auch gerne mal falsche Kanonenkugeln bestellt werden. Der „Alltag“ im Krieg wird sehr realistisch dargestellt.

Besonders interessant und mitreißend wurde es, wenn die Amerikaner kurz vorm Angreifen waren und man förmlich die Nervosität auf beiden Seiten spüren konnte.

Zudem geht es nicht gerade zimperlich zur Sache, wenn die Kanonen ihr Ziel gefunden haben oder es zum Nahkampf mit der Muskete kommt. Erwähnenswert ist auch der starke Glaube an Gott, der die Männer stets neu motivierte den Krieg zu führen.

1776: "Washington überquert den Delaware" (Gemälde von Emanuel Leutze)

Nicht nur historische Fakten
“Das Fort” weiß zu unterhalten, obwohl die Geschichte wahrlich keinen Pageturner darstellt. Man merkt, dass der Autor viel und ausführlich recherchiert hat. Damit keine bloße Aneinanderreihung historischer Fakten entsteht, erfährt man zur Auflockerung viel Privates über die Soldaten und auch über die Anwohner. Sehr hilfreich fand ich die beigefügten Karten und auch die original abgedruckten Briefe am Ende eines Kapitels. Sie trugen zum besseren Verständnis bei.

(Sandra Hein, academicworld userin)

Bernard Cornwell. Das Fort.

24,95 Euro. Wunderlich.


Stand: Oktober 2011

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