„Ig-Noble-Prize“: Bahnbrechendes muss nicht nobel sein

Jahr für Jahr wird neben dem normalen und doch etwas sehr gewöhnlichen Nobelpreis, ein weiterer, unkonventioneller Nobelpreis verliehen. Nicht in Norwegen, sondern im alt ehrwürdigen Sanders Theater in Harvard.

Das offizielle Ig-Noble-Prize Maskottchen ©http://improbable.com

Hier werden Forschungen ausgezeichnet, die jeder wissenschaftlichen Analyse standhalten, aber darüber hinaus eher geringen Nutzen für die Menschheit bedeuten, sondern eher zum Schmunzeln anregen. So wird der Preis auch auf der offiziellen Website angekündigt: „The Ig Nobel Prizes honor achievements that first make people laugh, and then make them think.“

Der Preis wird von einer Jury, die aus der Redaktion des Magazins „Annals of Improbable Research“ und Mitgliedern der Harvard-Universität besteht, verliehen. Mittlerweile ist der Ignoble-Preis zu einer  nicht-verschmähenswerten Auszeichnung geworden, die von normalen Nobelpreisträgern überreicht werden.

Seit 1991 wird der Ignoble-Preis in verschiedenen, gelegentlich wechselnden Kategorien verliehen. Manchmal schleicht sich bei der Auszeichnung auch etwas Ironie mit ein. So wurde der erste Ignobel-Preis in der Kategorie „Frieden“, wurde der Physiker Edward Teller für seine Forschungen an der Wasserstoffbombentechnik „geehrt“. Er wurde für „seinen lebenslangen Einsatz, die Bedeutung von ‚Frieden‘ nachhaltig zu verändern“, ausgezeichnet.


Hier einige Sieger der letzten fünf Jahre mit ihren menscheitsverändernden Erkenntnissen:


Frieden:
Arturas Zuokas, der Bürgermeister von Vilnius, Litauen, für den Nachweis, dass das Problem mit illegal geparkten Luxusautos gelöst werden kann, indem man sie mit Panzern überrollt.

Physiologie: Anna Wilkinson, Natalie Sebanz, Isabella Mandl und Ludwig Huber für ihre Studie „Keine Hinweise auf ansteckendes Gähnen bei der rotfüßigen Riesenschildkröte Geochelone carbonaria“.

Medizin: Mirjam Tuk, Debra Trampe und Luk Warlop und gemeinsam Matthew Lewis, Peter Snyder, Robert Feldman, Robert Pietrzak, David Darby und Paul Maruff für den Nachweis, dass Menschen bessere Entscheidungen über einige Arten von Dingen fällen – aber schlechtere Entscheidungen über andere Dinge – wenn sie einen starken Harndrang haben.

Chemie: Makoto Imai, Naoki Urushihata, Hideki Tanemura, Yukinobu Tajima, Hideaki Goto, Koichiro Mizoguchi und Junichi Murakami für die Bestimmung der idealen Dichte von Wasabi-Geruch (scharfem Meerrettich), um schlafende Menschen im Falle eines Brandes oder einer anderen Notsituation zu wecken und für die Anwendung dieses Wissen, um den Wasabi-Alarm zu entwickeln.

Management: Alessandro Pluchino, Andrea Rapisarda und Cesare Garofalo von der Universität von Catania (Italien) für den mathematischen Nachweis, dass Organisationen effizienter wären, wenn sie Mitarbeiter nach dem Zufallsprinzip beförderten.

Physik: Lianne Parkin, Sheila Williams und Patricia Priest von der University of Otago (Neuseeland) für die Demonstration, dass, auf vereisten Fußwegen im Winter, die Leute seltener ausgleiten und hinfallen, wenn sie Socken über den Schuhen tragen.

Ingenieurwesen: Karina Acevedo-Whitehouse und Agnes Rocha-Gosselin von der Zoologischen Gesellschaft London (Vereinigtes Königreich) und Diane Gendron vom Instituto Politecnico Nacional, Baja California Sur (Mexiko) für die Perfektionierung einer Methode, mit Hilfe eines ferngesteuerten Helikopters Wal-Rotz zu sammeln.

Mathematik: Gideon Gono, Direktor der Zentralbank von Simbabwe, für eine „einfache und alltägliche Möglichkeit“ zur Übung des Umgangs mit Zahlen aus einem großen Zahlenbereich, durch die Ausgabe von Geldscheinen mit Werten von einem Cent (0,01 $) bis hin zu einhundert Billionen Simbabwe-Dollar (100.000.000.000.000 $).

Physik: Katherine K. Whitcome der University of Cincinnati, Daniel E. Lieberman der Harvard University und Liza J. Shapiro der University of Texas (alle USA) für die rechnerische Begründung, warum schwangere Frauen nicht vorne überkippen.

Frieden: Stephan Bolliger, Steffen Ross, Lars Oesterhelweg, Michael Thali und Beat Kneubuehl der Universität Bern (Schweiz) für die experimentelle Untersuchung der Frage, ob es besser ist eine volle oder eine leere Bierflasche auf dem Kopf zertrümmert zu bekommen. Das Ergebnis: Ein Schädeltrauma bekommt man in beiden Fällen, weniger schwerwiegend für die Gesundheit ist aber die volle Flasche, da diese früher bricht.

Wirtschaft: Geoffrey Miller, Joshua Tyber und Brent Jordan, weil sie aufzeigten, dass die Trinkgelder erotischer Tänzerinnen vom Menstruationszyklus abhängig sind, und dass sie am höchsten ausfallen, wenn die Tänzerin am fruchtbarsten ist.

Medizin: Dan Ariely für seine Demonstration, dass teure Placebos besser wirken als billige.

Luftfahrt: Einem Team der Universität von Quilmes, Argentinien, für die Entdeckung, dass Viagra Hamstern hilft, sich von einem Jetlag zu erholen.

Frieden: Dem Wright Laboratorium der U.S. Air Force, weil es Forschungsarbeiten über chemische Waffen angeregt hatte, welche gegnerische Truppen schwul machen sollten.

Linguistik: Ein Team der Universität von Barcelona für den Nachweis, dass Ratten nicht in der Lage sind, eine Person, die japanisch rückwärts spricht, von einer Person, welche niederländisch rückwärts spricht, zu unterscheiden.

Medizin: Francis M. Fesmire von der University of Tennessee, College of Medicine, für seinen medizinischen Fallbericht: Beendigung von unbehandelbarem Schluckauf durch rektale Fingermassage.

Quellen: improbable.com, wikipedia.org

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