Schmocks sind ein schwerwiegendes Problem

Neueste Studien zeigen, dass anmaßende Vorgesetzte die Leistung ihrer Mitarbeiter verringern. academicworld.net sprach mit Professor Rick Larrick von der Duke Fuqua School of Business über Gründe und Hintergründe.

Ab welchem Punkt kommt dazu, dass sich Dominanz in Überheblichkeit verwandelt und dadurch zu Ineffektivität führt?

Wer kennt sie nicht: Meetings, die nicht nur lange dauern und wenig effizient sind, sondern in denen man selbst nicht zu Wort kommt, weil ein dominanter Kollege permanent das Gespräch an sich reißt. Was passiert aber, wenn es sich dabei um den Chef selbst handelt?

Dieser Frage ging Rick Larrick von der Duke Fuqua School of Business gemeinsam mit Leigh Plunkett von der Tost University of Michigan und Francesca Gino von der Harvard University auf den Grund. Im Rahmen von drei Studien fand die Gruppe heraus, dass anmaßende Vorgesetzte die Produktivität und Kreativität ihrer Mitarbeiter hemmen. Academic World sprach mit Professor Rick Larrick über die Hintergründe.

Auf den ersten Blick scheint es nicht unbedingt logisch, dass sich die Dominanz eines Vorgesetzten negativ auf Teamarbeit auswirkt. Schließlich erwarten wir von Führungskräften Durchsetzungsvermögen, oder? Ab welchem Punkt kommt es nach Ihren Forschungserkenntnissen dazu, dass sich Dominanz in Überheblichkeit verwandelt und dadurch zu Ineffektivität führt?

Es gibt natürlich Situationen, in denen Angestellte erwarten, dass Vorgesetzte die Kontrolle übernehmen. Speziell in Krisenzeiten ist es wichtig, dass das obere Management die Richtung vorgibt und ein Gefühl des Vertrauens schafft. Direktiven sind vor allem dann sinnvoll, wenn jeder seine Aufgaben kennt und er oder sie diese nur noch ausführen soll.

Bei anderen Aufgaben hingegen ist eine differenzierte Betrachtung sehr wichtig. Insbesondere komplexe Arbeiten können meist nicht von einer Person alleine erledigt werden. Deswegen ist Teamwork wichtig. Der Zweck von Unternehmen besteht ja auch darin, Menschen mit verschiedenen Erfahrungen und Ausbildungen zusammenzubringen, damit sie komplizierte Probleme gemeinsam lösen können. Es ist genau dieses Umfeld, das eine dominante Führungskraft stört. Wenn ein Vorgesetzter übermäßig viel Zeit damit verbringt, seine eigene Sicht darzustellen, vergibt er die Chance, von seinen Mitarbeitern hilfreiche Lösungsvorschläge zu erhalten.

Wie sind Sie im Rahmen Ihrer Studien vorgegangen?

Unser Projekt untersuchte Gruppenaufgaben, bei denen jeder Teilnehmer davon profitierte, wenn unterschiedliche Perspektiven und Beiträge miteinander geteilt wurden. Dabei variierten wir die Gruppen danach, ob ein Anführer bestimmt wurde. Falls ja, untersuchten wir, was passierte, wenn wir diesen Vorgesetzten an bereits vergangene Situationen erinnerten, in denen er Macht ausüben konnte. Diese Methode der Erinnerung wird in der Psychoanalyse auch „Priming“ genannt. Sie wird gerne angewandt, um den Einfluss von Machtgefühlen beobachten zu können. Es gibt zum Beispiel Schlüsselereignisse wie geglückte Präsentationen oder den erfolgreichen Abschluss eines Projekts, die einen regelrechten Rausch an Machtgefühlen erzeugen. Diese Momente sind potenziell gefährlich.

Worin liegt die Gefahr, wenn ein Vorgesetzter die Diskussion seines Teams dominiert?

Das Problem besteht darin, dass Vorgesetzte mit einer machtbewussten Attitüde ihre Mitarbeiter nicht ausreichend nach deren Einschätzungen und Vorschlägen fragen. Dies wird durch formale Rollen und Titel zusätzlich verstärkt. Denn Mitarbeiter in niedrigeren Positionen neigen dazu, sich Vorgesetzten zu fügen.

Professor Rick Larrick von der US-amerikanischen Fuqua School of Business erforscht, wann dominante Vorgesetzte zum Problem werden.

Einer meiner Beweggründe, diese Untersuchung durchzuführen, war es, mein eigenes Verhalten gegenüber Doktoranten zu beobachten. Wenn sie in mein Büro kamen, um Forschungsideen zu diskutieren, fühlte ich mich berechtigt – ja sogar verpflichtet dazu – die Unterhaltung am Laufen zu halten. Die Studenten ließen mich meist gewähren. Aber nach einer Stunde waren wir in der Regel kein Stück schlauer als zuvor. Das lag vor allem daran, weil ich die Studenten nicht dazu ermuntert hatte, in die Unterhaltung einzusteigen. Es erschien mir, als hätte ich die Chance vertan, neue Dinge zu lernen. Darunter litt auch die gemeinsame Kreativität.

Wie sollte ein Vorgesetzter seine Mitarbeiter zu Beiträgen ermutigen, ohne dabei zu riskieren, dass die Diskussion vom Weg abkommt?

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, um die gleichberechtigte Teilnahme an Diskussionen zu ermöglichen. Die wirklich entscheidenden Dinge passieren jedoch schon lange vor jedem Meeting: Vorgesetzte müssen eine produktive Arbeitsatmosphäre und Vertrauen zwischen sich und ihren Mitarbeitern aufbauen und fördern.

Das ermuntert Teammitglieder sich an Diskussionen zu beteiligen. Gleichzeitig muss der Vorgesetzte vermeiden, aufkommende Stille ausfüllen zu wollen oder einfach für alles, was er selbst denkt, Bestätigung erlangen zu wollen. Er muss lernen, sich zurück zu nehmen, offene Fragen zu stellen und anderen den Raum zu geben, eigene Gedanken einzubringen.

Arbeiten Gruppen ohne Leitung Ihren Untersuchungsergebnissen nach produktiver, oder ist ein Vorgesetzter wichtig für das Team, solange er andere Meinungen und Perspektiven zulässt?

In manchen Fällen haben wir führungslose Teams gebildet, und diese funktionierten besser als Teams mit einem machtbewussten Vorgesetzten. Die besten Gruppen hatten aber eine Teamleitung, die nicht an ihre Macht erinnert wurde. Vorgesetzte spielen eine wichtige Rolle, weil sie Struktur verleihen. Im Rahmen dieser Ordnung müssen sich aber alle beteiligen können. Eine solche Struktur kann auch in einer Gruppe ohne Führung entstehen, wenn eine Person die Verantwortung übernimmt oder sich das Team im gegenseitigen Einverständnis selbst organisiert.

Welche Erkenntnisse können Unternehmen aus Ihren Forschungsergebnissen nutzen, um ein konstruktives Führungsklima entstehen zu lassen?

Meiner Meinung nach ist es am Wichtigsten, dass insbesondere Führungskräfte in neuen Positionen besonnen handeln. Bei der Ausübung von Kontrolle entsteht leicht ein Überschwang. Tritt dieser Fall ein, ziehen Vorgesetzte meist alles an sich. Sie fühlen sich verpflichtet, diese Rolle einzunehmen. Sich dessen bewusst zu sein, ist die beste Art und Weise, um alle Teammitglieder und deren Erfahrungsschatz effektiv einzubinden.

 

 Stand: 2014
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