Hört, hört!

Der Sommerurlaub naht und mit ihm die ein oder andere langweilige Reisestunde – vom Stau wollen wir noch nicht einmal anfangen. Was zur Aufmunterung fast immer hilft: Gute Unterhaltung. Zum Beispiel mit neuen Hörbüchern. Wir stellen euch ein paar Beispiel für jeden Geschmack vor.

Hört, hört!

Die Liebe in Paris – Nobelpreisträger zum Hören

Ein halbes Jahrhunder, ein halbes Leben, ist es her, seit Jean in den 1960er Jahren in Paris die geheimnisvolle Dannie kennlernte. Aus der Erinnerung heraus und vor allem auf seine damaligen Aufzeichnungen gestützt, taucht Jean noch einmal ein in den geheimnisvollen und unheilsamen Strudel der Ereignisse, um das verschwinden dieser Frau, die ihn so in ihren Bann zog. Im Unic Hôtel und der nahe gelegenen Bar 66, hatte die ganze Sache vor einem halben Jahrhundert angefangen: zwischen ihm und Dannie, einem blassen, sommersprossigen Mädchen mit hellbraunen Haaren, die im Neonlicht der Nacht fast blond wirkten, das so viele Namen wie Adressen hatte und mit einer zwielichtigen Bande, die Kontakte nach Marokko unterhält, verkehrte. Kurze Zeit waren sie ein Paar, doch dann verschwand die Schöne von einem Tag auf den anderen spurlos. 

All die Verwicklungen, die sich in Dannies Umfeld ergeben, spielen auf einen tatsächlichen historischen Fall an, der 1965 in Frankreich zu einer Staatsaffäre führte: die Entführung und Ermordung des marokkanischen Exilpolitikers Ben Barka in Paris.

So läuft „Gräser der Nacht“ letztlich auf einen Kriminalroman hinaus. Ein moralisches Urteil über die Tat fällt Modiano nicht, ebenso wenig wie er zuvor bei der Beschreibung der Vergangenheit in Schwärmerei oder Nostalgie verfallen ist. Er lässt die Dinge im Ungefähren, konzentriert sich ganz auf die Schilderung der Atmosphäre. Und das kann er wirklich ungemein gut. Und Ulrich Matthes erzählt es wunderbar melancholich. 

Patrick Modiano. Gräser der Nacht. Ungekürzte Lesung mit Ulrich Matthes.

19,99 Euro. Hörbuch Hamburg.

Hört, hört!

Zurück in die Zukunft oder warum man mit der Zeit nicht spielen sollte

Das erste Abenteuer haben sie gerade so noch überlebt: Chevie Savano, jugendliche FBI-Rekrutin aus dem 21. Jahrhundert und der Waisenjunge Riley aus dem London von 1899. Als Chevie sich zurück in ihre eigene Zeit macht, stellt sie allerdings fest, dass ihre Abenteuer in der Vergangenheit nicht folgenlos blieben. Sie haben den Zeitstrahl verändert – und nicht zum Positiven. In Chevies neuer Gegenwart herrscht Krieg allenthalben und an ihre bisheriges Leben kann sie sich nur in der „überarbeiteten“ Version erinnern. Immerhin gibt es trotzdem noch eine WARP-Kapsel. Also schnellstens zurück zu Riley in die Vergangenheit und gutmachen, was noch gutzumachen ist. Doch auch dort brauen sich im Untergrund Bedrohungen zusammen, die sich gewaschen haben.  FBI Agent Colonel Box aus der Zukunft, der sich seit dreißig Jahren in den Katakomben von London versteckt, plant einen Aufstand, der den Lauf der Geschichte verändern wird.

Schon seit der Artemis Fowl Reihe sollte klar sein: Eoin Colfer kann seine überschäumende Phantasie und seinen schrägen Humor ganz wunderbar in Buchform bringen. Da machen auch die WARP-Bücher keine Ausnahme. Absolut für die anvisierte jüngere Zielgruppe geeignet, aber auch für große Hörer ist die Erzählung ein Genuss. Und die Stimme von Rainer Strecker passt hervorragend dazu.

Eoin Colfer. WARP – Der Klunkerfischer. Gekürzte Lesung mit Rainer Strecker.
19,99 Euro. Hörbuch Hamburg.

Hört, hört!

Ein Hammer – Im Kampf gegen den Donnergott

Mit Schulden ist das so eine Sache: Wenn man gleich wieder neue eingehen muss, um von den alten loszukommen, hat man niemals seine Ruhe. So geht es auch dem Druiden Atticus O’Sullivan. So muss er nicht nur einen Unsterblichkeit verleihenden goldenen Apfel besorgen, sondern auch den mächtigen und grausamen Donnergott Thor aus dem Verkehr ziehen. Dabei war es die letzten 2.000 Jahre eine mehr als probate Überlebensstrategie sich von genau dem fernzuhalten. Denn der nordische Donnergott ist nicht nur ein Aufschneider und Rüpel, sondern hat viele Leben vernichtet und unzählige Unschuldige auf dem Gewissen. Der uralte und doch ewig junge Druide und Wolfshund Oberon sind wieder in Aktion. Mit dabei: die verrückten Rabbi-Geisterjäger, die polnischen Hexen, ein Schwung Werwölfe, Vampire sowie die nordischen Götter und ihre römischen Kollegen. Im dritten Teil der Reihe kommt es dabei zu einem Showdown, der sich hören lassen kann.  

Soviel Sarkasmus und Humor bringen nur wenige Autoren unter, wenn sie sich epischen Fantasy-Gefechten widmen. Dabei kommen weder Situationskomik, noch Actionsequenzen zu kurz. Ein weiterer kurzweiliger und extrem unterhaltsamer Ausflug in die Welt des Übernatürlichen.

Kevin Hearne. Gehämmert. (Die Chronik des Eisernen Druiden, Band 3). Ungekürzte Lesung mit Stefan Kaminski.

19,99 Euro. Hörbuch Hamburg.

Gisela Stummer (academicworld.net)

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