„Hört doch mal auf einen alten Mann!“

Das könnte tatsächlich bald von Reacher kommen. Der gute Mann trampt immer noch durch die Staaten und stolpert von einem Verbrechen in das nächste – obwohl er doch eigentlich nur trampen wollte! Und niemand hört auf ihn, jeder weiß alles immer besser. Hier lest ihr alles über das neueste Abenteuer von Jack Reacher.

Steht ein Mann mit gebrochener Nase an der Interstate und hält den Daumen raus … Klar, da wundert sich selbst Reacher nicht, dass niemand ihn mitnehmen will. Der mann mit der zusammenklappbaren Zahnbürste in der Hosentasche ist auf dem Weg nach Virginia, wo er endlich die Frau zu der Stimme kennenlernen will, die er bei seinem vorletzten Fall kennengelernt hat.

Und jetzt? Sitzt er hinter dem Lenkrad eines  Wagen, von dem er sich ziemlich sicher ist, dass es ein Fluchtfahrzeug ist. Die Frau auf der Rückbank ist ein Entführungsopfer und die beiden Typen? Einer ist eindeutig psychopathisch veranlagt, der andere erschießt ihn nicht, als er es eigentlich tun sollte. Und weil Reacher eben Reacher ist, außerdem sein Grundsatz „Wir sind alle Menschen“ greift, hilft er der Frau auf der Rückbank. Die eigentlich nicht wirklich Hilfe braucht. Dann tauchen FBI, CIA, NSA und sonstige Regierungsorganisationen auf, um sich mit dem Fall zu befassen – das Chaos ist perfekt.

Die Kritik

Wie immer ist Lee Childs Beschreibung von Reacher durch elegantes Understatement geprägt. Warum kompliziert, wenn es auch so simpel sein kann: Weil wir alle Menschen sind. Weil wir anders aussehen, aber alle rot bluten. Mit diesen Maximen wird Reacher zum Glück nie zu dem großen, starken, blonden, patriotischem Held, der so US-typisch wäre. In anderen Worten: Er ist kein Captain America-wannabe. In der Hinsicht also auch in diesem Band alles entspannt und sympathisch.

Der inhaltliche Hintergrund zu DER ANHALTER ist geradezu simpel, die Situation, in die Reacher hinein stolpert, tatsächlich realistisch. Es geht viel um „was wäre wenn“-Gedankenspiele, die vor allem aus Reachers Sicht behandelt werden. Es geht um Logik, und genau deswegen sind Lee CHilds Bücher so gut: Weil sie am Ende vollkommen glaubhaft sind. Er muss nicht mit möglichst bestialischen Morden auftrumpfen, um Spannung zu erzeugen. Er kriegt das auch so ganz wunderbar hin. Für alle, die die Nase voll haben vor Vorstadt-Mutti-Krimis und auch mit Riota Falk nichts anfangen können. Lee Child schreibt Krimis für Leser, die mitdenken wollen!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Lee Child. Jack Reacher – Der Anhalter.
Blanvalet. 19,99 Euro.

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