H. M. Naqvi: Home Boy

 Drei Pakistani in New York

„Plötzlich waren wir Japsen, Juden, Nigger. Das war das Neue seitdem. Wir selber sahen uns lieber als Renaissancemenschen, Flaneure, Bonvivants, wir – das waren AC, Jimbo und ich. Wir hatten uns überwiegend selbst erfunden und selbst erschaffen und waren überzeugt, die Finger am Puls der großen Weltdialektik zu haben.“

Die drei jungen Pakistanis sind Freunde und teilen – vor allem das Leben und New York.
Da das Buch von jedem selbst gelesen werden muss, um dessen Schönheit, Tragik, Ironie und Intention verstehen zu können, möchte ich nur die Rahmenfakten besprechen und es dem Leser selbst überlassen zu urteilen.

Der 11. September verändert alles

Die drei jungen Männer werden hart getroffen von den Vorfällen am 9/11. Die Stadt ist wie gelähmt. Doch nicht das Ereignis, uns allen wohl bekannt, steht im Mittelpunkt des Geschehens. Der Tag wird in wenigen Zeilen beschrieben und lässt uns schnell zu den jungen Männern in einem Café kommen: Betroffene Mienen und die Ahnung, dass das Leben nie wieder so sein wird, wie es einmal war.
Sie beschließen, einen Freund in dessen Haus außerhalb von NY aufzusuchen, ebenfalls Pakistani, von dem sie seit den Anschlägen nichts mehr gehört haben. Im Haus des Freundes werden sie vom FBI als Terroristen verhaftet und verhört. Die Behandlung, die sie erfahren müssen, lässt sie nachdenken. Wo soll die Reise des Lebens hingehen? Was will ich? Wo will ich sein? Wer will ich sein? Das Leben im Paradies bekommt große Risse für die drei Männer. Und am Ende trifft einer von ihnen eine überraschende Entscheidung.

Wunderbar facettenreich und ironisch

Ein wirklich wunderbares Buch, das nicht nur durch Herzblut, hervorragende Dialoge und eine Riesenportion Wortwitz und Ironie besticht. Dieses facettenreiche Buch beschreibt das Leben nach dem 9/11, wie es von den potentiellen Terroristen erlebt wird. Eine Stadt, die vor kurzem noch so multi-kulturell war und für jeden das Sinnbild der unbegrenzten Möglichkeiten ? aus der Traum. Und jetzt? Die Stadt hat sich verändert. Die Menschen haben sich verändert.

(JD)

320 Seiten
Kiepenheuer & Witsch (18. November 2010)
9,95 Euro


Stand Februar 2011
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