Gruppentherapie vom Feinsten

Die Silvesternacht mit ihrem Übergang vom alten ins neue Jahr ist gleichzeitig die Nacht mit der höchsten Selbstmordrate. So scheint es gar nicht so verwunderlich, als Martin auf dem Dach eines Hochhauses plötzlich nicht mehr der einzige ist, der springen möchte. Die etwas andere Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft.

A LONG WAY DOWN - ein ungewöhnliches Treffen vier Fremder auf dem Dach eines Hochhauses. © DCM
A LONG WAY DOWN – ein ungewöhnliches Treffen vierer Fremder auf dem Dach eines Hochhauses. © DCM

Martin (Pierce Brosnan), JJ (Aaron Paul), Maureen (Toni Collette) und Jess (Imogen Poots) verbindet eines: Der Wunsch, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Die Gründe? Vielfältig. Von Scham über Angst bis hin zu  einem ungewissen Gefühl des Verlorenseins. Hätten sie sich nicht zufällig getroffen, hätten sie einzeln ihren Plan vermutlich durchgezogen. Im Kollektiv aber regt sich etwas, das einem gegenseitigen Beschützerinstinkt gleicht – sie hindern sich gegenseitig am Springen und liefern Jess, die in der Zwischenzeit einen Versuch mit Pillen hingelegt hat, im Krankenhaus ab.

Der Versuch, Kapital aus ihrer Situation zu schlagen? Missglückt. © DCM
Der Versuch, Kapital aus ihrer Situation zu schlagen? Missglückt. © DCM

Gemeinsam allein

Jess ist es auch, die dort spontan einen Pakt schmiedet und alle darauf verpflichtet, sich bis zum Valentinstag in sechs Wochen nicht umzubringen – dem Tag mit der zweithöchsten Suizidrate. Und so kehrt jeder in sein eigenes Leben zurück und glaubt, die anderen nie wieder zu treffen. Eine weit gefehlte Annahme, denn seit der Nacht auf dem Hochhaus sind ihre Schicksale untrennbar miteinander zu einer etwas anderen Freundschaft verwoben. Als sich dann auch noch herausstellt, dass der ehemalige Fernsehmoderator Martin nicht die einzige „Berühmtheit“ der Gruppe ist und die Geschichte mit dem Selbstmordpakt an die Öffentlichkeit gelangt, ist nichts mehr wie es war. 


Die Kritik

Dem Film liegt das gleichnamige Buch von Nick Hornby zugrunde. Sein britisch-schräger Humor schafft es auch hier wieder aus den kleinen und großen Dramen des Lebens eine lustig-absurde Geschichte voller Lebensfreude und Hoffnung erwachsen zu lassen. Und die herausragenden Schauspielleistungen in „A Long Way Down“ tun ihr übriges dazu, dass der Film aus der Masse heraussticht. Und irgendwie zwar ziemlich britisch ist, aber fast alle altbekannten Ecken und Klischees umschifft. 

Die Beste im Bunde ist definitiv Imogen Poots als Jess. Sie springt von einer Emotion in die nächste, ist ein herrlich sonderliches Geschöpf und hat bei aller Traurigkeit dennoch immer das größte Lächeln im Gesicht. Sie ist es auch, die aus dem Film eine berührende Erzählung macht und aus dem Thema „Selbstmord“ keine melancholisch-romantische Angelegenheit. Denn es geht weniger um die geplanten Suizide, sondern wie man den Spaß am Leben wieder finden kann.

Aber auch der gute Pierce mit seiner sanften Stimme passt perfekt zu seiner Rolle, wobei man sich schon fragt, ob der sehr von sich überzeuge Martin, für den nur der Ruhm zählt, nicht doch auch in Wirklichkeit ein bisschen in ihm schlummert. Und Toni Collette schlüpft sowieso stets aufs Neue wie ein Chamäleon in jede neue Rolle – so auch hier als Maureen, das Ausbund an Mutterliebe. Und das Aaron Paul schauspielern kann, das dürfte sich spätestens seit Breaking Bad auch herumgesprochen haben. Alles in allem ein recht vortreffliches Selbstmord-Quartett. Und ein Film, der wirklich unterhaltsam, tiefsinnig, lustig, traurig, skurril und liebevoll ist. Wer ein Herz hat: Anschauen!

Gisela Stummer & Bettina Riedel (academicworld.net)

A LONG WAY DOWN

Regie: Pascal Chaumeil
Darsteller: Pierce Brosnan, Aaron Paul, Toni Collette, Imogen Poots

Im Verleih von DCM ab 3. April 2014 in den deutschen Kinos

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