Große Themen, knallbunt verpackt

Auf den ersten Blick ist „Alles steht Kopf“ ein verrückter, bunter Streifen über Gefühle. Doch es steckt mehr dahinter: Disney Pixar hat sich hier einer komplexen, eigentlich zutiefst ernsten Thematik angenommen. Ein Film, der auch für Erwachsene einiges bereit hält…

© 2014 Disney•Pixar.  All Rights Reserved.
© 2014 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Riley ist ein glückliches Kind – im Gefühls-Kontrollzentrum ihres Verstandes hat Freude als erste die Steuerung übernommen. Diese besondere Verbindung spiegelt sich in zahlreichen gelb gefärbten Erinnerungskugeln wider. Die Situation kippt aber, als die inzwischen Elfjährige mit ihrer Familie von Minnesota nach San Francisco umziehen muss. Die Trennung von ihren Freunden und dem geliebten Eishockey macht ihr sehr zu schaffen. Als auch noch der Umzugswagen ausbleibt, die Pizza in der neuen Stadt sich als Katastrophe herausstellt und sie vor der neuen Klasse in Tränen ausbricht, ist Riley völlig am Boden.

Spontantrips angesagt

In der Gefühls-Kommandozentrale ihres Verstandes bricht inzwischen das Chaos aus: Die Persönlichkeitsinseln, aus besonders prägenden Erinnerungen gebaut, werden instabil. Kummer sorgt zudem für Aufruhr, indem sie fröhliche Erinnerungen in traurige, blaue verwandelt. Bei einem Handgemenge geraten sie und Freude versehentlich ins große Langzeitgedächtnis. Von fern müssen sie mit ansehen, wie sich das Unheil in Rileys Verstand zusammen braut. Zu allem Überfluss beschließen Ekel, Wut und Angst, Riley solle sich auf eigene Faust wieder nach Minnesota davon machen… 

Regisseur Pete Docter und Produzent Jonas Rivera. Bild: 2015 Getty Images
Regisseur Pete Docter und Produzent Jonas Rivera. Bild: 2015 Getty Images

Auf der verzweifelten Suche nach dem Rückweg ins Kontrollzentrum treffen Freude und Kummer auf Bing Bong, Rileys imaginären Freund aus frühen Kindertagen. Er möchte ihnen den Weg zum Gedächtniszug zeigen, auf dem sie sich durch verschiedene Bewusstseinsebenen schlagen und gemeinsam viele Abenteuer erleben.

Mit Tempo und Taschentuch

Mit „Alles steht Kopf“ hat sich Disney Pixar nach einigen Sequels nun eines neuen, sehr schwierigen Themenkomplexes angenommen. Der Animationsfilm glänzt mit quirligen Figuren, einem hohen Tempo und Verspieltheit in den Details einerseits. Zum anderen ist das Thema gut durchdacht und umgesetzt: Vereinfacht, aber intelligent werden die Gefühlsspektren und inneren Konflikte eines jungen Mädchens nachvollziehbar dargestellt. Tiefgründig und gleichzeitig knallbunt schafft Disney es einmal wieder – und vielleicht besser als je zuvor – Groß und Klein in den Bann zu ziehen.

Doch der hohe Anspruch und die Tiefgründigkeit bringen auch Schwierigkeiten mit sich. Denn so spielerisch der Film das Thema Gefühle angeht, so kann man hier doch kaum die Komplexität reduzieren. Pixar hat das verstanden, aber man fragt sich, ob die Thematik für kleinere Kinder immer erfassbar ist. Auch kommen traurige und unheimliche Szenen vor, beispielsweise wenn Freude und Kummer in die Traumland Studios platzen oder durch den Unterbewusstseins-Wald streifen, die für Kleinkinder möglicherweise nicht ohne Weiteres geeignet sind. Die Moral von der Geschichte schließlich liegt selbst für das ältere Publikum nicht offen auf der Hand. Vielleicht hätte diesmal eine höhere Altersfreigabe besser getan – damit hätte man zwar die Zielgruppe verkleinert, aber auch den Spagat zwischen umfassendem Thema, Slapstick und Knallbonbon-Look.

Kreative Köpfe und technische Höchstleistung

Nichtsdestotrotz ist „Alles steht Kopf“ ein großartiger Film, mit dem Disney Pixar sich glanzvoll wieder auf seinem Thron im Kreise der Besten niederlassen kann. Besonders vor der Leistung des Animationsteams muss man den Hut zur sehr tiefen Verbeugung ziehen. Technisch und kreativ auf höchstem Niveau hat man sich hier wirklich etwas einfallen lassen, um die Emotionen als solche von den „Festkörpern“ zu unterscheiden und kein Detail dem Zufall zu überlassen. Zusammenfassend kann man guten Gewissens prognostizieren: So schnell macht diesem Werk keiner was vor!

Verena Bauer (academicworld.net)

ALLES STEHT KOPF

Regie: Pete Docter
Darsteller: Freude, Wut, Kummer, Ekel und Angst

Seit dem 1. Oktober im Verleih von Disney Pixar im Kino.

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