Grenzen der Menschlichkeit

Eine Brücke verbindet Ciudad Juarez in Mexiko mit der Stadt El Paso in den USA. Die Brücke ein Hotspot für Schmuggler, die Städte immerwährende soziale und politische Brennpunkte. Das sind die Schauplätze einer neuen und extrem packenden TV-Serie: The Bridge.

Sie kommen aus verschiedenen Welten: Detective Ruiz und Sonya Cross. © Byron Cohen/FX Network
Sie kommen aus verschiedenen Welten: Detective Ruiz und Sonya Cross. © Byron Cohen/FX Network

Schon Serj Tankian stellt in seinem Track “borders are” fest: “Borders are the gallows of our collective national egos. Subjective lines in sand, in the water, separating everything.”

Doch so unterschiedlich die Länder Mexiko und die USA auch sind – als eine Leiche mitten auf dem Grenzübergang gefunden wird, müssen die Polizistin Sonya Cross (Diane Kruger) und Detective Marco Ruiz (Demián Bichir) wohl oder übel zusammenarbeiten. Ein Traumteam sind sie nicht gerade: Sie hat ihre Emotionen seit dem Mord an ihrer Schwester komplett unterdrückt – von Empathie keine Spur. Marco andererseits kämpft mit seiner Ehe, weil er nicht zu den Treuesten seiner Artgenossen gehört.

Ein eigenwilliger US-Journalist mit Alkoholproblem und seine mexikanische Kollegin © Byron Cohen/FX Network
Ein eigenwilliger US-Journalist mit Alkoholproblem und seine mexikanische Kollegin © Byron Cohen/FX Network

Aus einem ungewöhnlichen Mord wird schnell ein undurchsichtiges Schauspiel. Die vermeintliche Leichte besteht aus den Körperhälften zweier Frauen, die eigentlich nichts miteinander zu tun hatten. Als der Mörder dann den Journalist Daniel Frye (Matthew Lillard) gegen dessen Willen in den Fall verwickelt, gibt es mehr Fragen als Antworten. Daniel seinerseits ist nicht untätig und funkt Sonya immer wieder dazwischen. Dass er alkoholabhängig ist, fördert die Kommunikation zwischen ihm, der Polizei und dem Mörder nicht so besonders.

Wie passt nun die schöne Charlotte ins Bild? Sie ist frisch verwitwet und Eigentümerin einer riesigen Ranch. Durch Zufall findet sie heraus, dass es einen Tunnel zwischen der Ranch und Mexiko gibt. Prompt setzen weitere Beteiligte sie unter Druck. Von ihrer Verbindung zu Detective Ruiz ganz zu Schweigen … 

Frisch verwitwet und schon mittendrin im Schlammassel: Charlotte bei Verhandlungen mit einem der Kartelloberhäupter in Mexiko. © Prashant Gupta/FX Network
Frisch verwitwet und schon mittendrin im Schlammassel: Charlotte bei Verhandlungen mit einem der Kartelloberhäupter in Mexiko. © Prashant Gupta/FX Network

Zeit zum Nachdenken hat niemand – der Killer hält sie alle auf Trab. Während sie versuchen, seine Schritte nachzuvollziehen, ist er ihnen immer einen voraus. Eines ist klar – er spielt ein grausames und perfides Spiel mit ihnen allen.

Bei „The Bridge“ handelt es sich um ein US Remake der dänischen Originalserie. In letzter Zeit häufen sich die Remakes – denkt man beispielsweise an House of Cards (Original: BBC). Nicht immer wendet sich damit alles zum Besseren. Eine Ausnahme davon: The Bridge. Grandios besetzt mit Diane Kruger, die als Empathie-arme Polizistin vielleicht sogar ihre Paraderolle gefunden hat. Natürlich hat die Blondine als hübsche Ermittlerin den Status der Augenweide. Dadurch, dass Sonya Cross aber eine rein rational denkende Person ist, die mit Moral und Empathie kämpft, verkommt sie nicht zu einem „Dummchen“. Ergänzt wird ihre Rolle durch Demián Bichir, der auch nicht als typischer Schönling gilt. Offensichtlich wird hier eher auf starke Charaktere gesetzt und das merkt man der Serie an: Sie hat Hand und Fuß, ergibt Sinn, fordert den Zuschauer auch einmal ein bisschen heraus und nach typischer Hollywood-Schönfärberei muss man lange suchen.

Wer eine Serie à la CSI erwartet, während der in jeder Folge ein ganz normaler Mord aufgeklärt werden muss, liegt falsch. Zum Glück! Durch die gesamte erste Staffel zieht sich die Geschichte rund um die halbierten Toten. In jeder Folge wird sie durch neue Charaktere, Handlungsverläufe und gegenseitige Verwicklungen ergänzt – bis sich der Zuschauer mittendrin wiederfindet und selbst nicht mehr weiß, wo vorne und hinten ist.

Es ist geradezu grandios, mit anzusehen, wie jeder der so unterschiedlichen Charaktere am Ende mit den übrigen zusammenhängt. Kein Faden bleibt lose, jeder beeinflusst den anderen – teilweise, ohne davon zu wissen. Das macht aus „The Bridge“ keine Serie, bei der man die Folgen zusammenhangslos schauen sollte. Denn würde man essenzielle Informationen verpassen – das wäre geradezu fatal. Wer nur eine gelegentliche Unterhaltung sucht, liegt hier also falsch: The Bridge zieht den Zuschauer komplett in seinen Bann.

Einziges Mini-Manko: Ganz am Anfang jeder der vier DVDs sieht man das Symbol der beiden Leichenhälften mi t der Brücke gemischt – und im typischen Cinco de Mayo Comicstil. Mehr mexikanische Einflüsse lassen sich nicht feststellen, hätte aber durchaus das Layout aufpolieren können. Aber auch ohne dieses Detail ist „The Bridge (America)“ eine der spannendsten Krimi-Serien, die es derzeit für euer Home Entertainment gibt.

Bettina Riedel (academicworld.net)

The Bridge, erste Staffel
FSK: 18

Darsteller: Diane Kruger, Demián Bichir, Annabeth Gish, Matthew Lillard
Seit dem 15. August auf DVD, BluRay und VoD im Vertrieb der 20th Century Fox Home Entertainment im Handel erhältlich

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