Grazia und Anmut – zu viel des Guten

Als 1956 Grace Kelly den Fürsten Rainier III von Monaco heiratet, steht die Welt Kopf: Es ist die Traumhochzeit schlechthin, eine Liebe wie aus dem Kino. Wie es dabei sechs Jahre später um Gracia Patricia von Monacos Selbstverständnis steht – hin- und hergerissen zwischen den Identitäten der Fürstin und der Schauspielerin – damit befasst sich der Film „Grace of Monaco“ mit Nicole Kidman in der Hauptrolle. Ab 2. Oktober auf DVD!

Grazia und Anmut - zu viel des Guten
© SquareOne / UNIVERSUM

Die große Begeisterung über das Märchen um die schöne Schauspielerin und den Fürsten hat sich 1962 gelegt: Beide sind in der knallharten Wirklichkeit angekommen. Grace Kelly (Nicole Kidman, „The Hours“) hat sich als Fürstin von Monaco um die Kinder und die Repräsentation des Fürstenhauses zu kümmern. Ihr Leben besteht aus öffentlichen Auftritten, der Teilnahme an Komitee-Sitzungen und der Organisation von Tanzbällen. Es ödet sie an, sie hat keinen Spielraum zu Kreativität, alle Vorschläge und Bemühungen etwas sinnvolles zu tun, etwa ein Krankenhaus auszubauen, werden von den reichen Damen, die mit in den Komitees sitzen abgeblockt. Als plötzlich Alfred Hitchcock auftaucht und Grace eine Rolle in seinem nächsten Film anbietet, sieht sie endlich die Möglichkeit zum Ausbruch aus ihrem goldenen Käfig.

Fürst gegen Fürstin

Gleichzeitig befindet sich der Staat Monaco in der Krise, Fürst Rainier III (Tim Roth, „The Incredible Hulk“) kämpft mit Charles de Gaulle einen Streit um die Unabhängigkeit Monacos von Frankreich aus: De Gaulle missfällt Monacos Status als Steuerparadies und möchte beteiligt werden, er droht mit einer militärischen Blockade des Stadtstaates, der dem nichts entgegenzusetzen hat. Diplomatisches Geschick und verhandlungsstärke sind gefragt – da kommt der öffentliche Wirbel um Graces mögliches Comeback in die Filmbranche höchst ungelegen. Nun muss sich die vernachlässigte Diva entscheiden: zwischen Monaco und Hollywood, zwischen Familie und Freiheit, zwischen ihrem eigen Heil und dem des Fürstentums.

Die Kritik

Eine Entscheidung, die die zierliche Grace zu zerreißen scheint, zumindest ihrem höchst angestrengten Gesichtsausdruck nach zu urteilen, der im Film gern und ausdauernd gezeigt wird – stets eine Sekunde zu lang. Insgesamt wirkt die Umsetzung der Geschichte ziemlich hölzern, Nicole Kidman gibt sich zwar alle Mühe, aber gegen eine flache, mit Klischees bestückte Story kommt sie allein auch nicht an. Tim Roth geht seine Rolle als unter Druck gesetzter Staatsmann da leichter von der Hand, aber auch er kommt nicht umhin, die Stereotypen vom Frauen unterdrückenden Monarchen zu bedienen. Für Fans der monegassischen Adelsfamilie oder Grace Kelly ein empfehlenswerter Film, denn die geschichtlichen Zusammenhänge und Kostüme sind gut gelungen. Wer aber die Spannung eine Polit-Thrillers à la „Die Unbestechlichen“ erwartet lebt in der gleichen Traumwelt wie die, die sagen das Leben einer Fürstin sei ein Zuckerschlecken.

Von Miri Köbner (academicworld.net)


Grazia und Anmut - zu viel des Guten
© SquareOne / UNIVERSUM

Grace of Monaco

Darsteller:
Nicole Kidman, Tim Roth, Frank Langella
Regie:
Olivier Dahan

Ab dem 2. Oktober 2014 als DVD, Blu-ray und Video on Demand.

Share.