Gottgleiche Wanderer zwischen den Welten

„Tron: Legacy“ baut zwar auf dem Vorgängerfilm „Tron“ von 1982 – mitunter als Klassiker des Science-Fiction Films gehandelt – auf, doch zum Verständnis ist dessen Kenntnis nicht nötig.

Gottgleiche Wanderer zwischen den Welten
Schöpfung und Kind schlagen vereint zurück. Bilder: Disney

Sam Flynn hatte es nicht leicht. Mitten in der Gutenacht-Geschichte des 7-jährigen musste sein Vater weg – und kam nie zurück. Jetzt ist Sam 27, unabhängig, technisch versiert und dabei alles andere als erwachsen. Statt die väterliche Konzernleitung zu übernehmen hat er es sich zur Gewohnheit gemacht selbigem einmal jährlich ordentlich ein Bein zu stellen. Aktueller Schachzug: Das neue, in langen Jahren kostspielig entwickelte Programm landet gratis im Internet. Ansonsten ist sein einziger Bezugspunkt sein kleiner Hund. Durch seine Guerillaaktionen glaubt er, dem väterlichen Vorbild nachzueifern. Und das hat die oberste Priorität für ihn.

Auf Vaters Spuren

Kein Wunder also, dass er sobald er von seines Erzeugers ehemals bestem Freund erfährt, dass er auf seinem uralten Pager eine Nachricht aus dem längst verlassenen Büro erhalten hat, dort hin eilt. Dem Familienschicksal folgend wird auch er in die computerinnere Realität gezogen und muss dort bald um seine Existenz fürchten. Doch wie sich bald herausstellt ist er nicht allein in den unendlichen Weiten des Cyberspace: auch Vater Kevin Flynn ist hier. Seit Jahren wird er von seiner eigenen Schöpfung Cal dort festgehalten. Von Anfangseuphorie des Users, der zum Schöpfer wird geblendet, hat er erst zu spät verstanden, das seine digitalen „Kinder“ sich gegen ihn wenden – letztlich durch eigene Fehler verschuldet. Eine harte Aufgabe für Vater und Sohn …

 

 

Bildgewalt und fehlende Tiefenschärfe

Eskapismus wirft  man dem Film – zumal dem phantastischen – ja gerne einmal vor. Hier wird er in Perfektion praktiziert. Nicht nur die Zuschauer werden in unglaubliche neue Welten gezogen, sondern die Protagonisten gleich mit. Beeindruckend ist dabei vor allem eines: Wie echt das Gesicht von Jeff Bridges als deutlich verjüngter computergenerierter Cal aussieht. Fast gespenstisch.

Der hochgelobte 3D-Effekt kommt auf der heimischen Mattscheibe freilich nicht zum Tragen, dennoch sind die Bilder gewaltig und beeindruckend choreographiert. Die wenigen aber starken Lichteffekte, die sparsamen Farben, und als Kontrast dazu die enorme Dynamik – das weiß den Zuschauer durchaus auch in zwei Dimensionen zu überwältigen.

Die Geschichte, nun gut, die hätte wohl auch beim „Klassiker“ schon in tiefere Dimensionen vordringen können. Ein allseits bewährter Klassiker: Wo nicht die Konfrontation mit dem anwesenden Vater möglich ist, wie eben hier, wird sich an dessen Vorbild abgearbeitet. Logische Löcher? Aber sicher doch. Beispiel gefällig? Warum behält Sam seine Klamotten an, als er in den Raster gezogen wird, bekommt aber beim Austritt neue verpasst? Aber: Logik ist eine Sache, der sollte man sich nicht allzu sehr widmen, wenn man im Kino phantastische Welten und ordentlich Action bevorzugt. Und für die Fans gepflegten Unterhaltungskinos gibt es allemal Filme, die weniger zu bieten haben.

 

Gottgleiche Wanderer zwischen den Welten
Bilder: Disney

 

TRON: LEGACY
Regie: Joseph Kosinski
Darsteller: Jeff Bridges, Garrett Hedlund, Olivia Wilde

ab 1. Juni 2011 im Handel (DVD und Blu-ray)

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