Goodbye, New York, see you

Es heißt in den USA, man bräuchte ein Dorf, um ein Kind zu erziehen. Jedenfalls braucht man einen einzigen Menschen, um New York für sich zu öffnen.

Katharina Ohana, Psychologin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Es ist wirklich etwas völlig anderes, ob man hier her kommt als Tourist und seine Nächte im Hotel fristet, ober ob man privat unterkommt und so am wirklichen New Yorker Leben teilnimmt. Ich hatte das Glück bei einem echten New Yorker Künstler wohnen zu dürfen (ein Freund von Freunden von Freunden – es ist gut, wenn man so was hat, wenn man länger her kommen will), der neben seinen fantastischen Bildern Zeit gefunden hat mir die Stadt zu zeigen und sich mit mir in New Yorker Bars und Cafés herumgedrückt hat und mit mir seine Meinung von der Stadt, in der geboren und aufgewachsen ist und fast immer gewohnt hat, diskutierte und mir seine Freunde vorstellte. 

Und wenn man dann ein paar schöne Plätze gezeigt bekommen hat, kann man sich da auch alleine hinsetzen. Was ich übrigens herausgefunden habe: Mit einer deutschen Zeitung oder einem deutschen Buch auf dem Tisch sprechen einen hier alle Leute an, die irgendwie schon mal was mit Deutschland zu tun hatten.

Sogar Rockmusiker, die nebenher umweltfreundliche Lacke herstellen und einen zu Konzerten in Clubs in Greenwich Village einladen oder skandinavische Eltern, die ihren Wall Street Sohn besuchen und mir die Formel für eine gutlaufenden Beziehung nach 37 Ehejahren verraten haben (die der Sohn hofft auch mal erreichen zu können, neben seiner ganzen Kohle, die er angeblich mit moralischen Absichten verdient…). 

Die New Yorker sind unglaublich höflich und nett. Aber man muss schon penetrant jeden Tag den gleichen Coffee Shop aufsuchen, dass einen mal jemand mehr fragt, als woher man kommt und wie man heißt und nach genau diesen zwei Fragen das Gespräch abbricht. Das kann hier auch sehr einsam werden, wenn die wenigen Menschen, die man kennt, gerade keine Zeit haben. Man kann natürlich 1000 Sachen machen, Museen besuchen und Theater und shoppen gehen (sogar ich als ausgemacher Shoppinghasser). Und dann merkt man doch, dass man fremd ist und die Stadt mit den Augen einer Besucherin (immerhin nicht Touristin) sieht. 

Die New Yorker haben ziemlich viel Stress, um ihr Geld zu verdienen. Und sie haben ziemlich gute Partys. Und sie haben mittlerweile sehr guten Kaffee (hatte ich das schon erwähnt?). Sie haben dicht an dicht die tollsten Restaurants und Bars. Und sie sind sehr marktwirtschaftlich orientiert – um es mal nett zu sagen. Man würde hier nie die Höflichkeit gegenüber dem Personal verlieren, aber der Status ist das Wichtigste. Sie sind meist sehr schlank und sehr gut oder sehr cool angezogen. Sie haben viele Kinder, sehr viele Hunde und kaum alte Leute. Mittlerweile gibt es wirklich an jeder Ecke Mülleimer mit Mülltrennung. Der Central Park ist aber eher ein Witz, wenn man aus München kommt und den Englischen Garten vor der Tür hat (das hab ich echt noch nie verstanden, warum um den Central Park so ein Geschiss gemacht wird…)

Ein abschließender Geheimtipp von mir ist der kleine Bryant Park, 42 Straße, zwischen den Uptown Hochhäusern. Dort sollte man sich am frühen Abend mal ins Bryant Café unter die Platanen setzen und eine teure Mango-Margarita bestellen (eine reicht, nach einer ist man wirklich bedient) und dann das Licht zwischen den anderen Platanen anschauen und die Menschen auf den Gartenstühlen, die überall rum stehen. 

New Yorker können übrigens, wie alle Amerikaner, nicht flirten, dazu sind ihre Gesetze wegen sexueller Belästigung zu streng und außerdem sind sie zu protestantisch … das kann man im Bryant Park besonders gut beobachten. Seltsam eigentlich, dass trotzdem alles voller Kinderwagen ist. Das muss ich dann beim nächsten Besuch mal aufklären …

Also, ab der nächsten Woche wird an dieser Stelle von der Küste von New England in der Zeit des sogenannten Indian Summer berichtet. Wollte ich, wie gesagt, schon immer mal hin…

Von Katharina Ohana

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